„Asphalt-Klauboys“ sind hochmobil

Autoknacker in Aktion.
Autoknacker in Aktion.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
430 Mal schlugen Autoknacker in 2014 in Gladbeck zu. Die Aufklärungsquote liegt nur bei 2 Prozent.

Gladbeck..  Sie kommen meistens im Dunkeln, schlagen blitzschnell und zielgerichtet zu. Bevor ein Zeuge möglicherweise etwas mitbekommt oder gar die Polizei anrückt, sind die Autoknacker verschwunden – und mit ihnen Navis, Airbags, Lenkräder. Die Polizei spricht selbst von „Asphalt-Klauboys“: Sie sind eine Landplage wie Wohnungseinbrecher, zum Teil in Banden organisiert und schwer zu fassen. Rein, raus, weg. 430 Fälle hat das Polizeipräsidium im Jahr 2014 in Gladbeck registriert (2013 – 426; 2012 – 513; 2011 – 599). Im gesamten Kreis plus Bottrop waren es 4345 Fälle. Die Chance aufs Schnappen der Täter ist mehr als gering. In Gladbeck lag die Erfolgsquote 2013 bei knappen 4 Prozent, 2014 bei gerade mal 2 Prozent.

Gladbeck und auch die anderen Kreisstädte sind umgeben von einem dichten Autobahnnetz. Die gut ausgebaute Infrastruktur kommt flüchtenden Gangstern entgegen. Die Städte werden immer wieder in Serie mit Fahrzeugaufbrüchen überzogen. BMW, Mercedes, Audi – diese Reihenfolge mag untereinander austauschbar sein, die Beliebtheit der Nobelmarken bei den Kriminellen bleibt augenfällig.

Zuletzt war Waltrop ein Schwerpunkt, davor Dorsten. Und es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass die Täter gerne nach Ablauf von ein paar Wochen noch einmal wiederkommen, wenn denn ein Tatort nur günstig genug gelegen und eine rasche Flucht möglich ist: Die Gangster können fast sicher sein, dass der Schaden des ersten Bruchs repariert, ein neues Navi eingebaut ist.

Der Schaden ist immens: Die Täter zerschmettern Seitenscheiben, beim Ausbau eines fest installierten Navigationsgerätes wird oft mit Gewalt nachgeholfen. Armaturenbretter werden beschädigt, Kabel durchgeschnitten. Das summiert sich: 6000 Euro Schaden sind schnell zusammen. Das spricht sich unter den Bürgern herum, die Polizei gerät unter Druck.

Es sind nicht die Fallzahlen selbst, die den Ermittlern Kopfzerbrechen bereiten. Was drückt, sind die niedrigen Aufklärungsquoten, die unter dem Landesmittelwert von 8,2 Prozent liegen. So wie bei Wohnungseinbrechern hat es die Polizei auch bei Autoknackern mit hochmobilen und gut organisierten Tätern, ja Banden, zu tun – einerseits. Andererseits gibt es auch viele örtliche Täter, die vor allem Bargeld suchen, so Polizeisprecher Michael Franz. „Sie schlagen bevorzugt im Bereich von Friedhöfen zu. Da sind wenig Leute und vielfach werden Handtaschen im Fahrzeug liegen gelassen.

Das Recklinghäuser Polizeipräsidium lässt sich nicht gerne in die Karten schauen, macht jedoch deutlich, dass die „Baustelle Kfz-Einbruch“ intensiv bearbeitet wird – offenbar landen einschlägige Erkenntnisse gebündelt bei Spezialisten.

Zuständigkeitsbereich Recklinghausen

Insgesamt wurden im Jahr 2014 im Zuständigkeitsbereich Recklinghausen 119 Tatverdächtige ermittelt: 16 Jugendliche (14 bis 18 Jahre), 16 Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre), 86 Erwachsene (21 bis 60 Jahre).

Auch bei den jungen Täter handelte es sich hauptsächlich um männliche.

Die meisten Täter waren zwischen 30 und 40 Jahre alt und Männer.