Altlast auf Wanderung
12.09.2009 | 07:00 Uhr 2009-09-12T07:00:00+0200Seit neun Jahren hat die Stadt mit einer chemischen Altlast zu kämpfen: mit chlorierten Kohlenwasserstoffen, die auf dem Gelände einer ehemaligen Reinigung und Färberei an der Sandstraße in den Boden und ins Grundwasser gelangt sind. Mittlerweile hat sich die Altlast auf Wanderung begeben.
Dass chlorierte Kohlenwasserstoffe alle Materialen bis auf Edelstahl durchdringen, war bis in die 1980er Jahre hinein nicht bekannt. Erst dann mussten Betriebe, die solche Stoffe zum Beispiel als Reinigungs- und Lösungsmittel einsetzen, entsprechend umrüsten. Daher kann der ehemaligen Reinigung und Färberei Malorny keine Schuld zugewiesen werden. Jahrzehnte lang waren aber auf dem Firmengelände an der Sandstraße (der hintere Bereich des Pieper-Geländes, der sich im städtischen Besitz befindet) CKW versickert und haben das Grundwasser belastet. Probebohrungen sollen nun klarstellen, wie weit sich die Giftstoffe ausgebreitet haben.
Seit mittlerweile neun Jahren ist die Stadt als Grundstückseigentümerin damit beschäftigt, an der Quelle der Verunreinigung zu sanieren. Grundwasserbohrungen wie zuletzt auf dem Grünstreifen an der Ecke Sand-/ Bottroper Straße sollen Aufschluss darüber geben, „wie weit die Stoffe schon gelangt und in welchen Konzentrationen sie vorhanden sind”, erklärt Barbara Sasse, die beim Bürgermeisterbüro für Altlasten und Bodenschutz zuständig ist.
Die Geologin sagt, dass die Firma Malorny mit Perchlorethylen gearbeitet habe. Wenn Menschen dieser chemischen Verbindung lange Zeit ausgesetzt sind, kann sie laut Schadstofflexikon das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigen sowie zu Schlafstörungen, Desorientierung, Reizbarkeit und so genannten Ataxien, Störungen der Bewegungskoordination, führen. Chlorierte Kohlenwasserstoffe gelten als krebsfördernd, -verursachend und erbgutverändernd. „Sorgen müssen sich die Bürger aber nicht machen”, betont Barbara Sasse.
Denn am Standort Malorny wirke die Asphaltdecke wie eine Sicherungsschicht, und an der Luft würden die Stoffe bis zu tausendfach verflüchtigt. Bezogen auf die Ausgangskonzentration wäre das nicht gefährlich. Gefahr bestünde hingegen, wenn Menschen über Jahre hinweg angehäuften Konzentrationen ausgesetzt wären. Wenn zum Beispiel ein Neubau auf einer kontaminierten Fläche errichtet würde, ohne den Boden auszutauschen, so dass CKW in den Keller eindringen könnten, der zudem noch schlecht gelüftet würde.
Gefährlich könne es werden, wenn Bürger Brauchwasserbrunnen anlegten, die nicht angemeldet werden müssen, und belastetes Grundwasser entnähmen. „Für ein Schwimm- oder Planschbecken zum Beispiel. Dann wären der Kontakt über die Haut, durch Einatmen oder Schlucken gesundheitsschädigend. Wir sind für das Thema stark sensibilisiert”, sagt Barbara Sasse.
Zu Beginn der Sanierungsarbeiten auf dem ehemaligen Malorny-Gelände wurden Belastungen mit Chlorierten Kohlewasserstoffen (CKW) zwischen 3000 und 7000 Mikrogramm (=millionstel Gramm) pro Liter Grundwasser in 40 Meter Tiefe festgestellt. Die vom Bundesgesundheitsamt empfohlene Höchstkonzentration für Trinkwasser liegt bei 25 Mirkogramm je Liter. 2009 hat die Stadt sowohl im Quell-, als auch im Abstrombereich an der Ecke Sand-/Bottroper Straße noch Werte zwischen 600 und 800 Mikrogramm gemessen. Bislang wird der Schadstoff durch Luft-/Wasseraktivkohlefilter gebunden. „Aber wir ringen um alternative, effektivere und ökonomischere Sanierungsmethoden”, betont Barbara Sasse.
Das Problem ist der Gladbecker Untergrund. Der eignet sich bislang nicht für andere Methoden, weil er nicht feinkörnig und gut durchlässig, sondern wie ein Fels mit groben Klüften ist. Man kommt nur schwer an das Gift heran.
Die Stadt hat in den vorigen Jahren mehrmals im Umweltausschuss über die CKW-Problematik berichtet und bislang mehr als 850 000 Euro in die Sanierung investiert. Die Bezirksregierung in Münster hat die Maßnahme in den ersten zwei Jahren sowie den vergangenen anderthalb Jahren mit 80 Prozent bezuschusst. In Gladbeck werden zur Zeit vier andere ehemalige Betriebsflächen wegen CKW saniert.
12:20
Wieso sollte Schultendorf 40 Meter tiefer liegen als die untere Sandstrasse. Allein diese Einlassung zeugt von einem schrägen Mengenverständnis.
Vom Bahnfahrer kamen schon mal bessere Argumente.
22:04
@Bahnfahrer:
Anfrage an den Umweltausschuss? Wenn Du selbst einen Brauchwasserbrunnen hast, würde ich im Falle einer Schwimmbeckenbefüllung oder Nutzgartenbewässerung immer eine amtliche Probe ziehen lassen und in einem Wasserlabor untersuchen lassen. Vielleicht bietet sich ja auch der örtliche Wasserversorger an, besorgten Bürgern in vermeindlich gefährdeten Einzugsgebieten einen Rabatt einzuräumen. Über Wasserbehörden und Markscheidereien sollten Grundwasserfließpläne zugänglich sein. Liegt Dein Gartenbrunnen im Einzugsgebiet, kann man darüber nachdenken. Schultendorf liegt aber auch im Bereich von Bergehalden, Güterbahnhof und Industrie. Hätte dort ehrlich gesagt eher weniger Bedenken hinsichtlich der unteren Sandstraße.
12:49
Ich würde gerne wissen ob Bürger in tiefer gelegenen Ortsteilen mehr gefährdet sind?
Die Sandstraße liegt ja ziemlich hoch. Schultendorf bestimmt 40 Meter tiefer. Wasser sucht sich doch so seinen eigenen Weg.
10:07
Edelstahl hin oder her. Wurde hier jemals hinterfragt, ob da nicht vielleicht doch mal ein Hahn getropft haben könnte?
Wenn man hier lesen muss, dass nach 30 oder mehr Jahren derart hohe Konzentrationen in 40 Metern Tiefe bei festem Untergrund gemessen werden, wäre ich mit übereilten Freisprüchen etwas vorsichtiger.