Bergmann mit vielen Botschaften
24.10.2009 | 06:00 Uhr 2009-10-24T06:00:00+0200
Gladbeck. Walter Hüßhoff war und ist Kumpel mit Leib und Seele. Im Ruhestand hat er sich die Förderung der Jugend zur Aufgabe gemacht.
Wenn Walter Hüßhoff (60) vor Publikum spricht, braucht er kein Mikrofon. Was er zu sagen hat, sagt er laut und unüberhörbar. Denn der Ex-Bergmann will eine wichtige Botschaft rüberbringen: „Für die Jugend müssen wir uns einsetzen, die sind doch unsere Zukunft." Selbst 15 - 17-Jährige Jungs hören dann mucksmäuschenstill zu. Denn Hüßhoff lässt wenig Zweifel daran, dass er meint, was er sagt. Und dass er tut, was er ansagt. Seit gut vier Jahren wird der IGBCE-Mann nicht müde, sich für Jugendliche einzusetzen, die ein bisschen mehr Unterstützung beim Start ins Berufsleben brauchen als andere. Und er tut dies mit wachsendem Erfolg. Erst im letzten Jahr hat er mit den Schülern der Hauptschule Butendorf ein Theaterstück einstudiert und es im Ratssaal vor Riesenpublikum aufgeführt. „Wenn einer gesehen hat, wie stolz die Jugendlichen waren, als man ihnen applaudierte . . . Es ist doch so wichtig, dass sie Anerkennung bekommen." Wenn Hüßhoff nicht so ein ganzer Kerl wäre, man würde glatt meinen, eine Träne der Rührung im Augenwinkel zu sehen.
Ein Musical
Aber das Theaterspiel – zurzeit ist ein Musical in Arbeit – ist nur die eine Seite dieser aktiven Jugendarbeit, die auch ein ganz persönliches Kümmern ist um jeden einzelnen. Walter Hüßhoff und andere IGBCE-Leute nehmen die Jugendlichen mit auf Expeditionen in die Arbeitswelt, damit sie sehen, was für Berufe es gibt, wer sie ausübt, was man dafür können muss. „Ich sag euch Jungs, lernt ordentlich, damit ihr die Schule gut abschließt."
Und er erzählt ihnen von damals, als der junge Walter in den 60er Jahren selbst auf Lehrstellensuche war und die Zeiten noch anders waren. Anders in jeder Hinsicht. 14 Jahre war er, als er seinen Ausbildungsvertrag schon in der Tasche hatte. Ein Junge eigentlich noch, mit Fußball und Flausen im Kopf, aber trotzdem alt genug für den Pütt. „Hier haste den Schein, geh dich vorstellen auf Moltke", hatte der Berufsberater dem Volksschüler bei der Schulentlassung gesagt. Der ging eben hin und kam mit dem Vertrag zurück. Damit der Vater ihn unterschrieb. „Es war so einfach damals", sagt Walter Hüßhoff heute. Und sieht deshalb die Notwendigkeit, die Jugendlichen unter seine Fittiche zu nehmen. Vor allem die, denen der Schulabschluss „Hauptschule" wie ein Makel auf der Stirn klebt.
Die Berufsfindung
Einfacher war die Berufsfindung früher auch deshalb, weil 14-Jährige nicht groß nach ihrem Traumjob gefragt wurden. Dabei hatten sie natürlich Träume. Hüßhoff: „Eigentlich wollte ich Zimmermann werden, wie mein Vater." Doch dann hätte die Familie aus der Zechenwohnung 'rausgemusst, in die sie nach dem Krieg gezogen war. In den 60er Jahren brauchte man diese Wohnungen wieder für die Bergleute. „Und da musste eben einer von uns in den Pütt, damit wir wohnen bleiben konnten", sagt Hüßhoff. Der eine war er.
So kam es, dass er statt Dachstühle hoch oben auf Neubauten zusammen zu zimmern, tief unten in der Erde nach Kohle grub. Und der Junge aus Gladbeck lernte schnell, dass die Welt da unten eine andere war als oben. Dass Kumpel so was wie ein Adelstitel war, aber mit Verpflichtung: Kumpel, das bedeutet so viel wie Blut am Stempel, was wiederum meint, dass man da unten keinen im Stich lässt. „Wir holen dich raus", das hat auch Walter Hüßhoff oft gesagt und so manchen Verletzten mit nach oben gebracht. „Unfälle gibt es eben." So ist die Arbeit untertage. Auch das erzählt Walter Hüßhoff den Jugendlichen, wenn er mit ihnen unterwegs ist.
09:38
Hallo Walter,
Du hast Recht