Beschäftigte sollen Arbeitszeit notieren

Die „Stechuhr aus Papier“ ist ein Muss: Wer im Kreis Recklinghausen zum gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde arbeitet, sollte immer seine Arbeitszeiten aufschreiben. Diesen Rat gibt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Jede Überstunde sollte notiert werden. Nur so gehen Beschäftigte auf Nummer sicher, dass sie den Stundenlohn von 8,50 Euro auch tatsächlich bezahlt bekommen“, sagt Yvonne Sachtje, Geschäftsführerin der NGG Ruhrgebiet.

Die NGG Ruhrgebiet warnt vor „der Versuchung der Arbeitgeber, den gesetzlichen Mindestlohn zu umgehen, z.B. durch unbezahlte Mehrarbeit, die nicht notiert werde“. Ein einfaches Stunden-Heftchen, in dem Beschäftigte jeden Tag ihre geleisteten Arbeitszeiten aufschreiben, reiche völlig aus. „Mit so einer ‚Stechuhr aus Papier‘ kann man dem Chef jede Stunde schwarz auf weiß glaubwürdig nachweisen“, sagt Yvonne Sachtje. Ebenfalls die rund 53 380 Mini-Jobber im Kreis Recklinghausen sollten dies tun, auch wenn der Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, ihre Arbeitszeit festzuhalten. „Eine ‚Parallel-Kontrolle‘ schadet allerdings auch nicht“, so die NGG Ruhrgebiet.

Im Hotel- und Gastgewerbe ist das Dokumentieren von Arbeitszeiten längst Praxis, um Überstunden oder Nachtzuschläge ordentlich abzurechnen. Die NGG-Geschäftsführerin fordert die heimischen Bundestagsabgeordneten deshalb auf, jetzt „keine Arbeitgeber-Reparaturen am Mindestlohngesetz vorzunehmen“. Eine „Lightversion des Mindestlohns“, der durch eine fehlende Dokumentation der Arbeitszeiten bei Mini-Jobbern nicht kontrolliert werden könne, werde so „zum Flopp“.

Nach Ansicht der NGG befindet sich der Mindestlohn auf einem guten Weg. Daher werden auch alle Pläne, das Mindestlohngesetz zu umgehen, abgelehnt. Um einen positiven sozialen und wirtschaftlichen Effekt zu erzielen, müsse aber garantiert werden, dass der Mindestlohn auch gezahlt werde, selbst wenn es notwendig sei, jede Arbeitsstunde festzuhalten.