Postallee
Altlasten, 40 Jahre danach: Wie kann das sein?
07.09.2010 | 17:19 Uhr 2010-09-07T17:19:00+0200
Gladbeck.Im Herbst startet – wie berichtet – eine umfangreiche Bodensanierung an der Postalle 43 bis 45 a. Die frühere chemische Reinigung von Alfred Raupauch löste diese Altlast aus (leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe, LHKW).
„Ein Altlastenfall – 40 Jahre nach der Betriebsschließung; wie kann das sein?“ Diese Frage beschäftigte nicht nur Wendel vorm Walde (SPD) im Umweltausschuss. 1976 war das besagte 3500-qm-Gelände wieder bebaut worden. Mit Eigentumswohnungen. Auch eine großzügige Tiefgarage entstand, so dass große Teile des belasteten Erdreichs wohl längst verschwunden sind.
Doch im Gartenbereich des Areals stellte man 2003 bei so genannten Bodenluftproben besagte Belastungen fest. Nach Auskunft von Diplom-Geologin Barbara Sasse (Stadt Gladbeck) lagerten genau hier jene Fässer mit chemischen Betriebsmitteln, die nun für die massive LHKW-Bodenbelastung verantwortlich seien.
Heutige chemische Großreinigungen arbeiten mit geschlossenen Systemen
Heutige chemische Großreinigungen arbeiten mit geschlossenen Systemen, so Barbara Sasse weiter; sie verwenden zur Lagerung von chemischen Betriebsmitteln absolut sichere und dichte Edelstahlbehälter. All das sei 1970 und in den Jahrzehnten zuvor noch nicht Standard gewesen. Zudem habe damals jedes Bewusstsein für die Altlasten-Problematik gefehlt. Insofern sei es nicht verwunderlich, dass man sich jetzt – 40 Jahre später – noch mit den Folgen befassen müsse.
Dies gilt entsprechend auch für das Malorny-Gelände an der Sandstraße, wo leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) in den Boden und ins Grundwasser gelangten. Die Stadt gab hier in den letzten zehn Jahren fast eine Mio Euro für die Sanierung aus.
Eine gleiche Belastung gibt es auf dem ehemaligen Van-Beusekom-Grundstück (heute Lidl) an der Sandstraße. Für dieses Areal ist der Kreis Recklinghausen als untere Bodenschutz- und Altlastenbehörde zuständig. Eine neue (vorübergehende) Sanierungsanlage an der Aloysiusschule (Am Allhagen) soll nun auswerten, wie groß die noch bestehenden Grundwasser-Belastungen aus beiden Bereichen tatsächlich sind. Die Schadstoff-Abflüsse aus beiden Bereichen fließen mit dem abströmenden Grundwasser in Richtung Aloysiusschule, so dass hier eine entsprechende Messung möglich ist.
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