Schlüsselbruch beim Sturm aufs Rathaus
15.02.2010 | 18:55 Uhr 2010-02-15T18:55:00+0100
Gevelsberg. Auf erbitterten Widerstand stieß Gevelsbergs Narrenoberhaupt Bernd II. gestern Morgen gegen 11.11 Uhr bei seinem Versuch, die Macht in der Pizzeria „Rathaus” zu übernehmen. Im Kampf mit dem Hausherren ging sogar einer der beiden überdimensionalen Schlüssel zu Bruch.
Schließlich erkannte Pizzabäcker Claus Jacobi, nebenamtlich auch als Bürgermeister tätig, seine Machtlosigkeit gegen das Narrentum in der Stadt an. „Das ist einer der rabiatesten Zeitgenossen, die mir je untergekommen sind”, beklagte sich Jacobi über den Karnevalsprinzen, bevor er sich in die Reihen des fröhlich schunkelnden Volks im Ratsfoyer einreihte. Und der Erste Bürgermeisterstellvertreter Axel Mertins gab auch den Zweitschlüssel unter großem Wehklagen in die Hände des Karnevalsprinzen.
„In der kältesten Session seit Wetterdaten aufgezeichnet werden” (Jacobi) wurde den Närrinnen und Narren aber wenigstens im Rathaus richtig warm. Dort hatte nämlich Don Cataldo, Pater der Italienischen Mission, mit seinem Team einen Pizzaofen aufgebaut. Das Zubereiten der leckeren „Pizza dello Don Cataldo” gehörte zu den elf Aufgaben, die das Prinzenpaar dem Bürgermeister für die laufende Session gestellt hatten. So wurde die Gelegenheit genutzt, die Erfüllung mit einem guten Zweck zu verbinden: Für drei Euro konnten die Gäste die frisch gebackene Pizza erstehen, der Erlös kommt den Erbebenopfern in Haiti zuzugte.
Auch die letzten offenen Aufgaben erledigten Jacobi und seine Mitarbeiter gestern Vormittag noch. So zeigten sie Fotos der letzten zehn Prinzenpaare und verlegten den Ennepebogen wie aufgetragen ins Rathaus – indem sie den Ennepestrand per Beamer auf eine Leinwand warfen. Zudem war vor dem Rathaus neben der Gevelsberger Flagge auch die von Neuseddin gehisst worden – der Heimat der holden Prinzessin.
Eine Fülle von Orden unters Volk gebracht
Das Prinzenpaar sowie die Präsidenten der beiden Gevelsberger Karnevalsgesellschaften, Paul-Werner Herguth (KG Hippendorf) und Diethelm Hellwig (KaGe Grün-Weiß) bedankten sich mit einer Fülle von Orden bei den Förderern des karnevalistischen Treibens. Und natürlich ging ein herzlicher Dank an die Begleiter des Prinzenpaares, Ulla Benscheidt und Stefan Schmidt.
Günter Dabruck und Klaus Furmanek animierten hochmusikalisch zum Mitschunkeln und die beiden Funkenmariechen aus dem Hippendorf, Eva Reinicke und Jennifer Wenzel, boten eine schwungvolle Tanzeinlage.
Durch die weiß gefärbte Innenstadt waren die bunt gekleideten Gevelsberger Karnevalistenam Rosenmontag bei ihrem Wintersturm aufs Rathaus gezogen.
In der Feuerwache an der Körnerstraße durften sich die Narren zunächst stärken. Die Wehrleute hatten – zur Erfüllung einer der elf Aufgabe für den Bürgermeister – für den Rosenmontagszug eigens einen BMW X3 als Feuerwehrauto verkleidet und als edles Gefährt für Prinz Bernd II. und Prinzessin Cornelia II. hergerichtet. Blaurock Friedhelm Bauerdieck kutschierte die Regenten durch die Stadt.
Bei Mode Tasbier machte die Frohsinnsprozession noch einmal Halt. Ihre Prominenz Bernd II. und Cornelia II. gaben dort eine Autogrammstunde.
Nachdem sie das Rathaus nach kurzem, aber hartem Kampf erobert hatten, konnten die Herrscher der Narren schließlich fröhliches Schunkeln befehlen. Den passenden Ton dafür lieferten wieder Klaus Furmanek und Günter Dabruck. Die beiden steuerten nicht nur für die „Pizza dello Don Cataldo” den passenden musikalischen Belag – mit einer eigens umgetexteten Version von „Pizza wunderbar” – bei, sie hatten sogar einer unverzichtbaren Institution des Gevelsberger Frohsinns eine Hymne geschrieben. „Grün und Weiß” heißt das Lied, das – man ahnt es schon – der KaGe Grün-Weiß auf den Leib geschneidert wurde. Hier der Text:
„Der liebe Gott die Welt erschuf in seiner Farbenpracht, als er dann endlich fertig war, da hat er nachgedacht. Hier fehlt doch noch, was Freude macht, das weiß ich ganz genau: Karneval in Gevelsberg – Gelau, Gelau, Gelau.
Ja ganz viel Grünweiß, in der Stadt überall, das sind die Farben im Karneval. Grünweiß die Fahne, das Herz schlägt grünweiß. Wir sind der grünweiße Karnevalsverein.
Das ganze Jahr nur großen Stress, du findest keine Ruh. Familie, Umwelt und Beruf, setzen die täglich zu. Nur einmal geht's dir richtig gut, das merkst du ganz genau: Karneval in Gevelsberg, Gelau, Gelau, Gelau.
Ja ganz viel Grünweiß...”
Der Lohn für die große Mühe ereilte die beiden Barden stehenden Fußes: Ihnen wurde von KaGe-Präsident Diethelm Hellwig der Sessionsorden der grün-weißen Gesellschaft umgehängt.
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