Zehntausende feierten eine riesige Party
28.06.2009 | 22:18 Uhr 2009-06-28T22:18:00+0200
Gevelsberg. Großartige Stimmung, tolle Darstellungen und eine rappelvolle Innenstadt: Der Kirmeszug hat gehalten, was das 75-jährige Jubiläum versprach. Rund 80 000 Menschen säumten die Straßen, um eine riesige Party zu feiern.
Und nachdem er sich zunächst ein wenig hatte bitten lassen, konnte sich Petrus schließlich dem fröhlichen Treiben nicht mehr verschließen und schickte sogar noch die Sonne hinaus.
Nicht ganz lückenlos, aber jederzeit fröhlich, bunt und laut lief der Zug über die Strecke zwischen Drehbank und Nordstraße. „Ente gut, alles gut” konnte man da das Motto der Kirmesgruppe Mühlenhämmer zitieren.
Mit tollen Darstellungen begeisterten die 13 Kirmesgruppen die Zuschauer. Von der Erinnerung an die Anfänge des Zuges 1934 über die Wiederbelebung bedeutender Figuren aus der bewegten Geschichte der Kirmes und über Stars aus Film und Fernsehen reichte die Palette der Ideen.
Ein derart ausgeglichen hohes Niveau wie in diesem Jahr hat es wohl schon lange nicht mehr gegeben.
Die dicke Ente kam zuerst: Die Sieger aus dem Vorjahr, die KG Mühlenhämmer, starteten an Position eins. Da plätscherte hinter dem Entenhaus eine überdimensionale Mama Erpel im Teich – aus einem 3000-Liter-Tank beneidenswerter Weise angesichts der schwülen Witterung stets mit Wasser bespritzt. Um sie herum feierten die Küken die vielen Projekte, die in Gevelsberg endlich abgeschlossen wurden. Dass der Chinamann die Tiere gerne süß-sauer zubereiten würde, war unübersehbar.
Riesenrad drehte sich und dralle Nixe wurde gerettet
Bei den „Mühle”-Kindern drehte sich das Riesenrad, in dem viele Kuscheltiere saßen und die Frauen paddelten mit dem knallroten Gummiboot fröhlich feiernd und gelegentlich mit Kirmeszugbesuchern tanzend durch die Stadt. Thomas Rummler, das blinde Huhn, fand gelegentlich einen Korn, und die Fußgruppe hatte einen Putzfimmel. Besser gesagt die Dame des Hauses, die ein halbes Dutzend Männer schrubben und wedeln ließ.
Pinass Brumses Einzelgänger Andreas Kalin alias „Kasch” hatte wohl die bequemste Art der Fortbewegung gewählt: Mit hochgelegten Füßen, schwebte er passend zum Stadt-Slogan neue Wege. Merkwürdig nur, dass er trotzdem so angestrengt aussah... Die Brumse–Wagendarstellung war eine Reminiszenz an die eigene und damit die Kirmeszug-Geschichte. Vor 75 Jahren stach die Brumse an der Neustraße in See und begründete den Kirmeszug – nun kehrte sie, das neue Pflaster durchpflügend, in den heimischen Hafen zurück. Eine bunte Schar an Gästen hatten die Weltumsegler an Bord: Scheich Borris Kißler, Russen, Franzosen, Mexikaner, Schweden und viele andere Nationalitäten waren zu sehen.
Ebenfalls aufs Jahr 1934 bezogen sich die Kinder der KG Im Dörnen. Sie gingen mit Schiefertafeln bewaffnet in die alte Heideschule. Eigentlich wären sie aber doch viel lieber auf der Kirmes gewesen – aber das waren sie ja gestern auch! Neben den Ghostbusters, die einen Geist jagten, der vor Angst schon ganz grün im Gesicht war, tauchte auch die Baywatch-Truppe am Ennepestrand auf. Eine dralle Badenixe drohte zu ertrinken. Doch die Dörner Retter nahten schnell... Dass es schon vor der Steinzeit die Gevelsberger Kirmes gegeben haben muss, das zeigten die Dörner mit ihrem Wagen: Da war der Hammerschmied neben einem Dinosaurier zu sehen. Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer und ihre Gattinnen im Steinzeit-Mobil mit totem Huhn am Kühlergrill, keulenschwingende Fellträger, feierndes Volk und ein riesiger Dino ließen manchen Zuschauer an seine Jugend denken (als er die Feuersteins im Fernsehen sah, was dachten Sie denn?).
Die Hippendörfer Kinder spielten Cowboy und Indianer und ritten auf Stoffpferdchen durch die Gevelsberger Prärie, während Einzelgänger Stefan Laake als Kirmeszug-Stauhelfer Bierchen verteilte. Die Fußgruppe beeindruckte als Blaukittelträger unter großem Hut und mit ziemlich dicken Bäuch... ääh... Gesichtern.
Herrlich nostalgisch der Wagen: Die Wirtschaftskrise trieb die KG Hippendorf zurück zur Handarbeit. Mit einer brodelnden Dampfmaschine und echten Transmissionriemen wurden der Hammer und ein Karussell betrieben, eine Näherin saß an der Maschine und ein Schmied hämmerte auf dem Amboss herum. Gut, dass die Frauengruppe dazu ein Wellness-Programm zur Erholung anbot.
Handarbeit der Hippendörfer und Raufelder am Piano
In die Welt des Films entführten Fidele Vogelsanger und Dä vam Lusebrink. Erstere hatten schon den Oscar für ihre Darstellung dabei. Filme mit den drei Musketieren, Dick und Doof und andere Stars wurden zudem live gedreht. Und Detlef Raufelder klimperte fingerfertig am Piano.
King Kong hatte die Lusebrinker heimgesucht. Mit bedrohlich blinkenden Augen zerlegte er eine Großstadt und entführte die weiße Frau. Unterdessen trafen sich Kapitän Jack Sparrow, Lili Marleen, Marylin Monroe, Gladiatoren sowie Asterix und Obelix unter den Hollywood Hills.
Wenn sich beim Zug jemand fragte, warum Petrus so lange brauchte, bis er die Sonne auf den Kirmeszug scheinen ließ, dann erhielt er die Antwort mit dem Wagen der KG Schnellmark: Dort hatte der gute Himmelswächter nämlich alle Hände voll zu tun. Er musste die Guten in den Himmel und die weniger Guten in die Hölle schicken. Während oben ständiges Frohlocken und Halleluja singen angesagt war, wurde im Untergeschoss allem weltlichen Laster gefrönt. Einzelgänger Stefan Pohl tanzte als Achims Azubi wie aufgezogen über die Strecke und die Kindergruppe der Schnellmärker hatte nur Freitag im Sinn – zumindest lief zur Flower-Power-Darstellung Gary Moores „Friday on my mind”. Die Frauen taten erst ganz lieb, um sich nach Erbeuten eines Ehemannes von ihrer hässlichen Seite zu zeigen. „Zuerst die Liebe, dann die Hiebe” lautete das Motto.
Karneval in Berge und die Haufer in der Südsee
In Berge war Karneval. Ein Dutzend Narren schunkelte auf dem bunten Wagen zu kölschen Karnevalsliedern. Wenn es nicht so warm gewesen wäre, hätte man kurz denken können, dass der schönste Rosenmontagszug durch Gevelsberg fährt. Aber es war doch nur der schönste Kirmeszug... Die Kindergruppe feierte noch einmal das neue Waldstadion – mit echtem Kunstgrün und Trikots des FC Silschede – denn im Höhendorf wohnen alle Mitglieder der Berger Nachwuchsgruppe.
Mäuse aller Art hatte Vie ut Asbi'eck mitgebracht. Die süßen Mäuse der Kindergruppe feierten Diddls Geburtstag mit einem Tanz um die Käsetorte. Und auf dem Wagen trieb Speedy Gonzales in Asbeckxiko sein Unwesen. Er störte die Siesta, schließlich tanzten alle zu feurigen Klängen.
Ins Südseeparadies schipperten die Haufer Jungen. Zwar entgegen der Fahrtrichtung des Kirmeszuges, aber doch voller Schwung segelten sie mit der „Tante Ella” – so hieß mal eine Kneipe in der Haufe – einer Insel entgegen, auf der es vor Schönheiten wimmelte. Allerdings saß da auch ein stämmiger Stammeshäuptling.
In nördlichere Meeresregionen begab sich die KG Aechter de Biecke. Sie besuchte die Wikinger um Halvar und seine Frau Ylva sowie den hochbegabten Sohn Wickie. Das Leben der unerschrockenen Gesellen im Dorf wirkte ziemlich urwüchsig – Grillfest inklusive. Und Wickie führte die rudernden Männer auf dem Schiff übers Meer.
Urwüchsig sind gemeinhin auch die Fans der Love-Parade – zumindest was die Erledigung menschlicher Bedürfnisse angeht. Die KG Vie vam Kopp hatte die entsprechende Botanik mit dabei. Ansonsten wurde aber mit riesiger Jukebox, dem unvergleichlichen DJ Love alias Raimund Herberg und einem tanz- und feierwütigen Haufen einfach nur Party gemacht. Vielleicht sollte sich Dr. Motte tatsächlich mal in Gevelsberg umsehen...
In einem Meer von Blumen und Erinnerungen schwamm die Darstellung der KG Börkey. Zum 75-jährigen Kirmeszugjubiläum tauchten neben der Kirmesmauer (so schön gestrichen wie das Original) die großen Persönlichkeiten wie der Hammerschmied (gleich im Dutzend) und Tante Anna auf - überlebensgroß aus farbenfrohen Blumen gesteckt. Passend dazu hatte die Frauengruppe sich als „Börkey's lustige Blumenschar” auf den Weg gemacht.
Blumenmeer der Börkeyer bildete bunten Abschluss
Die Fußgruppe ließ Zuschauer vom Straßenrand beim „Op dä Dicken” mitmachen. Während die Kindergruppe noch ganz grün hinter den Ohren (überhaupt im ganzen Gesicht) als Olchis Müll sammelnd mitzog, feierte die Jugendgruppe am Ennepestrand eine heiße Beachparty. Einzelgänger Karl-Heinz Tillert hatte aufgrund der Wirtschaftskrise im eigenen Gartne nach Kohle gebuddelt. Er wurde fündig und warf beim Festzug nur so damit um sich.
Nach rund drei Stunden hatte der letzte Wagen die Nordstraße erreicht. Etwa 95 Minuten war jede einzelne Gruppe unterwegs – 95 Minuten, die dem Kirmesvolk riesigen Spaß gemacht hatten.
09:34
Der 75 Jahre Jubiläumskirmeszug (übrigens der 66., wenn ich mich nicht verrechnet habe) war ein ganz besonders schöner mit vielen Highlights.
Ich glaube, die meisten GEVELSBERGER sehen das genauso, entgegen dem Kommentar von Aussenstehenden.
Dem haben m.E. die Städte der Umgebung nichts entgegenzusetzen (der Hagener Rosenmontagszug beispielsweise ist sowas von langweilig.......).
Die Preisvergabe wird den Juroren des Bewertungsausschusses bestimmt nicht leicht gefallen sein.
Wer noch mehr Bilder von der Kirmes und vor allem auch vom Kirmeszug sehen möchte, sollte mal diese (im Übrigen nichtkommerzielle) Seite im Web besuchen:
http://www.muehlenhaemmer.de/kirmesgalerie
14:15
Im Vordergrund stehen immer noch die Darstellungen und selbstgebauten Wagen der 13 Kirmesgruppen, die sich seit Monaten dahinstellen und ihr ganzes Herzblut in den Wagenbau stecken. Und NICHTdie Bonbons. Den KG´s, ausgenommen vielleicht die großen geht es leider finanziell auch immer schlechter... auf Grunddessen sollte man die Bonbons, die vielleicht auch der Grund sind, warum viele den Gevelsberger Kirmeszug besuchen einmal vergessen und vielleicht einfach nur mal genießen, was einem auf der Straße geboten wird. Denn die Bonbons sind einfach Nebensache!!! Ja, vielleicht war die Qualität auch mal besser! Aber leider gibt es auch Kirmesgruppen, die teilweise nur zu dritt oder viert auf dem Bauplatz stehen und bauen. Deshalb und auch wegen dem finanziellen sollte man vielleicht auch mal Verständnis für die Gruppen haben, die nicht viel oder nichts spektakuläres auf dem Wagen stehen hatten... Meiner Meinung nach kann JEDER(!) der mitgebaut oder mitgemacht hat stolz auf sich sein und Gevelsberg sollte froh sein, dass es 13 so geile KG´s hat!
13:28
Es war zwar ein schöner bunter Umzug und die Stimmung war gut, aber die Qualität hat doch gegenüber den Vorjahren nachgelassen. Es war nichts, was wirklich herausragend war dabei. Die Anzahl der Kapellen war hingegen sehr gut und die einzelnen Gruppen verstanden es hervorragend, die Zuschauer mitzureißen. Auch die Kinder waren etwas enttäuscht, denn so wenig Süßes wie in diesem Jahr war noch nie da.
Wir kommen seit Jahren aus Hagen, um uns den Zug nicht entgehen zu lassen und hoffen, dass im nächsten Jahr die Qualität wieder steigt.
Man sieht sich dann dort.
08:14
Herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des tollen Kirmeszuges 2009 und den vielen taused Menschen, die mit Ihrem Applaus am Straßenrand wieder für Stimmung gesorgt haben!
Dieser Applaus ist Lohn und Ansporn für die Kirmesfreunde der 13 Gevelsberger Kirmesgruppen und natürlich auch der auswärtigen Gäste, auch im kommenden Jahr wieder einen tollen Kirmeszug zu bieten.
Man sieht sich auf der Kirmes!!