Akteure in Gladbeck rücken bei der Flüchtlingshilfe zusammen

Die „Gladbecker Flüchtlingskonferenz“ kam erstmals im Ratssaal zusammen.
Die „Gladbecker Flüchtlingskonferenz“ kam erstmals im Ratssaal zusammen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Zahl der Flüchtlinge steigt kontinuierlich. Auf Einladung der Stadt trafen sich viele Akteure, um Hilfsangebote zu koordinieren.

Gladbeck..  461 Flüchtlinge leben aktuell in Gladbeck. Bis zum Ende des Jahres werden es wahrscheinlich doppelt so viele sein. Sie sind aus ihrer Heimat geflohen, vor Kriegen, Verfolgung, sozialer Not. „Am Umgang mit diesen Menschen zeigt sich, wie solidarisch eine Gesellschaft ist“, sagte Sozialdezernent Rainer Weichelt gestern im Ratssaal, wo auf Einladung der Stadtverwaltung Mitglieder verschiedener Vereine und privater Initiativen zur „Gladbecker Flüchtlingskonferenz“ zusammengekommen waren mit dem Ziel, das Engagement und die Hilfen für Flüchtlinge besser zu koordinieren und zu vernetzen.

Das Thema ist in Gladbeck nicht neu. In den 90er Jahren lebten hier schon einmal doppelt so viele Flüchtlingen wie heute. Weichelt: „Zu dieser Zeit gab es in Gladbeck acht zum Teil sehr große Übergangsheime. Wir haben damals viel gelernt, was in unser aktuelles Handeln einfließt.“ Konkret heißt das zum Beispiel: Probleme sind programmiert, wenn man Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen quasi kaserniert. Deshalb wird heute der dezentralen Unterbringung Priorität eingeräumt. In den beiden verbliebenen Übergangsheimen im Stadtgebiet sind aktuell 209 Flüchtlinge untergebracht. Das Gros lebt in von der Stadt angemieteten Wohnungen.

Die stetig steigenden Flüchtlingszahlen bedeuten für die Kommunen riesige Herausforderungen, auch finanziell. Wenn die für Gladbeck prognostizierte eintritt, müssen weitere Unterkünfte geschaffen werden, auch ein zusätzliches Heim ist geplant, sagte Weichelt. Um die Menschen adäquat zu betreuen, muss die Stadt das Personal aufstocken. Gladbeck werde im laufenden Jahr mindestens 4,2 Mio. Euro aufbringen müssen, so der Sozialdezernent, betonte aber: „Dieses Geld hilft Menschen, die Unvorstellbares erlebt haben. Wir sind nicht nur gesetzlich verpflichtet, diese Kosten zu tragen, wir machen das auch gern.“ Allerdings müssten die steigenden Ausgaben kompensiert werden – „wie auch immer“. Weichelt unterstrich die Forderung der Kommunen nach einer deutlichen Entlastung durch den Bund.

Die finanziellen Aspekte aber standen gestern bei der Flüchtlingskonferenz nicht im Mittelpunkt. Die Teilnehmer beschäftigten sich in Workshops mit den Themen „Bildung und Erziehung“, „ehrenamtliches Engagement“, „Kultur, Sport und Beschäftigung“ sowie „Leben und Wohnen“. Es galt herauszufinden, welche Angebote und Ressourcen es in der Stadt schon gibt, an welchen Stellen Probleme erkannt wurden und was im gemeinsamen Engagement für die Flüchtlinge optimiert werden könnte.