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Spielhallen schicken Konkurrenten getarnte Kontrolleure

20.11.2015 | 11:00 Uhr
Spielhallen schicken Konkurrenten getarnte Kontrolleure
Foto: privat

Gevelsberg.   Der Markt im Spielhallengeschäft ist hart umkämpft: Wettbewerber schicken sogar Testspieler aus, um die Konkurrenz auszuspionieren.

Mit Glücksspielautomaten lässt sich viel Geld verdienen und der Markt um die Zocker ist hart umkämpft: Große Wettbewerber schicken sogar Testspieler aus, um die missliebige Konkurrenz bei Gesetzesverstößen zu überführen.

Tatort Casino Gevelsberg, im Jahr 2013: Die beiden Männer sind Vater Frank-Peter R. (68) und Sohn Mike R. (31) – und sie betreten immer erst gegen Mitternacht die Spielhalle. Dann werfen sie Münzen in die Daddelmaschinen und tarnen sich als Spieler. Doch sie interessieren sich nicht für Gewinne, sie kundschaften die Situation vor Ort aus. Denn in Wahrheit sind sie Spione im Auftrag der Konkurrenz.

Auftraggeber bleibt geheim

Die Methode kam jetzt in einem Handelssachenverfahren vor dem Landgericht Hagen (Az. 21 O 12/14) ans Licht. Dort klagte die „Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs“ gegen eine Firma, die an der Hagener Straße in Gevelsberg eine Spielhalle betreibt. Insgesamt fünfmal waren Vater oder Sohn dort zwischen April und November 2013 inkognito aufgetaucht, ein weiteres Mal Mitte Januar 2014.

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Vor allem sollten die Privat-Kontrolleure herausfinden, ob die gesetzlichen Sperrzeiten eingehalten wurden. In Nordrhein-Westfalen müssen Spielhallen zwischen ein Uhr und sechs Uhr morgens geschlossen sein.

Testkunde Mike plauderte im Zeugenstand aus dem Nähkästchen: „Mein Vater und ich haben eine Firma für Sicherheitsberatung. Wir tun nichts anderes, als jede Nacht Spielhallen zu kontrollieren. Ich mache den Job bereits seit neun Jahren.“

Wer der eigentliche Auftraggeber ist, das wird nicht verraten. Dahinter steckt natürlich die Konkurrenz. Es muss ein großer Spielhallenbetreiber sein, denn die beiden Privatkontrolleure sind in ganz Deutschland unterwegs. Als Kläger tritt dann jeweils nur die „Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs“ in Erscheinung.

Gäste kamen trotz Schließung in die Spielhalle

Am 9. Mai 2013 war Mike R. als Spieler getarnt nachts in der Gevelsberger Spielhalle: „Um ein Uhr wurde ordnungsgemäß die Eingangstür verschlossen. Doch es kamen noch weitere Gäste. Die klingelten dann und wurden noch reingelassen.“

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Seine Beobachtungen tippt der private Spielhallenüberprüfer noch vor Ort heimlich in sein Handy ein. Später dann, im Hotel, überträgt er das in seinen Laptop. „Wir übernachteten im Jahr 2013 regelmäßig in Gevelsberg“, ergänzte Frank-Peter R., „unser Hotel liegt nur 300 bis 400 Meter von der Spielhalle entfernt.“

Der 68-Jährige kann sich erinnern, am 3. April 2013 im Casino an der Hagener Straße gewesen zu sein. Er hatte sich den Verstoß gegen die Sperrzeitverordnung genau notiert: „Um 2.15 Uhr waren noch sieben Gäste da.“

„Aschenbecher verteilt“

Sein zweiter Besuch dort sei am 15. Januar 2014 erfolgt. „Diesmal saßen während der Sperrzeit noch zehn Gäste an den Geräten.“ Die Tür sei von innen verschlossen gewesen. „Die Aufsicht verteilte dann Aschenbecher. Vier Gäste rauchten“, erklärte der Privatkontrolleur im Zeugenstand. „Ein klarer Verstoß gegen das Nichtraucherschutzgesetz.“

In der Daddelautomaten-Branche scheinen Gesetzesübertretungen wohl die Regel zu: „In 60 bis 70 Prozent stellen wir Verstöße fest“, gab Frank-Peter R. zu Protokoll. „Wir erhalten kein Erfolgshonorar vom Auftraggeber, sondern einen festen Tagessatz.“

Die Wettbewerbszentrale will die behaupteten Verstöße gegen die Sperrzeitverordnung und das Nichtraucherschutzgesetz gerichtlich untersagen lassen.

Am 8. Dezember wird Richter Till Depenwisch die Entscheidung verkünden.

Helmut Ullrich

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2015-11-20 11:00
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