Azubis übernehmen Filialmacht

Die Sparkasse übergab im Rahmen ihrer Aktion "Azubi-Filiale" den Schlüssel der Geschäftsstelle Zweckel in Gladbeck an ihre Auszubildenden. Im Bild: vorn v.l. Azubi Daniel Brinkmann und Geschäftsstellenleiter Franz Heinrichs. Hinten v.l. Tayfur Canbaz, Alina Jeschke, Nils Menne, Sevda Özbay, Jessica Singh, Tim Skrypcak, Sarah Röhling und Lara Nahke.
Die Sparkasse übergab im Rahmen ihrer Aktion "Azubi-Filiale" den Schlüssel der Geschäftsstelle Zweckel in Gladbeck an ihre Auszubildenden. Im Bild: vorn v.l. Azubi Daniel Brinkmann und Geschäftsstellenleiter Franz Heinrichs. Hinten v.l. Tayfur Canbaz, Alina Jeschke, Nils Menne, Sevda Özbay, Jessica Singh, Tim Skrypcak, Sarah Röhling und Lara Nahke.
Foto: Michael Korte
Ein Projekt geht ins dritte Jahr: Erneut übernehmen Sparkassen-Azubis im Rahmen ihrer Ausbildung für 14 Tage eine Filiale.

Gladbeck..  Sie stehen am Ende des zweiten Lehrjahres, sie sind zu neunt und sie übernehmen eine Bank. Wow – oder? In Gladbeck ist das mittlerweile schon ganz normal. Bereits zum dritten Mal tragen Sparkassen-Auszubildende für den Zeitraum von zwei Wochen die Verantwortung für eine Filiale des Geldinstituts. Ort des Geschehens ist diesmal die Geschäftsstelle Zweckel am Kardinal-Hengsbach-Platz 2.

Hier wurde über Nacht der langjährige Filialleiter Heinrich Franz entmachtet, Doch der ist gar nicht wütend, sieht die Situation ganz entspannt. Er ist an diesem ersten Morgen nach der Übernahme durch den Nachwuchs nur Gast in seinem Zimmer – und lächelt. „Ich bin optimistisch, dass es sehr gut laufen wird.“ Mit Blick auf seinen Arbeitsplatz lobt er: „Mein Schreibtisch ist in guten Händen.“ Dahinter sitzt Daniel Brinckmann (23) und „ist überhaupt nicht nervös“. Seine erste Amtshandlung: „Ich habe die Klimaanlage heruntergedreht“, sagt der Nachwuchs-Banker, der sich „sofort wohlgefühlt hat“.

Chef vom Ganzen ist er aber nur für einen Tag, denn der Job wird unter den neun Azubis rotierend vergeben. So hat jeder von ihnen für einen Tag die Chance, einmal die Leitung zu übernehmen. Doch es geht nicht ums bloße Boss spielen. Vielmehr tragen die Azubis in den 14 Tagen die Verantwortung für die gesamten Aufgaben, die der Betrieb mit sich bringt. Dies fängt mit dem klassischen Service an und geht bis hin zur individuellen Beratung. Sabine Nutsch, Azubi-Betreuerin: „Sie haben nun die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten, die sie bisher in der Lehrzeit gesammelt haben, auf den Prüfstand zu stellen.“ Und wenn es einmal Probleme oder offene Fragen gibt, dann kommt Hilfe. Heinrich: „Ja, ganz allein sind sie nicht. Eine Person ist vor Ort, hält sich im Hintergrund auf.“

Die Azubis jedenfalls haben sich im letzten halben Jahr bestens vorbereitet. 500 Flyer mit Fotos und Text verteilten sie im Stadtteil, um die Kunden aufs Projekt aufmerksam zu machen. Sie bildeten Arbeitsgruppen und gaben ihrer Bankzeit ein Thema: „Traumfabrik“ lautet es und soll die Zielgruppe der 18 bis 27-Jährigen ansprechen. Entsprechend wurde die Filiale dekoriert. Gummipalmen, Modellautos sollen auf Wünsche, Hobbys und Urlaub hinweisen. Brinkmann: „In eigenständig geplanten Beratungsgesprächen möchten wir die Wünsche und Träume der Kunden herausarbeiten, nach Möglichkeit natürlich erfüllen.“

Kunden reagieren positiv

Die Erfahrungen der letzten beiden Bankübernahmen durch Auszubildende in Rentfort-Nord und Rosenhügel waren rundum gelungen, lobt Vorstandsvorsitzender Ludger Kreyerhoff. „Die Vorstellung vor dem Vorstand im Anschluss an die 14 Tage war hervorragend.“ Für den Vorstand war dies die Bestätigung, dass das Projekt erfolgreich abgelaufen ist. Ludger Kreyerhoff: „Auch die Meinung der Kunden war jedes mal überwiegend positiv. Wir wollen das Projekt deshalb in Zukunft fortsetzen.“