Stadt entlastet Kirmesgruppen
08.04.2011 | 19:30 Uhr 2011-04-08T19:30:00+0200Gevelsberg.Die Stadt will die in diesem Jahr erstmals anfallenden Gebühren für die TÜV-Begutachtung der Kirmeswagen übernehmen und so die Kirmesgruppen entlasten. Einem entsprechenden Vorschlag von Bürgermeister Claus Jacobi stimmte der Rat in seiner Sitzung am Donnerstag einstimmig zu.
Vorausgegangen war die Diskussion über einen Antrag der Fraktion Die Linke. Demnach sollten die Gevelsberger Kirmesgruppen von der Standgebühr bei der Kirmes befreit werden. Der Kirmeszug stelle ein Aushängeschild für die Stadt dar, das dem ehrenamtlichen Einsatz der Aktiven zu verdanken sei. Der Verzicht auf die Standgebühren sei daher ein wichtiges und richtiges Zeichen.
Bei den anderen Fraktionen stieß das Ansinnen auf große Bedenken. Natürlich seien die Gruppen die Säulen des Kirmeszuges, sagte SPD-Fraktionschef Gerd Vollmerhaus.
Standgebührbefreiung als ungerecht bezeichnet
Doch zum einen nütze eine Befreiung nicht allen Kirmesgruppen, da nicht alle mit einem Stand auf dem Volksfest vertreten seien, zum anderen gebe es weitere ehrenamtliche Tätige, die einen Stand hätten. Die müsse man dann auch berücksichtigen. „Wir haben ein bisschen Sympathie für den Antrag“, sagte Vollmerhaus, „aber er ist ungerecht.“
„Wir können nicht das Fass aufmachen, allen Vereinen die Standgebühren zu erlassen“, warnte der Bürgermeister. Das würde Begehrlichkeiten auch für andere Veranstaltungen wecken. Er halte daher die Lösung, die Gruppen von den TÜV-Gebühren zu befreien, für die beste. Das komme eben nur den Kirmesgruppen, und zwar allen zugute. Zudem könne man in diesem Fall mit der „unvorhersehbaren Notlage“ argumentieren.
Der Hintergrund: Aufgrund verschärfter Sicherheitsbestimmungen in Folge der Loveparade-Katastrophe müssen die Kirmesgruppen ihre Fahrzeuge, Anhänger und Bauten neuerdings vom TÜV abnehmen lassen (wir berichteten). Zunächst hieß es sogar, dass für bewegliche Teile bei den Darstellungen die Freigabe durch einen Spezial-TÜV für „fliegende Bauten“ erforderlich sei. Dies ist nach Darstellung von Jacobi mittlerweile vom Tisch.
Abnahme mit hohen Kosten verbunden
Nichtsdestotrotz sind die TÜV-Abnahmen für jede Kirmesgruppe mit erheblichen Kosten im deutlich dreistelligen Bereich verbunden. Hinzu kommt, dass eine Endabnahme erst eine Woche vor dem Festzug erfolgen wird. Falls Bauten beanstandet würden, könnten die betroffenen Gruppen kaum noch reagieren. Daher kündigte Jacobi an, dass die Stadt auch ein oder zwei zusätzliche Prüftermine während der Bauphase beauftragen werde, um in kritischen Fällen rechtzeitig Änderungen vornehmen zu können. Letztlich schlossen sich alle Fraktionen dem Vorschlag an.
Der Vorsitzende des Kirmesvereins, Michael Sichelschmidt, freute sich über die Ankündigung der Kostenübernahme: „Das ist eine wesentliche Erleichterung für uns“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Die Gruppen müssten schon nach der ersten TÜV-Begutachtung erheblich, unter anderem in neue Reifen, investieren. Sichelschmidt betonte, dass der Kirmesverein alle Gruppen, die möglicherweise in Schwierigkeiten kommen, unterstützen werde.
15:13
Ich war heute morgen am einsamen Infostand der Linke in der FuZo, von den anderen Parteien sah man keine Spur.
Die anderen sind nur da wenn Wahlen sind. Allein das ist schon eine Überlegung wert.
Die Leute machen sich in Gevelsberg wirklich Gedanken.
14:42
Ich gehöre zwar nicht zu ihrem Fanclub aber es war wirklich die Linke in Gevelsberg die den Stein ins rollen gebracht hat.Der Vorschlag des BM ist sicherlich der beste Kompromiss.Ich mag die Linke im Bund und Land zwar nicht aber in Gevelsberg sind die erfrischend aktiv und bereichern die Lokalpolitik.Die haben mehr Anträge gestellt als andere seit Ihrem bestehen und gehen nicht zur Wiskyprobe wenn es ernst wird.
Weiter so und Danke!
06:58
Ein tragbarer Kompromiss zur Entlastung der Kirmesgruppen, der durch den Antrag der Fraktion DIE LINKE. im Rat der Stadt Gevelsberg angestossen wurde !
Was die Sicherheitsauflagen als solche betrifft, fällt mir nur ein schwerer Unfall während des Kirmeszuges in den sechziger Jahren ein, von dem die KG Aechter de Biecke betroffen war und ein Kind zu Tode kam.
Auch damals schon wurden nach diesem tragischen Unglück gewisse Vorkehrungen getroffen um das Risiko einer Wiederholung zu minimieren. Diese gelten heute noch !
22:22
Das ist eine gute Idee, zumal die Standgebühren zur Kirmes auch durch die Umsätze an den ehrenamtlich betriebenen Ständen der Vereine und Gruppierung - u. a. einiger Kirmesgruppen kompensiert werden können.
Einige Kirmesgruppen haben vielleicht nicht das Personal für fünf Tage Kirmes (Ausschank), Wagenbau und Kirmeszug zu bewerkstelligen. der Wagenbau ist, wie ich sehen konnte, sehr zeitaufwändig um uns Zuschauern viel Vergnügen am Kirmessontag zu bereiten, hier ist diese Entscheidung die TÜV-Gebühren zu übernehmen modelhaft vielleicht auch für andere Kommunen.
Der Kirmeszug ist Image-Werbung für die Stadt, lockt Besucher, holt verzogene Gevelsberger einmal im Jahr nach Hause und lockt neugierige Besucher von außerhalb an.
Andereseits ist das durch die Kirmes eingenommene Geld wichtig für die Arbeit der Vereine - auch zum Wohl anderer in der Stadt.
Der Kirmesbesucher 2011 sollte vielleicht daran denken - in Gevelsberg sind es größtenteils Vereine, ehrenamtliche, die sich die Tage Urlaub nehmen und für IHREN VEREIN in den Stand stellen - ohne Bezahlung, ohne Profi-Kneipier zu sein (aber auch mit Spaß an der ungewohnten Arbeit).
Bis Ende Juni zur Kirmes!