Auseinandersetzung mit konstruierten Landschaften
18.02.2010 | 19:18 Uhr 2010-02-18T19:18:00+0100
Gladbeck. „Constructed Landscapes“ - so der Titel der Ausstellung, die am Freitag, 26. Februar, in der Neuen Galerie Gladbeck eröffnet wird. Sie bringt drei junge Künstler in die Stadt, die sich alle mit konstruierten Landschaften auseinander setzen: SEO, Sven Drühl und Maik Wolf.
Der Star unter den Dreien ist ganz ohne Zweifel die koreanische Künstlerin SEO. SEO hat in Seoul studiert, kam dann 2001 nach Berlin und wurde Meisterschülerin in der Klasse von Georg Baselitz. Berlin ist nun auch der Wohnsitz der 33-jährigen Künstlerin, die sich in relativ kurzer Zeit einen großen Namen in der zeitgenössischen Kunstszene gemacht hat.
Ihre Bilder sind von einer strahlenden Leuchtkraft, ja fast schon schriller Farbigkeit. Inspiriert von dem Bau- und Architekturboom in Dubai, hat sie das Konstruieren von Landschaften zum Thema ihrer Arbeiten erkoren.
Wie die gigantische, künstliche Palmen-Insel vor Dubai sind auch ihre Landschaften vom Menschen geschaffene Konstrukte, ohne exaktes Abbild in der Natur. „Es geht hier um den Menschen, der nicht nur in die Natur eingreift, sondern sie ganz bewusst verändert“, erklärt Ausstellungsplaner Gerd Weggel.
Grenzen zwischen Konstrukt und Natur verschwinden
Die Grenzen zwischen Konstrukt und Natur verschwinden, weil der Mensch es so will. Kein neues Thema in der Kunstgeschichte übrigens. Schon die Deutschen Romantiker haben sich damit beschäftigt, erläutert Weggel. Berühmtes Beispiel: Die Landschaften von Caspar David Friedrich (1774-1840), die alle erdacht sind. Fiktive Ansichten der Natur, die Detailrealismus und abstrakte Konstruktion in sich vereinen.
SEO ist nach Auskunft Weggels eine große Anhängerin der Deutschen Romantik. In ihren Arbeiten würzt sie sie sozusagen mit der asiatischen Vorliebe fürs richtig Farbige.
Ruhiger, schon allein in der Farbwahl, kommen die Motive von Sven Drühl daher. Er nimmt bereits gemalte Bilder und reduziert diese auf das Äußerste.
Die bewusste Konstruktion ist natürlich auch Thema der Arbeiten von Maik Wolf. Seine Bilder erinnern stark an die des amerikanischen Malers Edward Hopper. Dabei lässt Maik Wolf von der Zivilisation Geschaffenes wuchern, wie es eigentlich nur die Natur kann. Er malt oft menschenleere Plätze sowie Häuser und Räume mit absichtlich verrückten Proportionen. Ihm geht es um das Bild hinter dem Bild.
Die Ausstellung „Constructed Landscapes“ der Berliner Galerie Schultz, die alle drei Künstler unter Vertrag hat, hat vor Gladbeck bereits in anderen Städten Station gemacht. Für die Schau in der Neuen Galerie im Rathauspark musste sie allerdings neu zusammengestellt (konstruiert?) werden, da das neue „art-otel“ in Köln alle Werke von SEO aufgekauft hat. Aufgekauft, und auch direkt in den Räumen des modernen Design-Hotels aufgehängt. In Gladbeck werden jetzt also Bilder der koreanischen Künstlerin aus privaten Sammlungen zu sehen sein.
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