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"Crazy Guitar Night V"

Gänsehautblues und heiterer Swing

28.03.2010 | 21:54 Uhr
Gänsehautblues und heiterer Swing

Gevelsberg. Mit einem Höhepunkt in der Geschichte des Gevelsberger Gitarrenfestivals ist am Samstagabend die zehnte Auflage eröffnet worden. Klaus „Major” Heuser und Richard Bargel sowie das „Joscho Stephan Quartett” begeisterten die Zuschauer der „Crazy Guitar Night V” in der übervollen Erlöserkirche.

Als nach rund vier Stunden Konzertgenuss der letzte messerscharfe Ton verhallt war, den der „Major” auf seiner E-Gitarre zelebriert hatte, schien das Publikum erschöpfter als die Künstler. Auf einen Ausflug in die große weite Welt des Blues hatten Heuser – bis zu seinem Ausstieg 1999 fast 20 Jahre lang Gitarrist der kölschen Rockband „BAP” – und der ebenfalls in Köln beheimatete Bluessänger und -gitarrist Richard Bargel die Zuhörer mitgenommen. Vom vielfach gecoverten Klassiker des Mississipi Delta Blues „In the Pines” (Leadbelly) und dem „Empire State Express” (Sun House) über die Bluesmoritat von „Stagger Lee” bis hin zu Eigenkompositionen Bargels reichte das Repertoire.

Einen besonders starken, wenn auch unheimlichen Moment hatte das Konzert, als der charismatische Sänger beim Song „Bad bad whiskey” die Bühne verließ, das Publikum zum Klatschen animierte, durch die Reihen schritt und ohne Mikrofon weitersang. Das sorgte für Gänsehautatmosphäre, die an einen Erweckungsgottesdienst erinnerte.

Der „Major” lieferte klare, raumfüllende Töne

Während der „Major” mit klaren, raumfüllenden E-Gitarren-Tönen brillierte, sorgte Bargel für die Delta-Blues-typischen metallischen Klänge auf der Steel Guitar. Das rhythmische Fundament legten Markus Riek (Schlagzeug) und Sascha Dellbrouck (Bass). Bemerkenswert, dass die Bargelschen Eigenkompositionen sich wie das für ein Konzert in der JVA als „Bochum Prison Blues” geschriebene „Doing Time” gut ins Programm einfügten und zum Abschluss mit „Anytime you want” einen Höhepunkt brachten, bei dem der „Major” mit einem langen Solo glänzen konnte.

Nachdem Bürgermeister Claus Jacobi, „Ruhr.2010”-Pressesprecher Marc Oliver Hänig und der künstlerische Leiter des Gitarrenfestivals, Professor Hubert Käppel, die Zuschauer begrüßt und das Gitarrenfestival als Herzstück der Gevelsberger „Local Heroes”-Woche innerhalb der „Ruhr.2010” eröffnet hatten, war zunächst das „Joscho Stephan Quartett” auf die Bühne getreten.

Joscho Stephan und Bassist Max Schaaf. Foto: Jonas Güttler

Mit seinem rasant- virtuosen „Gipsy Jazz” forderte Ausnahmegitarrist Joscho Stephan bei seinem dritten Auftritt in Gevelsberg die Zuhörer immer wieder zu Szenenapplaus heraus. Mehrere Stücke von Django Reinhardt, dem großen Mann des „Gipsy Jazz”, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, ließ das Quartett hören. Beeindruckend die Spielfreude Stephans und seiner Mitmusiker Sebastian Reimann (Geige), Max Schaaf (Kontrabass) und Vater Günther (Gitarre); beeindruckend auch sein Talent als Entertainer. Nachdem er ein Stück gespielt hatte, meinte Stephan: „Sie klatschen absolut zurecht. Das Stück ist mir auf der Autofahrt hierhin eingefallen.” Es war Mozarts „Türkischer Marsch”. . . Und zum Schluss spielte er für die Damen noch „das Stück, das Johnny Depp im Film ,Chocolat' gespielt hat. Falls wir noch einmal nach Gevelsberg kommen sollten, spielen wir dann etwas von Brad Pitt.” Bei dem Stück handelte es sich übrigens um den „Minor Swing”, eines der bekanntesten Django-Reinhardt-Stücke.

Hartmut Breyer

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