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Serie "Chöre"

Ohne Hemmungen und Grenzen

12.02.2010 | 18:37 Uhr
Ohne Hemmungen und Grenzen

Augen schließen, einatmen und den Ton ganz langsam, fast schon natürlich, kommen lassen. Den Ton bitte behutsam ausatmen und zurücklehnen. Augen öffnen.

Ich befinde mich scheinbar mit dem kleinen Tiger und dem kleinen Bären auf dem Weg nach Panama, aber in Wirklichkeit sind es die Jugendräume, des CVJM Gevelsberg. Hier trifft sich u.a. der „Wegweiser-Chor”, dessen Besuch, wie auch schon bei anderen Chören dieses Genres, sich als ein typisches herausstellt, insofern, dass Spaß, Witz und Agilität wesentliche Bestandteile sind, ohne die schon die Lockerungsübungen wahrscheinlich an Scham ersticken würden.

Rückenmassage für alle Sängerinnen und Sänger

Hier geht es schon zu diesem Zeitpunkt sehr intim zu, wenn man das so sagen darf. Ein frisches „Du” zur Begrüßung von Mitglied Bettina Bothe lassen bei mir sofort die Hemmungen vor einer Rückenmassage fallen, die sich die Sängerinnen und Sänger des Chors an sich gegenseitig anwenden.

Kai-Uwe Ploner ist mein Massagepartner. Er hält auch die Begrüßung vor jeder Probe. Schon an der Stelle merkt man, dass es sich hier um einen explizit christlichen Chor handelt, der sich allerdings weder Konfessions- noch Glaubensgrenzen setzt. Mit einem kleinen Gedankenimpuls aus 1. Petrus 3,8 startet man hier frisch in die Probe, die von einigen Mitgliedern sogar als „Highlight der Woche” bezeichnet wird. „Nur eine Mitgliedschaft im CVJM ist verpflichtend”, sagt Kai-Uwe, denn dieser Chor gehört direkt dem CVJM Gevelsberg.

Mit meinem Outfit - Schwarzer Pulli und blaue Jeans - passe ich schon ganz gut in den Chor, der sich dieses Outfit zur „Uniform” gewählt hat. Man hat nicht oft so einen Spaß bei den Aufwärmübungen, die sich Chorleiter Thimo Velling - er ist mit 24 Jahren übrigens das jüngste Mitglied - passend für diesen Chor ausgesucht hat. Seit knapp zwei Jahren schult Thimo seinen Chor jetzt schon mit unkonventionellen, aber abgestimmten Übungen. Da sich die poppigen Gospel-Songs, die zu ihrem Repertoire gehören, nur selten an die Betonungen des gegebenen Metrums halten, gibt Thimo einen zu stampfenden Takt vor, zu dem ein bestimmter Rhythmus geklatscht werden soll. „Seitdem ich diese Übung eingeführt habe”, sagt Thimo, „hat sich das Rhythmusgefühl entschieden verbessert”. Der Chor ist sich einig, dass Forderung und Förderung nicht mit Überforderung einhergehen. Diese Musik ist zwar leicht zu hören, aber nicht sonderlich leicht zu singen.

Ganz frisch und unverbraucht fühlen sich diese Stimmen im wahrsten Sinne des Wortes an. Auch wenn die Mitglieder nicht mehr die jüngsten sind (von 20 bis 40 Jahren ist alles vertreten), strahlt er den jugendlichen Geist aus, in dem er gegründet wurde. 1979 schloss sich der „Jugendchor Gevelsberg” aus zwei Chören aus den Gemeinden Schnellmark und Vogelsang. In den letzten 30 Jahren erfuhr der Chor viele Leiterwechsel, aber auch eine Menge von Erfolgen, zu denen denen das Musical „Jona” gehört, das 11 Mal aufgeführt wurde. Als „Wegweiser” ist der Name bei diesem Chor Programm, denn hier wollen die Mitglieder auf den Glauben hinweisen und auch Impulse geben, die sie oft auf Konzert, beonders bei jungen Menschen sehen. Schon ein Mitwippen, oder Mitsummen macht den Funken, der überspringt, sichtbar. Gesang ist in besonderer Weise mit Emotionalität verbunden, denn das Wort sei niemals leer, sondern überträgt einen konkreten Inhalt.

Nur im Bass wird es heute kompliziert

Heute sind es 25 Mitglieder, die sich Thimos Dirigat fügen. Besonderes Lob findet der für die Beständigkeit des a capella des Chors: „Auch wenn ich mal das Keyboard weglasse, sacken die Stimmen nur selten zwei Töne runter.”

Vier Stimmen sind es insgesamt, die zur Not - auch heute - bis auf sechs geteilt werden können. Nur im Bass wird es kompliziert, denn heute singt Kai-Uwe allein im Bass (mit mir).

„Man hat gar nicht den Drang zu gehen”, erklärt Mathias, der Tenor aus der letzten Reihe. Denn warum man einem Chor beitritt, könne man oft nicht sagen, aber wenn man erst drin ist, dann hält es denjenigen im Bann, sei es Mitglied, oder Zuhörer.

Was macht die Musik so reizvoll? Das ist die Hauptfrage, auf die unsere Serie „Chöre in unserer Region“ fußt.

Da sich Musik nicht nur auf iPods – ganz im Sinne ökonomischer Interessen – abspielt, sondern auch ganz uneigennützig, als Bestandteil des gemeinschaftlichen Lebens fungiert, möchten wir die wohl persönlichste und ureigenste Weise des Musizierens in den Mittelpunkt unserer Serie stellen – den Gesang.

Wir werden Chöre aus der Region portraitieren, die keine professionellen, aber durchaus ernsten Absichten haben, der Musik eine Stimme zu geben. Fortgesetzt wird unsere musikalische Reise durch die Chorwelt des Südkreises heute mit dem Wegweiser-Chor Gevelsberg.

Chöre, die ebenfalls Interesse haben, von uns besucht zu werden, können sich an die Redaktion der WR/WP wenden: Markgrafenstr. 7, 58332 Schwelm, 02336/919520; E-Mail: schwelm@westfaelische-rundschau.de

Matthias Nowakowski

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2010-02-12 18:37
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