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Unglückskarussell bei Kirmes in Gevelsberg war „Notlösung“

28.06.2012 | 10:00 Uhr
Bei dem Unfall am Abschlusstag der Kirmes in Gevelsberg sind sieben Menschen verletzt worden, drei von ihnen schwer. Foto: Stephan Witte/dapd

Gevelsberg.   Nach dem Unfall mit sieben Verletzten auf der Gevelsberger Kirmes kam heraus, dass der verunglückte „Schlager-Express“ gar nicht auf der Kirmes stehen sollte. Der eigentlich vorgesehene Betreiber konnte sein Fahrgeschäft nicht aufbauen. Unterdessen lobte Bürgermeister Jacobi den Rettungseinsatz.

Der „Schlager-Express“ hätte eigentlich gar nicht auf der Gevelsberger Kirmes stehen sollen. Ursprünglich war für den Standort die „Seesturmbahn“ vorgesehen. Deren Betreiber hatte jedoch am Aufbautag festgestellt, dass er sein Fahrgeschäft aufgrund des Gefälles auf dem Platz höher hätte unterbauen müssen, als der TÜV erlaubt. Er reiste sofort ab.

  Kurzfristig konnte daraufhin der „Schlager-Express“ eines Schaustellers aus Ahaus verpflichtet werden. „Der stand im vergangenen Jahr auch auf der Kirmes, nur an einem anderen Standort“, berichtete Bürgermeister Claus Jacobi. Von Seiten der Stadt habe es keinen Grund gegeben, an der Betriebssicherheit des Geschäfts zu zweifeln, betonte er.

Grundsätzlich gilt, dass Fahrgeschäfte von der Bauaufsicht des Wohn- oder Geschäftssitzes des Betreibers überprüft werden . Am Ort der jeweiligen Veranstaltung muss dann jeweils das Prüfbuch vorgelegt werden, das lückenlos und schlüssig sein müsse, so Jacobi. Die Bauaufsicht am Veranstaltungsort nehme dann jeweils noch eine Sichtkontrolle des aufgebauten Fahrgeschäfts vor.

Sanitäter in kürzester Zeit am Unglücksort

Den Ablauf des Großeinsatzes habe er als „vorbildlich“ erlebt, meinte Bürgermeister Claus Jacobi gestern. Das Zusammenspiel von DRK, Feuerwehr, leitendem Notarzt des Kreises und der Ordnungsbehörde habe sehr gut funktioniert. Die Alarmierung war aufgrund der großen Menschenmenge unter der Lageeinschätzung „Massenpanik“ erfolgt.

Insgesamt neun Rettungsfahrzeuge und drei Notärzte rückten an, die Feuerwehr kam hinzu und in der nahe gelegenen Musikschule wurde ein Behandlungs- und ein Rückzugraum für die Einsatzkräfte geöffnet. Letztlich konnte der Einsatz aber geordnet durchgeführt werden . Einige Besucher, vornehmlich in alkoholisiertem Zustand machten allerdings die Rettungswege nicht sofort frei. Zwei Betrunkene wollten zudem das Feld nicht räumen, als die Polizei ihre Ermittlungen aufnahm. Einer trat sogar eine Beule in die Tür eines Streifenwagens. Dafür wurde er in Gewahrsam genommen.

Video
Zum Teil schwer verletzt wurden am Dienstagabend Besucher der Gevelsberger Kirmes. Ein Waggon aus dem "Schlagerexpress" hatte sich gelöst und die Insassen fuhren kopfüber weiter.

Claus Jacobi hatte nur wenige Meter vom Unglücksort wie hunderte andere Besucher auf den Beginn des traditionellen Höhenfeuerwerks zum Abschluss der Kirmes gewartet. Nachdem er mitbekommen hatte, dass am „Schlager-Express“ etwas passiert war, eilte er sofort dorthin. „Das war eine total bedrückende Situation“, meinte er. Die Besucherinnen seien zum Feiern gekommen und so plötzlich in eine so schlimme Situation gekommen. Er drückte den Opfern sein Mitgefühl aus und wünschte ihnen gute Besserung. Das Stadtoberhaupt kündigte auch an, die Verletzten in Kürze zu besuchen.

Höhenfeuerwerk abgebrochen

Schwerere Unglücke in Fahrgeschäften hat es in Gevelsberg in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Allerdings war beim Aufbau der Kirmes 2010 ein Schaustellergehilfe beim Rangieren von einem Lkw eingequetscht und dabei schwer verletzt worden. Und im selben Jahr war eine 15-Jährige aus einer Gondel des Musikexpress gefallen und hatte Prellungen und Schürfwunden davongetragen.

Im Jahr 2008 hatte ein Querschläger beim Abschlussfeuerwerk vier Personen verletzt. Im Anschluss war der Abschussort verändert worden. Das Feuerwerk in diesem Jahr wurde zunächst zwar abgeschossen. Nachdem das Ausmaß des Unfalls im „Schlager-Express“ absehbar war, veranlasste das Ordnungsamt den Abbruch. So war schon nach wenigen Minuten Schluss.

Kirmes-Unfall in Gevelsberg

 

Hartmut Breyer

Kommentare
11.07.2012
12:20
Unglückskarussell bei Kirmes in Gevelsberg war „Notlösung“
von HutziTutzi | #8

Es wurde mehrfach von der Polizei und der Stadt, die hervoragende durchführung/bewältigung des geschehens gelobt. Die Realität sah aber ganz anders aus:

Oberhalb, Unterhalb und seitlich vom geschehen herschte nur verwirrung, fehlerhafte Komunikation und unzureichende Kenntnis über die Gesamtsituation so wie die Örtlichen Gegebenheiten ! (Sanitäterfahrzeuge standen vor einander und wusten nicht wer wo hin will oder wer wo her kommt ?
Alle Kräfte die sich im Einsatz befanden haben jeder für sich das beste gegeben aber das zusammen spiel war einfach grotten schlecht.
Als ich erleben muste wie eine Polizistin einen Bierwagenbetreiber fragte ob er die Seite zur Absperrung nicht schließen könne war mir klar wenn die Polizei vor Ort keine eigenen Endscheidungen treffen kann/will, wird es Zeit zu gehen. Da half auch kein Pansionierter Polizist.

Es gibt wohl genug Anlass das Harley fahrende Ordnungsamtmitarbeiter, absolut unfähige Sicherheitsleute und der Bürgermeister konstruktiv Unterhalten

29.06.2012
11:12
Blutfleck II
von leserschwert | #7

achso, man kann das "widerliche Boulevardbild" sogar vergrößern. Oberhalb von dem Blutfleck deutlich zu erkennen: ein zertretener Plastik- oder Pappbecher, daneben ein Strohhalm. Und in dem "Blut": Stücke. Also wahrscheinlich Sangria. Oder Sangriakotze.

Und das ist ja nun wirklich widerlich. Bitte löschen. *würg*

1 Antwort
Unglückskarussell bei Kirmes in Gevelsberg war „Notlösung“
von scouti | #7-1

Auf der Kirmes gab es diese komischen, neumodischen, Bubble-Eis-oder-sonst- was-Getränke.

29.06.2012
10:56
Besonders dumm:
von leserschwert | #6

Besonders dumm bzw. merkwürdig ist aber der lapidare Satz "Er reiste sofort ab".
Ahm...ja? Natürlich ist er sofort abgereist, was hätte er auch anderes machen sollen? Drei Tage mit halb aufgebautem Fahrgeschäft auf dem Kirmesplatz stehen bleiben, erstmal überlegen?

Sollen mit sowas "turbulente Ereignisse im Vorfeld" suggeriert werden, oder ist das einfach wieder nur journalistische und stilistische Minderleistung?

29.06.2012
10:40
Blutfleck, na klar.
von leserschwert | #5

Und einen Blutfleck erkennt hier wahrscheinlich nur, wer es so gewöhnt ist, weil man heimlich in Wirklichkeit doch lieber die Bild-"Zeitung" liest.

Oder weil man selber besoffen im Weg rumgestanden hat und immer noch ganz benebelt ist, vor Aufregung, dabei gewesen zu sein. Hey, ich bin im Fernsehen!

29.06.2012
10:34
Schlimmer Unfall
von leserschwert | #4

Ein schlimmer Unfall. Aber was schlimme Unfälle immer noch unerträglicher macht, ist, dass immer gleich die Oberschlauen aus ihren Löchern kommen und, noch bevor die offiziellen Ermittlungen auch nur richtig angefangen haben, ihre stumpfsinnigen Theorien präsentieren: Derundder ist schuld, wahrscheinlich die böse Politik wieder, blabla.

Und was die Berichterstattung angeht: Ja, als boulevardmäßige Billigschreibe kann man das schon kritisieren. Schon die Überschrift. Da wird versucht, den Eindruck zu erwecken, hier sei ein hastig zusammengezimmertes Schrottkarussel als Ersatz aufgestellt worden. Richtig ist hingegen: Das ursprünglich vorgesehene Fahrgeschäft konnte (aus Sicherheitsgründen!) nicht aufgestellt werden, also hat man ein anderes aufgestellt, das auch auf anderen Volksfesten im Einsatz ist, und dessen Sicherheit von den zuständigen Stellen geprüft wurde, wie bei allen anderen Karussells auch.

28.06.2012
15:22
@Distanz5
von MegaAsi | #3

Ich sehe Herren Jacobi auch sehr kritisch, als jemanden der mehr in PR investiert als in glaubwürdige/bürgernaher Politik. Aber in diesem Zusammenhang war er als Zeuge des Unglückes vor Ort und hat vorbildlich gehandelt. Ich möchte in so einer Situation nicht in seiner Haut stecken. Ich habe ihn vor Ort erleben können und habe das erste mal Respekt vor seinem Handeln gehabt.

...und zu dem angeblichem Blutfleck: Das Foto ist nicht am Unglücksort, sondern am anderen Ende des Kirmesplatzes entstanden. Dort wurde niemand behandelt und es ist lediglich eine Spiegelung des roten Notarztwagens in einem nassen Fleck (hat wohl in der Aufregung einer seinen Bierbecher verloren)
Erstmal genau anschauen und nachdenken, bevor man von "abscheulichen Blutflecken" und "Bildniveau" spricht.
Dazu fällt mir ein bekanntes Zitat ein: "Wer keine Ahnung hat einfach mal die Fresse halten!"
Einfach nur Peinlich die beiden Kommentare und in dieser Situation mehr als unpassend

28.06.2012
14:32
Unglückskarussell bei Kirmes in Gevelsberg war „Notlösung“
von Distanz5 | #2

Und noch etwas: Können Sie die widerlichen, boulevardesken Bilder aus dem Netz nehmen. Tolle Blutflecken auf dem Boden. Zudem sind Teile der Bilder Agenturmeterial, Sie scheinen für die abscheulichen Fotos auch noch bezahlt zu haben. Das hat Bildzeitungsniveau!

28.06.2012
14:29
Unglückskarussell bei Kirmes in Gevelsberg war „Notlösung“
von Distanz5 | #1

Ich kann mir bildlich vorstellen, wie Herr Jacobi mit um die Schultern geknotetem Pullover und wehendem Haar sofort zum Unfallort geeilit ist, um sofort seiner Hilfe anzubieten und natürlich seine Solidarität zu bekunden. Er sollte vor solcher (warum auch immer zitierter) Propaganda mal lieber schauen, wer in seinem Arbeitsumfeld einem offenbar schrottreifen Fahrgeschäft die Betriebserlaubnis erteilt hat.

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2012-06-28 10:00
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