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Feuerwehr-Affäre

Bei der Gladbecker Freiwilligen-Wehr ermittelt jetzt der Staatsschutz

05.12.2011 | 20:28 Uhr
Bei der Gladbecker Freiwilligen-Wehr ermittelt jetzt der Staatsschutz
Josef Dehling leitet die Feuerwehr in Gladbeck und ist zutiefst betroffen. Foto: Ulla Michels

Gladbeck.   Die Feuerwehr-Affäre um rassistische Äußerungen von Gladbecker Freiwilligen via Facebook weitet sich aus. Aktuell wurden bereits zwei Wehrmitglieder vom Dienst suspendiert. Der Staatsschutz ist eingeschaltet. Zutiefst betroffen über diese neuerlichen Vorfälle äußerte sich Feuerwehrchef Josef Dehling.

Die fremdenfeindlichen und rassistischen Äußerungen von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr im Internetportal Facebook werden weit reichende Folgen für die Beteiligten haben. Das kündigte Bürgermeister Ulrich Roland am Montag im Haupt- und Finanzausschuss an. „Es sind nicht akzeptable, unerträgliche rassistische Äußerungen über türkischstämmige Bürger unserer Stadt gefallen.“ Wie berichtet, waren Auszüge der Facebook-Diskussion, die am 25. Juni stattfand, durch anonyme Schreiben an die Medien und eine Ratsfraktion bekannt geworden. Zwei Mitglieder der Feuerwehr sind bereits suspendiert.

Insgesamt beteiligten sich zwölf Personen an der Diskussion, sieben davon sind Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Gegen alle sieben wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet und es werde noch darüber entschieden, so Roland, ob weitere Maßnahmen erfolgen. Bereits eingeschaltet worden ist der Staatsschutz und es wurde Anzeige u.a. wegen Volksverhetzung erstattet. Rechtsdezernent Dr. Thomas Wild: „Der Staatsschutz arbeitet mit aller Konsequenz, die Sache wird sehr ernst genommen.“ Dass diese Facebook-Diskussion nur wenige Monate nach der sogenannten Hitlergruß-Affäre und einer intensiven, transparenten Aufarbeitung der Vorfälle stattfand, schockiert zusätzlich.

Kopien tauchten erst ein halbes Jahr nach der Diskussion auf

Ebenso befremdet, dass die Kopien erst ein halbes Jahr nach der Diskussion auftauchten und offensichtlich nur Auszüge zugespielt wurden. In den Ausdrucken fehle der Beitrag eines Mitglieds der Freiwilligen Feuerwehr, das zu der Gruppe gehört, die vor einem Jahr die Jahresabschlussübung boykottiert hat, sagt Roland, der hier Zusammenhänge vermutet.

Zutiefst betroffen über diese neuerlichen Vorfälle äußerte sich in der Sitzung Feuerwehrchef Josef Dehling . „Ich wollte das zunächst nicht glauben.“ Und das erst recht nicht, als er den Namen des Initiators dieser Diskussion erfuhr.

Kommentar
Schaden für die Feuerwehr

Die Worte sind gefallen, wurden geschrieben. Nicht von irgendeinem Wirrkopf, wie es so viele auf Facebook und Co. gibt, sondern von einem Mitglied der Feuerwehr, dazu noch im Rahmen eines Diensteinsatzes. Das gerade ist so erschreckend: Diese Gedankenlosigkeit, mit der ein scheinbar ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft sich über seine Mitmenschen und, wie man nun weiß, auch über Kollegen äußert.

Reicht eine Entschuldigung aus? Die öffentliche Geste ist sicherlich ehrlich gemeint und das reumütige Bekenntnis anzuerkennen. Der angerichtete Schaden ist aber immens: In erster Linie im eigenen Laden, bei der Feuerwehr. Die muss sich erneut dem Vorwurf nazistischer Tendenzen in den eigenen Reihen stellen.

Dieser hat sich jetzt namentlich dazu bekannt. Björn Golombek ließ in der öffentlichen Sitzung durch Bürgermeister Roland eine Erklärung mit der Bitte um Entschuldigung verlesen. „Hiermit bitte ich öffentlich und von ganzem Herzen um Entschuldigung. Ich versichere, dass ich in keinster Weise ausländerfeindliche Gedanken hege und bedaure diese Entgleisung zutiefst. Mein berufliches Umfeld ist geprägt von vielen Migranten, der Umgang ist freundschaftlich und kollegial. Ich bin mir bewusst, dass mein Handeln absolut inakzeptabel war.“ Unterstützung erhält Golombek von Cemile Kaynar, der er bei einer schweren, plötzlichen Erkrankung das Leben gerettet hat. „Ich bin ihm persönlich sehr dankbar und zutiefst überzeugt, dass Björn Golombek keine ausländerfeindlichen Tendenzen hat“, schreibt die engagierte Gladbeckerin.

Dass die gefallenen Äußerungen („wenn der Alarm kommt, Ruhe bewahren und noch zwei Pils trinken“) fatale Auswirkungen auf das Ansehen der Feuerwehr und das Vertrauen der Bürger in sie haben kann, ist nicht nur Feuerwehrchef Dehling bewusst. Der Bürgermeister betont: „Die Feuerwehr Gladbeck rückt unverzüglich aus, wenn Alarm ausgelöst wird: Unabhängig vom Anlass, unabhängig insbesondere auch von Staatsangehörigkeit, Sprache, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit der Bürger unserer Stadt, die in Not sind.“ Dehling ergänzt: „Sie können sich auf Ihre Feuerwehr verlassen. Wir unterscheiden nicht zwischen Migranten und Deutschen.“

Am Mittwoch diskutiert der Integrationsrat das Thema.

Maria Lüning

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