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Etat 2010 eingebracht

Grundsteuererhöhung soll Haushalt retten

18.02.2010 | 22:24 Uhr
Grundsteuererhöhung soll Haushalt retten

Gevelsberg. Gevelsberg wird in den kommenden Jahren nach der Kalkulation von Kämmerer Andreas Saßenscheidt nur knapp an der Aufstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes vorbeikommen. Um dieses Ziel überhaupt erreichen zu können, soll der Hebesatz für die Grundsteuer B von 395 auf 430 Prozent erhöht werden.

Gevelsbergs Kämmerer Andreas Saßenscheidt. Foto: Hartmut Breyer

Diesen Schritt schlug der Kämmerer den Mitgliedern des Rates gestern bei der Einbringung des Etatentwurfs für das Haushaltsjahr 2010 vor. Rund 346 000 Euro nehme die Stadt durch die Anhebung jährlich zusätzlich ein, so Saßenscheidt. „Diese sicherlich nicht sehr populäre Maßnahme ist für mich unvermeidbar, da wir im Interesse geordneter Finanzen auf zusätzliche Einnahmen zwingend und dauerhaft angewiesen sind.”

4,5 Millionen Euro Defizit im Jahr 2009

Nachdem Gewerbesteuer- und Einkommensteuerausfälle bereits für ein strukturelles Defizit von bis zu 4,5 Mio. Euro im ursprünglich ausgeglichen geplanten Haushalt 2009 sorgten, wird die Lücke 2010 noch erheblich wachsen. Um gut 8,1 Mio. Euro werden die Einnahmen der Stadt dem nun vorgelegten Zahlenwerk zu Folge unter den Ausgaben liegen. Dass der Haushalt für beide Jahre dennoch ausglichen werden kann, liegt daran, dass die Stadt auf die Ausgleichsrücklage zurückgreift. Diese wird aber damit verbraucht.

2009 habe Gevelsberg als eine von nur drei Gemeinden im Regierungsbezirk Arnsberg einen strukturell ausgeglichenen Haushaltsplan vorlegen können, sagte Bürgermeister Claus Jacobi. Besonders bitter sei, dass Gevelsberg sich nach den Rezessionen 2001 und 04/05 unter größten Kraftanstrengungen aus der Misere befreit habe „jetzt wiederum unverschuldet in ein Haushaltsloch fällt”. Er betonte aber, dass sich die Stadt auch ein drittes Mal der Herausforderung einer Haushaltskonsolidierung stellen werde.

Scharfe Kritik übte Jacobi an Bund und Land: „Die kommunale Selbstverwaltung ist in ihrer verfassungsrechtlichen Existenz bedroht”, sagte er in Anspielung auf die vielfach beklagte Verletzung des Konnexitätsprinzips, durch die das Land finanzielle Lasten auf die Kommunen abwälze. Zudem gebe es ein „Schuldenbeschleunigungsgesetz” des Bundes, für das „zeitversetzt diejenigen bluten müssen, die als letztes Glied der Kette schon immer die Zeche zu zahlen hatten: Wir Städte und ihre Bürgerinnen und Bürger.” Es müsse ein „Rettungsschirm für die kommunale Selbstverwaltung” her.

Der Bürgermeister betonte, dass das ganze Augenmerk bei den Etatberatungen darauf liegen müsse, einen ausgeglichenen und genehmigungsfähigen Haushalt zu erhalten. „Nichts wäre fataler, als wenn Gevelsberg künftig wie viele andere Städte im Umkreis förmlich bei der Kommunalaufsicht nachfragen müsste, ob die Stelle einer Schulsekretärin tatsächlich wieder besetzt werden kann.”

Für die kommenden drei Jahre sieht Kämmerer Saßenscheidt zwar eine Verringerung des strukturellen Defizits vor (s. Infobox). Bis dahin ist der Stadt die Darstellung eines ausgeglichenen Haushalts nur über einen Griff in die allgemeine Rücklage möglich. „Das Denken darf sich natürlich nicht darauf richten, nun dauerhaft Defizite durch den Griff ins Eigenkapital abdecken zu wollen”, so Saßenscheidt.

Gevelsberg stehe im regionalen Umfeld „eigentlich noch vergleichsweise gut da”, betonte er. „Vielleicht” könne es gelingen, auch in den Folgejahren die Handlungsfähigkeit zu erhalten. Dies setze neben einem kurz- bis mittelfristigen Abklingen der Wirtschaftskrise voraus, dass Aufwandspositionen weiter reduziert und Ertragspositionen, „wo immer es akzeptabel scheint”, gesteigert würden.

Die Finanzplanung sieht für dieses Jahr eine weitere Kreditaufnahme von rund 6,96 Mio. Euro vor, bei Gesamtschulden von rund 81 Mio. Euro zum 31. Dezember 2009. Eine Kehrtwende zur Entschuldung sei mittelfristig nicht zu erwarten. Denkbar sei insofern nur eine Politik der kleinen Schritte, „indem nach den noch laufenden Projekten der vergangenen Jahre zukünftig eine deutliche langsamere Gangart und auch ein Überdenken der gewünschten Standards Platz greifen muss”, so Saßenscheidt.

»Beim Thema Personaleinsparung

geht so gut wie nichts mehr«

Der Bürgermeister hatte zuvor betont, „dass beim Thema Personalseinsparungen so gut wie nichts mehr geht”. Einzig die Themen interkommunale Kooperation und gemeinsame interkommunale Aufgabenerledigung böten noch Einspar- und Synergiepotenziale, sagte Claus Jacobi.

Der Haushalt wird nun in den Fachausschüssen beraten und soll am 25. März verabschiedet werden.

Hartmut Breyer

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Kommentare
19.02.2010
14:26
Grundsteuererhöhung soll Haushalt retten
von Steuerzahler_0815 | #7

Dazu passt wunderbar, dass die Kreisumlage erhöht wurde. Wieso wurde hier nicht Einhalt geboten? Es ist einfacher, den Bürger zu belasten als etwas nach oben durchzusetzen.

19.02.2010
13:28
Grundsteuererhöhung soll Haushalt retten
von gevelsbuerger | #6

Wer ist im Vorteil? Der, der Lesen kann!
Und wer soll die Klappe halten? Der, der keine Ahnung hat!
Ich habe drei Anregungen gegeben - das Prüfen und Rechnen sind Aufgaben der Ausschüsse und der Verwaltung, werte ost- und südosteuropäische Vorredner. Einfach mal über den Tellerrand schauen:
Es gibt zahlreiche Kommunen in ähnlich prekären Situationen, was machen die? Beim Recherchieren im Internet findet man zahlreiche Beispiele, so auch zur Verlagerung städtischer Aufgaben auf Ehrenamtliche. Warum muss das Bürgerbüro so üppig besetzt sein? Hier könnte man bspw. einen Mix aus Angestellten und Ehrenamtlern ins Auge fassen. Ließen sich evtl. auch Aufgaben der TBGev auslagern? Das Preis-Leistungsverhältnis für die Straßenreinigung ist defizitär aus Sicht der Zahler - warum nicht Eigentümer wie mich in die Pflicht nehmen, ich greife auch selbst zum Besen, und mal ein Modellprojekt für die Nebenstraßen aufsetzen? Und schon könnte man wieder ein paar teure Stellen einsparen!
Der Ennepebogen wurden in den fetten Jahren konzipiert und gerechnet - geht es heute aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen evtl. etwas schlanker? Dürften es vielleicht ein paar 100 TSD Euro weniger sein?
Ich lade an dieser Stelle ein zum Ideensammeln - ohne intellektuelle und idiologische Schranken. Vielleicht sind ja ein oder zwei gute Vorschläge dabei, die wir dann bald als Anträge im Rat wiederfinden.
Auch die WR/WP könnte sich beteiligen: Wie wäre es mit einem Ideenwettbewerb Gevelsberger Sparfüchse gesucht!?

19.02.2010
13:00
Grundsteuererhöhung soll Haushalt retten
von Adem Yurtsevenler | #5

Najaa, Herr Obadky, Ennepebogen und Personaldecke wird der Gevelsbuerger doch wohl schon durchgerechnet haben. Sonst würde er das doch nicht schreiben! Bestimmt hat er die Zahlen vorliegen, kann jetzt schon unglaubliche Synergien erzeugen und zündet bald die Entschlackungs-Bombe.

19.02.2010
12:59
Blockierter Kommentar.
von udo.michel | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.02.2010
12:53
Grundsteuererhöhung soll Haushalt retten
von Wjatscheslaw Obadky | #3

Das war jetzt 2 x Kritik - toll!
Wann wirds denn konstruktiv?
Oder soll das populistische Fangt bei Euch selbst an! schon ein Vorschlag sein?
Ich habe keinen besseren zur Zeit - also brülle ich auch nicht wie ein trotziges Balg gegen alles Andere!

19.02.2010
11:16
Grundsteuererhöhung soll Haushalt retten
von gevelsbuerger | #2

Das ist deutlich zu kurz gesprungen, denn so schreckt Ihr die von allen ersehnten Neubürger aufgrund zu hoher Wohnkosten ab - Gevelsberg blutet aus!

Es geht hier um ca. 350 TSD Euro Einsparpotenzial? Rechnet das Mill.-Projekt Ennepebogen neu, beteiligt mehr Ehrenamtliche zur Erledigung kommunaler Aufgaben (Bürgerberatung, Anlagenpflege etc.) und entschlackt somit die teuere Personaldecke, verscherbelt nicht die besten Filetgrundstückestücke unter der Hand, sondern nehmt marktgerechte Preise!
Fragt Euch erst einmal im Rat und im Rathaus, was Ihr selbst tun könnt, bevor Ihr unverfroren den Gevelsbergerinnen und Gevelsbergern in die Taschen greifen wollt!

19.02.2010
10:58
Grundsteuererhöhung soll Haushalt retten
von hael | #1

Die Grundsteuer zu erhöhen ist der einfache
Weg.Der Mieter merkt ja erst einmal nichts.
Erst bei den Nebenkostenabrechnungen kommt
sie zum Tragen. Dann aber wird auf die Ver-
mieter geschipft. Mögen sich die Städte die
Grundsteuer direkt bei jedem Bürger holen. Dann
würde an dieser Steuerschraube nicht so gedreht.

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