6300 Tonnen neue Erde
03.03.2011 | 14:30 Uhr 2011-03-03T14:30:00+0100
Gladbeck.Die Anwohner machen sich Sorgen; der Kreis setzt auf eine offensive Information, um Unsicherheiten zu begegnen: In diesem Sommer soll die bereits angekündigte Bodensanierung auf dem Grundstück an der Postallee 43 bis 45a starten.
Der Umweltausschuss beschäftigte sich zuletzt im September 2010 mit dem sensiblen Thema: Heute befindet sich auf dem Areal ein Gartenbereich, bis 1970 lag genau dort die chemische Reinigung von Alfred Raupach.
Und die in Fässern gelagerten chemischen Betriebsmittel jener Reinigung lösten einst jene Bodenverunreinigung aus, die nun die umfassende Sanierung nötig macht:
Das mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) belastete Erdreich wird bis zu einer Tiefe von zehn Metern ausgekoffert. Laut Kreis Recklinghausen werden insgesamt 6300 Tonnen kontaminierter Boden ausgetauscht. Die Arbeiten auf dem Grundstück an der Postallee sollen im August 2011 starten und bis Februar 2012 abgeschlossen sein.
Die Besitzer oder Erben der ehemaligen Reinigung Raupach können für die Sanierung finanziell nicht mehr zur Kasse gebeten werden. Hier springt nun der Altlastenaufbereitungsverband (AAV) ein; hinter dem AAV stehen im Rahmen einer freiwilligen Vereinbarung das Land NRW, die Städte sowie Teile der NRW-Wirtschaft. Zur Zeit gibt der AAV jährlich ca. zehn Mio Euro für Sanierungen aus.
All diese Fakten wurden nun bei einer Info-Veranstaltung für Eigentümer und Nachbarn vorgestellt. Wie schon im September im Umweltausschuss im Detail berichtet führt der Altlastenaufbereitungsverband (AAV) die Regie bei der Maßnahme; er übernimmt 80 Prozent der Kosten von über eine Million Euro; die untere Bodenschutzbehörde des Kreises trägt die restlichen 20 Prozent.
Zur Gesamtanlage an der Postallee 43 bis 45a zählen 30 Eigentumswohnungen, die 1976 gebaut wurden. Im Jahr 1988 wurde das 3500-qm-Grundstück in das Altlasten-Kataster der Stadt aufgenommen; 2003 wurden in Regie des Kreises die ersten Bodenluftproben auf der Fläche entnommen; schließlich gab der AAV die so genannte Sanierungsuntersuchung in Auftrag, deren konkrete Umsetzung nun ab Spätsommer erfolgt.
Die Anwohner werden ab August mit erheblichen Lärm- und Staubbelästigungen zu rechnen haben.
Zeitgleich rückt die Grundwasser-Sanierung in dem gesamten Bereich in den Blickpunkt, wobei auch die bekannten Belastungen auf dem ehemaligen Malorny-Gelände und auf dem ehemaligen Van-Beusekom-Areal (heute Lidl), beide an der Sandstraße, eine Rolle spielen. Mit Hilfe einer vorübergehenden Mess- und Sanierungsstation auf dem Areal an der Aloysiusschule will man feststellen, wie hoch genau die Grundwasserbelastung wirklich ist; denn der Schadstoffabfluss aus den besagten Bereichen findet mit dem abströmenden Grundwasser in Richtung Aloysiusschule statt.
Bereits im September hatte Diplomgeologin Barbara Sasse (Stadt Gladbeck) vor dem Umweltausschuss erläutert, dass bis in die 70er Jahre hinein das Bewusstsein für die Altlastenproblematik nicht vorhanden gewesen sei. So seien die Belastungen, etwa durch undichte Fässer, zu erklären, mit denen man nun - viele Jahre danach - zu kämpfen habe.
19:49
Hat die Stadt mal versucht, bei diesen Raupach-Dreckspatzen vorstellig zu werden, damit sie Bitte Schön diese Bodensanierung sponsorn mögen?
20:46
Wie gehabt:
Die Gewinne fließen in private Hände, und mit chemischen Reinigungen konnte man damals gutes Geld verdienen,
und die öffentliche Hand muss den giftigen Dreck mit hohem Aufwand wegmachen.
Da stellt sich doch die Frage nach der Höhe der Erbschaftssteuer,
damit die Profiteure solcher Geschäftspraktiken in der nächsten Generation ihren Obolus an der Wiedergutmachung auch tatsächlich leisten müssen!