Ärger über Zuschläge bei der Miete
30.10.2011 | 12:52 Uhr 2011-10-30T12:52:00+0100Gladbeck.Maria Greppel hat Ärger mit ihrer Vermieterin, der LEG. Vor gut einem Jahr ist sie in eine Altbauwohnung an der Hegestraße gezogen, Ende Juli lag die Mieterhöhung zum 1. Oktober im Briefkasten. 289,64 Euro Grundmiete soll sie jetzt für ihre knapp 60 Quadratmeter große Wohnung bezahlen, 20,69 Euro mehr als bisher. 4,90 Euro pro Quadratmeter sind das.
Damit geht die LEG nicht nur an die nach dem jüngsten Mietspiegel mögliche Höchstgrenze für Wohnungen in Häusern, die bis 1948 gebaut wurden – zwischen 3,50 und 4,20 Euro könnte sie verlangen –, sondern erhebt auch noch insgesamt 0,70 Euro Zuschläge, für „Alte E-Installation“ 0,15 Euro, für „Dämmung Fassade“ 0,55 Euro.
Schon die 4,20 Euro findet Maria Greppel fragwürdig, weil das Haus aus dem Jahr 1927 stammt. Die Aufschläge aber hält sie für gänzlich unberechtigt: „Ich habe Nachbarn gefragt, niemand weiß etwas von einer Dämmung. Und auch von der Erneuerung der alten Elektroinstallation ist im Haus nichts bekannt.“
Die 68-Jährige unterschrieb die für die Mieterhöhung notwendige Zustimmungserklärung nicht, sondern schaltete den Mieterverein Gladbeck ein, und der hat der LEG die Einwände der Mieterin mit Schreiben vom 19. August mitgeteilt. Vom Wohnungsunternehmen kam keine Reaktion. Auch zwei weitere Schreiben des Mietervereins blieben unbeantwortet.
Stattdessen fand Maria Greppel am 13. Oktober ein Schreiben der LEG in ihrem Briefkasten. Darin wird sie aufgefordert, die Zustimmungserklärung zur Mieterhöhung bis spätestens 23. Oktober unterschrieben zurück zu schicken. Andernfalls sehe man sich „leider gezwungen, die erforderliche Zustimmungserklärung auf gerichtlichem Wege herbeizuführen“.
„Dass wir auf die Schreiben des Mietervereins nicht reagiert haben, ist ein Versehen, für das wir uns entschuldigen“, sagt Mischa Blum, Pressereferent der LEG. Die Mietforderung an sich aber sei gerechtfertigt. „Die Wohnung wurde jetzt neu bewertet.“
Nach Auskunft des zuständigen Technikers seien in den 90er Jahren an diesem Gebäude Fassade, Kellerdecke und Dachboden gedämmt worden. Es seien eine neue Heizungsanlage, eine zentrale Warmwasserversorgung und eine Gegensprechanlage eingebaut, das Treppenhaus renoviert und Waschmaschinen-stellplätze im Keller geschaffen worden. Blum: „Bei einem Mieterwechsel im Jahr 2007 sind in dieser Wohnung außerdem die Elektroanlage und die Zimmertüren erneuert worden.“ Der Pressereferent geht davon aus, dass der zuständige Mitarbeiter jetzt zunächst den Kontakt zu Maria Greppel oder dem Mieterverein aufnimmt, bevor die angedrohte gerichtliche Auseinandersetzung in die Tat umgesetzt wird.
Annegret Schippritt, Geschäftsführerin des Mietervereins, glaubt allerdings, dass Maria Greppel auch einen Gerichtstermin nicht zu scheuen braucht: „In der Regel gewinnen die Mieter solche Auseinandersetzungen.“ Nachbarn von Maria Greppel haben es vorgemacht: Sie müssen nach einem Urteil des Amtsgerichts die Zuschläge nicht bezahlen.
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