Entwicklungshilfe mit der Kamera
04.10.2011 | 20:00 Uhr 2011-10-04T20:00:00+0200
Gevelsberg.Es ist eine riesige Herausforderung, vor die sich Robin Bloemer selbst gestellt hat: Er möchte dazu beitragen, dass Menschen in Afrika leichter Zugang zu Informationen erhalten und Medien nutzbringend einsetzen können. Um dieses ehrgeizige Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, hat der Gevelsberger den Verein „Media Afrika“ gegründet.
Das Prinzip, das Robin Bloemer und seine Weggefährten dabei verfolgen, ist die „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Wir vermitteln in Afrika theoretisches Wissen und praktisches Können und möchten die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, damit sich Afrikaner mittels Medien eigenständig und wirksam nach außen und nach innen austauschen können, um wichtiges Wissen zu zahlreichen Themen weiter, schneller und zuverlässiger zu verbreiten“, erklärt er. Welche Rolle Medien spielen könnten, sei nicht zuletzt bei den Umwälzungen in Nordafrika zu beobachten gewesen. Als Sohn des langjährigen heimischen Westfalenpost-Redakteurs Werner Bloemer ist ihm eine Beziehung zur Medienwelt ohnehin in die Wiege gelegt gewesen.
Die Idee für das Projekt hatte Robin Bloemer vor rund zwei Jahren nach einem Besuch in Nigeria. Der 31-jährige, der in Gevelsberg aufwuchs und in Hagen sein Abitur machte, hatte schon vor einigen Jahren den in Gevelsberg lebenden Nigerianer Joe Femi-Dagunro kennengelernt. „Es ist eine Freundschaft entstanden und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich nicht mal mit nach Nigeria möchte“, erzählt Robin Bloemer, der noch in Wuppertal wohnt, aber in Gevelsberg ein Büro hat. Nachdem er sein Studium zum Kommunikationsdesigner an der Bergischen Universität Wuppertal abgeschlossen hatte, reiste er 2009 nach Lagos, die größte Stadt Nigerias.
„Das war erstmal ein Kulturschock“, meint Robin Bloemer. Der selbstständige Kommunikationsdesigner startete dennoch den Versuch, im Land im Medienbereich etwas aufzubauen. „Das hat nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, erzählt er. Es gebe dort keine vernünftige Infrastruktur. „Es gibt nicht ständig Strom. Also braucht man einen Generator, um konstant arbeiten zu können. Doch das ist teuer“, sagt Robin Bloemer. Viele weitere Hemmnisse kämen hinzu: Das Sicherheitsproblem, viele Arbeitslose, ein niedriger Bildungsstandard.
„Ich habe mich schon gefragt, warum ich das mache“, erklärt Bloemer. Doch er fühlte sich herausgefordert. „Und da ich schon vorher immer gerne Schulungen gemacht habe, habe ich versucht, das zu kombinieren.“ In Gevelsberg sei es Jugendlichen zum Beispiel möglich, sich im Jugendzentrum eine Video- oder Fotokamera auszuleihen, um damit etwas zu gestalten. In eine ähnliche Richtung will er zunächst in Nigeria gehen. „Wir möchten dort ein Medienzentrum aufbauen und das mit Schulungen verbinden.“ Kinder, aber auch Erwachsene sollten dort lernen, mit Medien vernünftig zu arbeiten, um später bessere Chancen zu haben.
Erste Workshops führte Robin Bloemer bereits in Schulen und Universitäten durch. Erst im vergangenen Juni war er in Nigeria aktiv, mit 27 von der Firma Olympus als Dauerleihgabe gestifteten Digitalkameras im Gepäck. „Viele hatten bei den Workshops zum ersten Mal eine Kamera in der Hand“, erzählt er. Zu den Aufgaben, die er dabei stellte, gehörte, dass die Teilnehmer versuchen sollten, mit Bildern eine Geschichte zu vermitteln. Auch Interviewtraining führte er durch. Wichtig ist ihm, Menschen zu suchen, die später selbst Schulungen durchführen können.
Die Vision ist, das
Projekt auszuweiten
Bloggen, soziale Netzwerke, Videoclips und Podcasts – all dies sollen die Menschen in Afrika nach Robin Bloemers Vorstellung zukünftig einsetzen können. „Ich kann mir auch vorstellen, das Projekt auf andere Länder auszuweiten“, meint er. Nicht zuletzt seien auch Kooperationen mit anderen Projekten in afrikanischen Ländern denkbar. Doch das ist noch die Vision. Der Weg dahin wird lang und hängt natürlich nicht zuletzt vom Geld ab. Zurzeit steckt Bloemer, der natürlich ehrenamtlich tätig ist, sogar noch eigenes Geld in das Projekt – für Flug und Unterkunft, nicht zu vergessen den Verdienstausfall, wenn er unterwegs ist.
Für seinen Freund Joe Femi-Dagunro, der dem Verein auch angehört und diesen mit seiner Familie in Nigeria unterstützt, ist „Media Afrika“ ein wichtiges Projekt, um Menschen auszubilden. „Wir helfen den Leuten und geben nicht Geld an Regierungen“, meint er. Zugleich lobt er den Einsatz seines Freundes. „Robin hat diese Passion für die Sache. Er ist wie ein Familienmitglied“, sagt der Nigerianer.
INFO:
Robin Bloemer würde sich über Unterstützung für seine Arbeit freuen. Neben Geld- oder Sachspenden sind auch eine Mitgliedschaft, Kooperationen, ehrenamtliche Mitarbeit oder Sponsoring gefragt.
Informationen über den gemeinnützigen Verein „Media Afrika“ gibt es im Internet unter www.media-afrika.org
Kontakt: Media Afrika e.V. – Gemeinnützige Förderung von Medien, Kommunikation und Information in Afrika, 0202/2958183 oder 0178/1070297,
E-Mail: info@media-afrika.org.
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