Das aktuelle Wetter Gevelsberg 18°C
Stefanie Laake fühlt sich...

Der Liebe wegen nach Lettland

03.01.2010 | 18:12 Uhr
Der Liebe wegen nach Lettland

Wenn man an Lettland denkt, hat man Vielerlei vor Augen: Die Hauptstadt Riga, die Ostsee, unberührte Natur und noch menschenleere Strände. All dies sieht und schätzt auch Stefanie Laake - neben ihrer Familie.

Vor einigen Jahren fasste die 35-jährige gebürtige Gevelsbergerin den mutigen Entschluss, ihrem Herzen und der Liebe zu folgen: Nach Lettland. Mit ihrem Mann Eric gründete sie eine Familie, die beiden haben zwei Kinder.

Zum Weihnachtsfest zog es Stefanie Laake wieder in die Heimatstadt. Zwei Wochen verbrachte sie mit ihren Söhnen Benjamin (6) und Noah (4) in der Wohnung ihrer Mutter. Mann Eric musste in diesen Ferien leider daheim bleiben.

»Ich bereue es nicht, fortgegangen zu sein«

Alles begann wie im Märchen - unwirklich und romantisch. „Ich arbeitete damals noch im Export bei Bilstein, Eric im Import einer lettischen Firma. Es funkte praktisch über das Telefon.” Mehrere Monate vergingen noch bis zum ersten Treffen während der Messezeit in Deutschland. Nach einem Jahr Fernbeziehung entschied sich Eric, nach Deutschland zu kommen. „Ich habe wahrlich einen Ausnahme-Letten getroffen”, schmunzelt Stefanie. Innerhalb von acht Monaten lernte er fließend Deutsch zu sprechen. „Ich selbst spreche nicht fließend Lettisch, aber die Letten rechnen es mir hoch an, dass ich es versuche”, lacht die Gevelsbergerin.

Im Dezember 2000 folgte dann die Hochzeit. Dennoch zieht es das Paar nach Lettland. Trotz sehr guter Qualifikationen fällt es Eric schwer, in Deutschland eine Arbeit zu finden. „Die lettischen Ausbildungsprogramme werden hier leider kaum anerkannt”, gibt Stefanie als Grund an. Nachdem sie selbst bereits ein paar Wochen in Lettland verbracht hatte, fiel ihr die Entscheidung nicht schwer. Trotzdem sei es wichtig, einige Zeit im Land zu verleben und sich mit seinen Sitten vertraut zu machen, bevor ein Umzug anstehe, gibt sie zu bedenken. Vieles sei anders, nicht nur das Klima, auch die Mentalität der Leute. In Lettland sei es gerade die Meeresnähe und die wunderschöne Natur, die sie anziehend finde.

Die Familie lässt sich in Riga nieder, in der ersten Zeit versuchen sie noch häufig zwischen Deutschland und Lettland zu pendeln. Das ist heute nicht mehr so oft möglich.

Gerade in der Krise ist auch Lettland schwer getroffen. Die Staatskassen sind leer, Arbeitslosengeld und Renten sind gekürzt, das Kindergeld fehlt völlig. Auch die Preis-Leistungs-Verhältnisse stimmen nicht mit den niedrigen Löhnen überein. „Ich bereue es nicht, fortgegangen zu sein, nur die Umstände sind schwierig. Man muss lernen, sich anzupassen”, zieht die Gevelsbergerin Bilanz. Derzeit gebe es unglaublich viele leer stehende Einfamilienhäuser und Wohnungen. Familie Laake selbst ist auch hier von Krise und Arbeitslosigkeit betroffen.

Für das neue Jahr fasst die Familie Mut. „Wir halten weiterhin zusammen und hoffen auf Hilfe. Schließlich haben wir uns hier etwas aufgebaut.”

Aber was fehlt in Lettland am meisten? „Die Gevelsberger Kirmes natürlich!”, sagt die Tochter von Herbert Laake jr., seit Jahren Vorsitzender der Kirmesgruppe Hippendorf, mit einem Lachen. Seit vier Jahren sei sie zur Kirmeswoche nicht mehr hier gewesen. „Solch eine Kirmes oder auch die Karnevalsfeiertage gibt es in Lettland nicht. Im letzen Jahr haben wir mit deutschen Freunden in Riga eine Karnevalsparty veranstaltet. Mein Mann Eric als Mumie - die einheimischen Leute haben vielleicht geguckt.”

Am Neujahrstag ging der Flieger zurück nach Riga. Auch in Lettland herrscht gerade der strenge Winter. In diesen Tagen friert meistens die Daugava zu. „Die Leute nutzen den Fluss dann als Brücke.” Am 6. Januar wird auch nochmals Weihnachten gefeiert. Familie Laake kehrt in den heimatlichen Trubel zurück, in kommenden Sommerferien denken sie wieder an einen längeren Deutschlandaufenthalt.

Caroline Schuttkowski

Facebook
 
Kommentare
09.01.2010
10:56
Der Liebe wegen nach Lettland
von Manuela Berndt | #1

ich kenne spefanie und ihre familie und bin beeindruckt, wie diese familie mit der schweren finanzsituation in lettland umgeht!!
toller Familienzusammenhalt!! beispielhaft!!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2338288/create

Aktuelle Fotos und Videos
Auftakt zur heißen Kirmesphase in Gevelsberg
Bildgalerie
Hammerschmiedfete
Sonniges Wetter lockte Tausende zum Boulevard
Bildgalerie
Boulevard 2012, Sonntag
Sternchen zeigten ihr Talent beim Casting Wettbewerb
Bildgalerie
Boulevard 2012 G-Faktor
Ein Rundgang über den Boulevard in Gevelsberg am Samstag
Bildgalerie
Boulevard 2012, Samstag
Aus dem Ressort
Tag der offenen Bauplätze
Kirmes
„Herzlich willkommen bei der Kirmesgruppe...“. Mit diesen Worten begrüßen die zwölf Gevelsberger Kirmesgruppen künftig ihre Gäste. Rechtzeitig zum „Tag der offenen Bauplätze“ sind die Schilder fertig geworden.
Frisch aus der Reha und wieder fit
Gevelsberg
„Ich bin wieder hier!“ Hammerschmied Bernd Matthäi schmiedet wieder und ist, zur Freunde aller, wieder recht gut auf den Füßen unterwegs. Und so konntemit dem traditionellen Hammerschmiedfest in den Räumen der auf Hochglanz polierten Kunstschmiede von Hubert Janorschke der Endspurt auf der...