Konflikt um Schulnamen schwillt weiter
20.06.2007 | 09:21 Uhr 2007-06-20T09:21:03+0200Gevelsberg. Sollte das Gymnasium den "breiten, tiefen und nachhaltigen Wunsch" haben, sich in "Fritz-Halverscheid-Gymnasium Gevelsberg" umzubenennen, dann würde sich der Rat der Stadt einer ernsthaften Prüfung nicht verschließen. Käme dieses Signal nicht,
Mit diesem Zwischenstand gingen gestern SV-Schüler, Elternpflegschaft und Schulleitung nach einem Gespräch mit Bürgermeister Claus Jacobi auseinander.
Ein zu kurzfristig anberaumtes Treffen von Jacobi, wie Elternpflegschaftsvorsitzende Jutta Voß-Müller eingangs deutlich beklagte. Dem schlossen sich einige Schüler an. SV-Vorsitzende Lena Krönung sagte: "Wir haben erst heute morgen von dem Termin per Lautsprecherdurchsage erfahren. Ich konnte mich nicht vorbereiten."
Überhaupt fand die erste Hälfte des Treffens eher auf Messers Schneide statt. Jutta Voß-Müller kritisierte Jacobi: "Wir haben zweieinhalb Jahre an dem Thema gearbeitet. Jetzt fangen Sie bei Adam und Eva wieder an." Unverständnis für das Treffen erntete Jacobi zunächst auch aus den Reihen der rund 30 versammelten Klassensprecher. Lena Krönung: "Nach zwei Jahren Arbeit hat die Schulkonferenz beschlossen. Das ist ein demokratischer Beschluss, der nicht wegen seiner knappen Mehrheit anzuzweifeln oder irgendwie herabzuwürdigen ist." Ihre Kritik zielte damit auch auf Schulleiter Jürgen Hein, der das Votum von Anfang an als schwach beklagt hatte (WR berichtete).
Bürgermeister Jacobis Dauerangebot der Gesprächsbereitschaft, das er gestern Morgen beinahe mit Engelsgeduld offerierte, eröffnete danach dennoch einen inhaltlichen Dialog. Dabei schien heraus, das die Namensänderung unter den Schülern teils kontrovers diskutiert, teils mit Desinteresse verfolgt wurde. Einige Schüler berichteten, in ihren Klassen sei darüber gar nicht abgestimmt worden. Lena Krönung hielt entgegen: "Das muss auch gar nicht. Es sind gewählte Klassensprecher. Die haben das Recht und den Auftrag, im Namen anderer zu entscheiden." Im Übrigen sei der Diskussionsprozess zwei Jahre alt - jeder, der gewollt hätte, hätte sich beteiligen können. Nun sei die Entscheidung nach demokratischen Spielregeln gefallen.
Jacobi meinte: Die Schule habe einen Namen. Durch die Verknüpfung mit der Stadt Gevelsberg signalisiere man auch eine Verantwortung. Damit seien die Schüler bisher nicht schlecht gefahren. Warum also Fritz Halverscheid? Eine mehrmals vorgetragene Antwort aus den Reihen der Klassensprecher: Fritz Halverscheid habe seinerzeit viel für die Schule, die Schüler und auch für die Stadt insgesamt getan. Wenn nicht Halverscheid, wer dann? Zudem sei "Gymnasium der Stadt Gevelsberg" ein Allerweltsname und biete wohl am wenigsten Identifikation. Selbst wenn Halverscheid in der breiten Öffentlichkeit nicht so bekannt sei, wäre die Namensänderung doch ein prima Anlass, eine Informationsoffensive zu führen.
Jacobi hinterließ die Botschaft: Sollten Lehrer, Schüler und Eltern den "tiefen und breiten und nachhaltigen Wunsch" einer Namensänderung signalisieren, würde er dem zuständigen Schulausschuss empfehlen, den Beschluss über den Antrag der Schule zu verschieben, der bereits am 4. September anstehe.
Grundsätzlich gebe es im Rat die Übereinkunft, öffentliche Straßen und Plätze nicht nach historischen Personen zu benennen. Jacobi gestern auf WR-Nachfrage: "Ich bin kein Basta-Politiker. Wenn der große Wunsch bestünde, müssten Ausschuss und Rat darüber nachdenken, ob sie die bisherige Regelung aussetzen oder abändern."
Jacobi regte an, die Person Fritz Halverscheid und dessen Wirken innerhalb der Schule noch einmal vertieft zu führen - ggf. im Geschichtsunterricht aufzubereiten. Schulleiter Hein nahm die Anregung für die Konferenz am 2. August auf; er machte aber auch deutlich, dass man "keine Lehrpläne außer Kraft setzen" könne. Aber vielleicht gebe es andere Möglichkeiten. Vermutlich sei ein Großteil des Kollegiums aufgeschlossen für den Vorschlag.
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