Betrugsfälle im Kreis Recklinghausen haben zugenommen

Vorfahren, volltanken, flüchten. Dank der Überwachungstechniken an Tankstellen ist die Zahl  beim Tankbetrug im vergangenen Jahr rückläufig gewesen.
Vorfahren, volltanken, flüchten. Dank der Überwachungstechniken an Tankstellen ist die Zahl beim Tankbetrug im vergangenen Jahr rückläufig gewesen.
Foto: dpa-tmn
Was wir bereits wissen
Polizeipräsidium Recklinghausen registriert die höchste Zahl seit zehn Jahren. Anonymität im Internet erleichtert so manche Tat, meint die Polizei.

Vest/Gladbeck..  Die Straftaten sind nicht so spektakulär wie Mord und Totschlag, Straßenraub oder Wohnungseinbrüche, doch für die Opfer oft nicht minder belastend – mental und finanziell. Die weit gefasste Statistikgruppe Vermögens- und Fälschungsdelikte hat viele Facetten, der Bereich Betrug weist die höchste Steigerungsrate in der aktuellen Kriminalstatistik der Recklinghäuser Polizei auf. In 2014 gab es über ein Drittel mehr Fälle als im Vorjahr.

Die für den Kreis Recklinghausen und Bottrop mit insgesamt ca. 730 000 Menschen zuständige Behörde hat unter Vermögens- und Fälschungsdelikten 11 218 Straftaten (+ 2317 / +26,03 %) in 2014 erfasst. Darunter finden sich zum Beispiel die Fälschung von Zahlungskarten, Geldfälschung sowie Unterschlagung wieder. Und natürlich der Bereich Betrug: Es geht um 9388 Fälle in 2014, das waren 35,68 % oder 2469 mehr als 2013. Es ist die höchste Zahl im Zehnjahresvergleich, die Fallzahlen pendelten seit 2005 zwischen 6 191 (2007) und 7304 (2010), nur 2009 gab es einen Ausreißer nach oben (8207).

Warum ist Betrug auf dem Vormarsch? Einen Erklärungsansatz skizziert Ramona Hörst von der Pressestelle im Recklinghäuser Präsidium: „Vieles geschieht anonym im Internet. Es gibt keine persönliche Konfrontation mit dem Opfer, da fällt die Tat oft leichter. Ein anderer Punkt ist noch immer eine gewisse Leichtfertigkeit bei Angaben über die eigene Person und sogar Kontodaten. Manchmal wird das Ausspähen leicht gemacht. Jeder ist für seine Daten verantwortlich.“

Waren-/Warenkreditbetrug

Den größten Anteil an Betrugsdelikten hat der sogenannte Waren- und Warenkreditbetrug mit 3868 Taten (+ 881). Worum es geht, zeigt der Fall eines Recklinghäusers, der im Internet über einen Online-Shop scheinbar unschlagbar günstig Elektronik (meist Handys und Digitalkameras) anbot. Ihm wurden laut Polizei rund 800 Fälle gewerbsmäßigen Betrugs nachgewiesen – geprellte Kunden haben zwar gezahlt, aber die Ware nie gesehen. Aber auch andersherum kommt die Polizei ins Spiel: Wenn Ware (im Internet) bestellt, aber nicht bezahlt wird.

Tankbetrug

Vorfahren, volltanken, flüchten – eine besondere Form des Warenbetruges ist der Tankbetrug. 2014 kam zu 940 Fallen – 79 weniger als 2013. Aus Sicht der Polizei resultiert das daraus, dass Tankstellenpächter mit verbesserter Überwachungstechnik potenzielle Täter abschrecken. Tankbetrug wurde im vergangenen Jahr zu rund 43 % aufgeklärt.

Erschleichen von Leistungen

1608 solcher Fälle wurden 2014 registriert – auch das fällt unter Betrugsdelikte. Den größten Teil macht die Beförderungserschleichung – das „Schwarzfahren“ – mit 1541 Fällen aus. Davon wurden 99,29 % geklärt – in der Regel ist der Täter ja für die Polizei greifbar, wenn er bei einer Kontrolle im Linienbus auffliegt.

Trotz einer deutlichen Steigerung um mehr als 600 Delikte im Jahr 2014 seien die Fallzahlen im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Recklinghausen noch vergleichsweise gering, sagt die Polizei.

Betrug mit EC-/Kreditkarten

176 Straftaten gab es 2014 mit rechtswidrig erlangten Zahlungskarten bzw. darauf festgehaltenen Daten (316 Taten). Diese Fälle sind in den insgesamt 578 registrierten Delikten des Missbrauchs von EC-/Kreditkarten enthalten. Das bedeutet eine Zunahme von 91 Fällen oder 18,69 % gegenüber 2013 (487). Die Aufklärungsquoten lagen bei 22,66 % (2014) bzw. 34,09 % (2013).

Unterschlagung

Unterschlagungsfälle sind von 2013 auf 2014 um 76 Taten auf 865 gesunken. Die Unterschlagung von Kraftfahrzeugen liegt bei 9%. Unterschlagungen werden zu über 59 % aufgeklärt.