Das aktuelle Wetter Gevelsberg 6°C
Sicherheit

Unfall auf Gevelsberger Kirmes - wie sicher sind Karussells?

27.06.2012 | 20:17 Uhr
Karussells auf Kirmessen und Volksfesten müssen regelmäßig überprüft werden.Foto: Jakob Studnar/WAZ FotoPool

Essen.  Nach dem Unfall auf der Gevelsberger Kirmes wirbt der Schaustellerbund um Vertrauen in die Volksfeste: Fahrgeschäfte würden in Deutschland äußerst streng kontrolliert. Auch der TÜV betont, dass Karussells in Deutschland sicher seien. Das NRW-Bauministerium will den jüngsten Unfall untersuchen.

Im September 2009 gerät eine Elfjährige mit dem Bein unter das "Höllentaxi" auf der Kirmes in Moers - sie schwebt anschließend in Lebensgefahr, verliert ihren Fuß. Ende Mai 2010 stürzt auf einem Schützenfest in Lüdenscheid die Gondel des Fahrgeschäfts "Commander" ab - neun Menschen werden verletzt. Dasselbe passiert knapp zwei Jahre später in Bremen erneut, diesmal werden zwei Menschen leicht verletzt. Ebenfalls in Bremen löst sich im Oktober 2010 eine Gondel des Fahrgeschäfts "Krake", schleudert gegen ein Geländer und verletzt neun Menschen schwer. Und jetzt der Unfall auf der Gevelsberger Kirmes: Zwei Frauen werden schwer verletzt, fünf weitere Menschen leicht, weil sich eine Gondel im "Schlager-Express" löst. Fünf Unglücksfälle auf Volksfesten aus den vergangenen Jahren - fünf Fälle, die Kirmesbesucher verunsichern. Wie sicher sind unsere Karussells?

"Sehr sicher", sagt Albert Ritter. Er ist Präsident des Deutschen Schaustellerbundes und wirbt nach dem Unfall in Gevelsberg um Vertrauen. So etwas sei natürlich "der schlimmste Fall der Fälle", sehr bedauerlich - aber eben auch ein Einzelfall. Rund 10.000 Kirmessen, Rummel und Volksfeste mit rund 100 Millionen Besucher gebe es jedes Jahr in Deutschland, die allermeisten ohne Unfälle. Denn: "Wir haben in Deutschland die strengsten Sicherheitsvorschriften der Welt", betont Ritter.

Fahrgeschäfte müssen durch "enges Netz von Prüfungen"

"Fahrgeschäfte in Deutschland sind weiterhin sicher", beruhigt auch Frank Ehlert, Sprecher beim TÜV Rheinland. Durch ein "ziemlich enges Netz von Prüfungen" werde die "Sicherheit auf jeder Kirmes gewährleistet, sagt er. Sämtliche Karussells, Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte, die auf Kirmessen und Volksfesten zum Einsatz kommen, müssen von Prüf-Institutionen wie dem TÜV zugelassen und anschließend regelmäßig abgenommen werden. Das regelt die Landesbauordnung.

Video
Zum Teil schwer verletzt wurden am Dienstagabend Besucher der Gevelsberger Kirmes. Ein Waggon aus dem "Schlagerexpress" hatte sich gelöst und die Insassen fuhren kopfüber weiter.

Rund 750 solcher "Fliegender Bauten" prüft der TÜV Rheinland nach eigenen Angaben alleine pro Jahr in Deutschland. Die Prüfer seien entsprechend qualifiziert und intensiv ausgebildet, betont Frank Ehlert. Zusätzlich zu den regelmäßigen grundsätzlichen Betriebsprüfungen gebe es für jedes Fahrgeschäft auf jeder Kirmes noch eine Bauabnahme.

NRW-Bauministerium geht dem Gevelsberger Unfall nach

"Fliegende Bauten müssen sicher sein", betont eine Sprecherin des NRW-Bauministeriums auf Anfrage. "Deshalb unterliegen sie hohen technischen Anforderungen und regelmäßigen Kontrollen durch die Bauaufsicht und den TÜV. Wir gehen dem Vorfall bereits nach."

Absolute Sicherheit, das betonen alle Gesprächspartner, werde es jedoch niemals geben - auf Kirmessen genauso wenig wie etwa auch im Straßenverkehr.

Polizei ermittelt in Gevelsberg "in Richtung Materialermüdung"

Hätte der bereits Ende der 1970er-Jahre gebaute "Schlager-Express" wegen seines Alters längst aus dem Verkehr gezogen werden müssen? Die Kripo ermittelt nach dem Unfall in Gevelsberg "in Richtung Materialermüdung", bestätigte Polizeisprecher Dietmar Trust. Materialermüdung müsse man natürlich ernst nehmen, sagt Frank Ehlert, der Sprecher vom TÜV Rheinland. Gleichwohl spreche nichts gegen den Betrieb, "wenn ein Fahrgeschäft vernünftig und gründlich gewartet wird".

Dass auf der Gevelsberger Kirmes ausgerechnet eine Raupenbahn verunglückte - Albert Ritter vom Schaustellerbund kann sich das "nicht erklären". Das Karussell vom Bautyp "Musik-Express" sei seit Jahrzehnten bewährt, stamme von einem grundsoliden Herstelle, gelte als Familienfahrgeschäft. Selbstverständlich werde man den Unfall gemeinsam mit Vertretern der Landesbauämter im "Arbeitskreis Fliegende Bauten" analysieren und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen.

So lange aber habe er weiter "absolutes Vertrauen" in die Sicherheitsvorschriften und Prüfroutinen in Deutschland, betont Ritter. Am Donnerstag, sagt er, habe er einen Termin auf einer Kirmes in Berlin - und werde da auch selbst wieder "Musik-Express" fahren.

Kirmes-Unfall in Gevelsberg

 

Sarah Hubrich


Kommentare
28.06.2012
17:12
Unfall auf Gevelsberger Kirmes - wie sicher sind Karussells?
von ChristianausEN | #4

@3 Sie scheinen ein sehr oberflächlicher Mensch zu sein. Das Aussehen eines Menschen sagt rein gar nichts über dessen Fähigkeiten aus. Und wer sagt überhaupt das Menschliches Versagen Schuld ist.

28.06.2012
03:47
Unfall auf Gevelsberger Kirmes - wie sicher sind Karussells?
von zauber4567 | #3

wenn ich sehe von welchen laien diese fahrgeschäfte aufgebaut werden wundert mich nichts mehr.
lasst doch euere autos doch auch von denen reparieren.
viel glück dann !!!

27.06.2012
22:26
Unfall auf Gevelsberger Kirmes - wie sicher sind Karussells?
von DerHowianer | #2

wer die panikmache ernst nimmt hält auch alles was die Bild schreibt für wahr. Wir haben in deutschland auch sehr hohe Anforderungen an den TÜV bei Kfz und trotzdem passieren tödliche Unfälle. Nur sowas ( Krimesunfälle) ist so selten das wenn es passiert gepuscht werden muss. Bad News are good News ist echt veraltet, oder wer will hörn das wir bei der Em- ausscheiden?

27.06.2012
20:55
Unfall auf Gevelsberger Kirmes - wie sicher sind Karussells?
von ChristianausEN | #1

Liebe WAZ tut euch doch mal den gefallen und schaut ma wieviele Volksfeste/Kirmes es in Deutschland jedes Jahr gibt und dann schaut doch mal wieviele Unfälle gegenüberstehen da ist die Zahl wenn man Sie mit Verkehrsunfällen vergleicht und hier gibt es nicht nur Verletzte sondern auch Tote bestimmt um ein vielfaches geringer. Bitte veranstaltet hier doch jetzt keine Panikmache. Unfälle sind tragisch Unfälle passieren und das Leben geht weiter.

Aus dem Ressort
Bettina Wolf lädt zum „Perfekten Dinner“ ein
Perfekten Dinner
Wer nach den Osterfeiertagen ab 19 Uhr auf der Couch ein wenig entspannen möchte, hat die Gelegenheit, Gevelsberg im Fernsehen zu sehen. Vor gut einem Jahr war der Sender VOX zu Gast bei Bettina Wolf. Die lebenslustige Halb-Brasilianerin hatte zum „Perfekten Dinner“ geladen und sich damit einen...
Buntes Ei als Zeichen der Verbundenheit
Italien
In Italien wird das Osterfest laut und lebendig gefeiert. Es wird gesungen und lecker gegessen. Bei der Italienischen Mission Gevelsberg ist das nicht anders – aber doch besonders. „Hier mischen sich nämlich italienische und deutsche Traditionen“, sagt Pater Joseph Roy, der selbst Indisches aus...
Grünen wollen mehr als 6,1 Prozent erreichen
Politik
In einer Mitgliederversammlung haben die Gevelsberger Grünen ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die 21 Wahlbezirke und die Reserveliste zur Kommunalwahl 2014 gewählt. Angeführt wird die Reserveliste von den beiden bisherigen Ratsmitgliedern Susanne Dippel und Wolfram Thiel. Auf Platz 3 folgt Rolf...
Ewiger Zweite diesmal der Sieger
Gitarrenfestival
Überraschung, Erleichterung, Freude – ein herzhaftes Lachen. So sehen Sieger aus! Tristan Angenendt (Deutschland) erspielte sich den 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb. Und eine Ära geht zu Ende. Der junge Gitarrist besuchte seit einer halben Ewigkeit das Festival, stand oft im Finale, zeigte...
Eine Straße in Berge mit Nazi-Vergangenheit?
Geschichte
Gibt es in Gevelsberg eine Straße, die den Namen eines führenden Nazis trägt? Helmut Bremer äußerte die Vermutung in einem Schreiben an alle Fraktionsvorsitzende im Rat. Die Bockstraße in Berge könnte nach dem Gründer der Hitlerjugend, Klaus Bock, benannt worden sein. Bremer zitiert einen Beitrag...
Umfrage
Sollte das Benutzen von Smartphones und Handys an den Gevelsberger Schulen auch während der Pausen verboten werden?

Sollte das Benutzen von Smartphones und Handys an den Gevelsberger Schulen auch während der Pausen verboten werden?

So haben unsere Leser abgestimmt

Ja, auf jeden Fall.
62%
Nein, das ist nicht nötig.
36%
Dazu habe ich keine Meinung.
2%
156 abgegebene Stimmen
 
Fotos und Videos
Alm@night
Bildgalerie
Party
Dr. Norbert Lammert in Gevelsberg
Bildgalerie
Junge Union