Alte Stinnes-Kumpel trafen sich in Gladbeck

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Was wir bereits wissen
Ehemalige Bergleute tauschten Erinnerungen aus. Manche hatten vor der Maloche schon zusammen die Schulbank gedrückt oder Vereinssport betrieben.

Gladbeck..  „In der Maschinenabteilung stand man sich wirklich nahe“, erinnert sich der der Braucker Bergmann Gisbert Hervert. Mit einigen seiner Kumpel war er zum Teil schon zusammen in der Schule oder im Sportverein gewesen. „Jeder kannte hier jeden, es war fast wie auf einem Dorf und man konnte sich aufeinander verlassen.“ Die alten Stinnes-Kumpel haben sich jetzt wieder getroffen, um im Braucker AWO-Café gemeinsam in gemütlicher Runde Erinnerungen auszutauschen.

Der gute Zusammenhalt war auch der Grund, warum man sich nach Stilllegung der Zeche Mathias Stinnes mit ihren Schächten 1/2 in Essen Karnap und Bottrop Welheim und den Schächten 3/ 4 in Gladbeck Brauck dazu entschloss, sich zumindest einmal im Jahr wieder zu sehen.

Im Jahr 1972 im Dezember wurde das letzte Mal Kohle auf Stinnes gefördert. Seitdem trafen sich die Kumpel regelmäßig. „Wir wurden ja in alle Richtungen verstreut“, erzählt Gisbert Hervert, „viele gingen zur Zeche Nordstern, einige zu Hugo und Prosper und ein Teil sogar ins Sauerland in den Salzbergbau.“

Der Jüngste ist 77 Jahre alt

Mittlerweile organisiert der rüstige Achtzigjährige die Zusammenkunft zum 43. Mal. „Am Anfang waren wir noch 43 Kumpel, jetzt sind nur noch 11 über. 19 sind mittlerweile gestorben und 13 weggezogen“, erklärt er. Dieses Mal sind sogar nur acht der Bergleute gekommen.

Traf man sich früher noch in einer Kneipe, musste man in den letzten Jahren aufgrund des Kneipensterbens in Brauck in die AWO-Cafeteria ausweichen. Neben dem Veranstalter Hervert unterhalten sich Hugo Altmüller, Walter Böttger, Reinhold Gies, Walter Kolassek, Rudi Freund und Heinz Stratmann, die zum Teil gemeinsam mit ihren Frauen gekommen sind, bei Kaffee und Kuchen und belegten Brötchen über alte Zeiten.

Der jüngste von Ihnen ist 77, der älteste 83 Jahre alt. Als Maschinensteiger hatten sie alle eine verantwortliche Position. Sie mussten sich um die Funktion der Maschinen und Geräte kümmern und wenn erforderlich, deren Stillsetzung oder Reparatur veranlassen. Auch Betriebsabläufe wurden von Ihnen optimiert, ebenso wie sie die notwendigen technischer Verwaltungsarbeiten ausführten. „Später wurden wir dann alle gemäß des Bundesberggesetzes zum Ingenieur“, erklärt Gisbert Hervert nicht ohne Stolz.

Das Gefühl, dass man sich aufeinander verlassen kann und dass der eine dem anderen hilft ist immer noch da und spornt die Kumpel zur Zusammenkunft an. „Unser Ziel ist es“, sagt Hervert, „die Fünfzig bei unseren Treffen vollzumachen.“