Sie lassen es krachen, blitzen und flattern
21.08.2008 | 20:27 Uhr 2008-08-21T20:27:24+0200Gevelsberg. Wo sie im Einsatz sind, da kracht und blitzt es oder flattern außergewöhnliche Objekte durch die Lüfte - oft alles auch auf einmal. ...
... Uwe Gryzbeck und Ursula Bebko haben ihre atemberaubenden Feuerwerksinszenierungen und die kunstvoll selbstgebauten Drachen schon in halb Europa vorgeführt. In diesem Jahr feiert das Ehepaar mit seiner Firma "Avantgarde" 25-jähriges Bestehen. In Gevelsberg war zuletzt im Juni ihr "Trommelfeuerwerk" zur 35-Jahr-Feier der Städtepartnerschaft mit Vendôme zu bewundern. Und am Freitag, 5. September, wird Ursula Bebko für die Aktionstage "EinGang frei" am Ennepebogen und am Timpen symbolische Eingangstore für die Stadt installieren. Seltene Heimspiele für die beiden, die ansonsten ständig durch die Lande reisen. Die Referenzliste füllt mittlerweile mehrere Seiten: In Italien, Frankreich, am "Metronom" in Prag, in den Benelux-Ländern und überall in Deutschland waren Drachen, Windkunst und Feuerwerk "made in Gevelsberg" bereits zu sehen.
Mit den Drachen fing alles an. Ursprünglich war für den Sozialwissenschaftsstudenten Uwe Gryzbeck die Beschäftigung damit ein Hobby. "Damals kamen die ersten Lenkdrachen auf den Markt" erzählt er. Er begeisterte sich dafür, begann selbst Fluggeräte zu bauen. Und dann benötigte ein Freund ein kameratragendes System, um archäologische Ausgrabungen aus der Luft zu fotografieren. Gryzbeck konstruierte es, der Freund brauchte eine Rechnung. Mit dem erforderlichen Gang zum Gewerbeamt wurde die Firma geboren, damals mit Sitz in Witten.
Der Drachenbau und -handel wurde zum Beruf, die Sozialwissenschaft das Hobby. Schon kurz nach Gründung zog das Paar nach Gevelsberg, zunächst an die Bredde, dann zum Sinnerhoop. Seit 2000 ist nun Silschede die Heimat der "Avantgarde".
Seine Frau lernte Gryzbeck während des Studiums kennen - in Sprockhövel: Er studierte in Wuppertal, sie in Bochum. Und beide wählten Sprockhövel als Wohnort. Ursula Bebko interessierte sich schnell für den Drachenbau. Die Sozialpädagogin und Gerontologin, begleitete ihren Mann zu Festivals und stieg immer mehr in die Arbeit ein, entwickelte zudem eine eigene Richtung: die WindArt mit Fahnen- und Klanginstallationen. Sie arbeitet darüber hinaus immer noch als freiberufliche Wohnberaterin.
Zur Beschäftigung mit dem Feuerwerk kamen Uwe Gryzbeck und Ursula Bebko, als sie bei einem Drachenfestival für einen Nachtflug Feuerwerk einsetzen. Die Aktion sprach sich herum, nach und nach entstand daraus ein neuer Geschäftszweig, auch losgelöst von den Drachen. Gryzbeck absolvierte die staatliche Pyrotechniker-Ausbildung, vor zwei Jahren legte auch seine Frau die Prüfung ab. "Bei Feuerwerk denkt zuerst jeder an Kirmesfeuerwerk", so der 53-Jährige. "Ich finde so ein barockes Bodenfeuerwerk ästhetischer." Dabei könne man näher am Publikum arbeiten und auch die Umgebung - ob ein Schloss, eine große Brücke oder anderes - einbeziehen. Vor allem Industriestrukturen haben es Gryzbeck angetan, nicht zuletzt bei der "Extraschicht" ist er mit seiner Frau seit Jahren im Einsatz.
Den reinen Drachenhandel hat "Avantgarde" eingestellt. "Wir besetzen mit unserer Arbeit Nischen", sagt Grybeck. Schwerpunkte: Drachen-Spezialkonstruktionen, die WindArt und individueller Feuerzauber. Rund 100 Mitarbeiter, darunter ein fester Stamm, unterstützen das kleine Unternehmen.
Wann, wie und wo das Jubiläum gefeiert wird, das weiß Uwe Gryzbeck noch gar nicht. "Das machen wir nach der Saison. Ich hoffe, dass das sehr spät im Jahr sein wird", meint er schmunzelnd. Denn das bedeute, dass es viel zu tun gäbe. Momentan gibt es reichlich Arbeit: Am heutigen Freitag gestaltet "Avantgarde" ein Bodenfeuerwerk zur Eröffnung der Ruhrtriennale an der Jahrhunderthalle Bochum. Am Samstag, 30. August, zündet das Paar das Bühnenfeuerwerk beim "Grobschnitt"-Auftritt zum NRW-Tag in Wuppertal und am Sonntag, 6. September, sorgen beide für das "Chill-Out-Feuerwerk" beim "Seegeflüster" am Hagener Hengsteysee.
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