Autobahngegner rufen zu Demo bei Groschek-Visite auf

B 224 in Gladbeck, Höhe Schützenstraße.
B 224 in Gladbeck, Höhe Schützenstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Von Michael Hübner (SPD) über Peter Rademacher (CDU) bis Olaf Jung (Linke) - die jüngste Entwicklung zur A 52 löst eine Serie von Reaktionen aus.

Gladbeck..  Wenn NRW-Verkehrsminister Michael Groschek am Dienstag nächster Woche nach Gladbeck kommt, darf der Sozialdemokrat am Luther Forum mit einem heißen Empfang rechnen: „Von 17.30 bis 19 Uhr rufen das Netzwerk Bürgerinitiativen und die Mobilität~Werk~Stadt zu einer Kundgebung gegen den Bau der A52 auf“, formuliert Matthias Strehlke. Dem NRW-Verkehrsminister solle deutlich werden: „Wie vor 40 Jahren die Zwangseingemeindung unter dem Slogan ,Glabotki is nich!’ verhindert wurde, gilt heute ,A 52 is nich!’“

Wenige Tage vor der Groschek-Visite bezogen auch viele weitere A52-Akteure nochmals im Detail Position. Bürgerforum-Chef Matthais Raith forderte - wie Bürgermeister Roland - eine Stopp des Planfeststellungsverfahrens. Raiths Appell an Groschek: „Nutzen Sie, Herr Minister, Ihren öffentlichen Auftritt am 3. Februar in Gladbeck für die Verkündigung der Rücknahme des Planfeststellungsantrages.“ Nur so sei ein Neuanfang möglich. „Sie ersparen sich und uns allen damit sehr schädliche Auseinandersetzungen und eine wahrscheinlich nicht wieder gut zu machende Verärgerung und Verdrossenheit einer ganzen Stadt.“

Hübner: Bürger-Votum von März 2012 darf nicht ignoriert werden

Auch SPD-Fraktionschef und Landtagsabgeordneter Michael Hübner schaltete sich am Freitag in die A52-Diskussion ein und schickte eine umfangreiche Stellungnahme auf den Weg - ein Kernpunkt: „Wenn wir heute über einen Ausbau der B 224 zur A52 diskutieren, müssen wir sicher den gesamten Streckenverlauf berücksichtigen! Darüber hinaus ist ein Ausbau mit Tunnel auf Gladbecker Stadtgebiet nur dann akzeptabel, wenn Verbesserungen zum Angebot aus dem Jahr 2012 vorliegen. Das Votum der Gladbeckerinnen und Gladbecker darf auch heute nicht ignoriert werden. Außerdem darf die aktuelle Berichterstattung nicht darüber hinwegblenden, dass beim laufenden Planfeststellungsverfahren die von Herrn Ferlemann in Aussicht gestellte Lösung keine Rolle spielt. Ein Tunnel wäre eine vollkommen neue Ausgangssituation!“

Groschek signalisiert: Land steht zu Städtebauförderung

Ergänzend meldete Michael Hübner am Freitagnachmittag: „Soeben wurde meinem Büro von Minister Groschek mitgeteilt: ,Wenn alle anderen Verfahrensbeteiligten den Tunnelabschnitt wollen, stehen wir zu unserer Zusage, die Gestaltung mit Städtebauförderung zu unterstützen. Mit einer ansprechenden Gestaltung kann die gravierende Trennung Gladbecks an dieser Stelle aufgehoben werden. Selbstverständlich stehen wir auch zu den 34 Einzelmaßnahmen, die wir im Sommer 2013 zugesagt haben.’“

Neben zahlreichen Leser-Kommentaren im WAZ-Nachrichtenportal gab es weitere Stellungnahmen aus der Lokalpolitik.

CDU: Chance muss genutzt werden

„Ich freue mich darüber, dass nun alle auf die Position von CDU und IHK einschwenken. Wir brauchen den Lückenschluss, wir leben hier in einer Wirtschaftsregion. Ein Komplettausbau müsste natürlich bürgerverträglich erfolgen“, kommentiert CDU-Fraktionschef Peter Rademacher die neue Entwicklung. Und schickt ein Signal der Opposition an den Bürgermeister: „Wir stehen an seiner Seite, wir wollen das Beste für Gladbeck herausholen. Die Chance, die B 224 stadtverträglich zur A 52 auszubauen, muss genutzt werden.“

Jung: Ablenkungsmanöver der Bundespolitiker

Olaf Jung formuliert für die Ratsfraktion „Die Linke: „Die Gladbecker sollten sich nicht durch die aktuellen Ablenkungsmanöver der Bundespolitiker, die den Bürgern vorgaukeln, es ginge im aktuellen Planfeststellungsverfahren um eine Tunnelführung der A 52 durch Gladbeck, von Einwendungen gegen den Plan abhalten lassen. Im Gegenteil, gerade diejenigen, die sich den Tunnel wünschen, müssen den offen gelegten Plan ablehnen, denn er enthält keinen Tunnel und zementiert den jetzigen Zustand der B 224 für viele Jahre.“ Wenn die jetzt in die Diskussion gebrachten Tunnelversprechen ernst gemeint seien, hätte das begonnene Planfeststellungsverfahren sofort ausgesetzt werden müssen, argumentiert Olaf Jung. Nur so sei den Bürgern eine Planung „aus einem Guss mit Tunnel“ zu präsentieren.

Jung zieht folgende Bilanz: „Im Ganzen kann nur angenommen werden, dass diese Versprechungen nur gemacht werden, um damit in die bisher geschlossene politische Front gegen Bau des Autobahnkreuzes bei Wittringen einen Keil zu treiben. Das könnte sogar gelingen.“ NRW-Verkehrsminister Michael Groschek habe bei der WAZ-Diskussion in der nächsten Woche (3. Februar) noch die Chance, das Planfeststellungsverfahren zu beenden und den Gladbeckern danach eine umfassende Planung für das gesamte Stadtgebiet vorzulegen.