"Das Kind umfassender sehen"
04.07.2007 | 03:40 Uhr 2007-07-04T03:40:10+0200Gevelsberg. In Gevelsberg soll es vom kommenden Jahr an fünf so genannte Familienzentren geben: Kindergärten und -tagesstätten mit erweiterten Angeboten. Was leistet eine solche Einrichtung? In der AWo-KiTa Schultenstraße hat man bereits Erfahrungen auf d
Von Hartmut Breyer "Ein Familienzentrum ist dadurch charakterisiert, dass es das Kind umfassender sieht", meint Sigrid Schulte, Leiterin des Hauses an der Schultenstraße. "Wir haben zu Kindern und Eltern eine Beziehung aufgebaut, die der Förderung und Entwicklung nützlich ist."
Gut zu erkennen ist das enge Verhältnis zu den Eltern morgens, wenn die Kinder vorbeigebracht werden. Viele Mütter bleiben noch kurz, suchen das Gespräch mit den Erzieherinnen und der Leiterin. Es herrscht eben eine famliliäre Atmosphäre.
Um überhaupt an der Pilotphase des Projekts teilnehmen zu können, mussten die Bewerber bereits einige Vorgaben erfüllen. Dazu gehörten u. a. flexible Öffnungszeiten (an der Schultenstraße von 7 bis 17 Uhr), Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem musste ein Betreuungsangebot für kleinere Kinder vorhanden sein.
An der Schultenstraße gibt es neben drei regulären eine altersgemischte Gruppe. Von 15 Kindern sind darin acht zwischen vier Monate und drei Jahre alt. Neun Betreuerinnen kümmern sich um die zurzeit 85 Kinder, hinzu kommt Sigrid Schulte als freigestellte Leiterin.
Mit 250 anderen Berwerbern wurde die Gevelsberger KiTa ausgewählt, im August 2006 ging es los. Einen Schwerpunkt der Arbeit legte das Team von Anfang an auf die Vernetzung. "Wir hatten bis dahin schon in verschiedenen Arbeitskreisen mitgearbeitet, das haben wir intensiviert", erläutert Sigrid Schulte. Zudem schloss man Kooperationsverträge mit Einrichtungen wie der Frühförderstelle und der Tagesmüttervermittlung ab. An jedem Donnerstag findet von 15 bis 17 Uhr ein Elterncafe? in der KiTa statt, in dem einmal monatlich ein thematischer Schwerpunkt gesetzt wird. Zum Beispiel stellte sich dort der Kinderschutzbund vor, der auch zu den Kooperationspartnern zählt, oder das Thema Ganztagsschule wird behandelt.
Ein weiterer wichtiger Baustein im Konzept ist die aufsuchende Elternarbeit: Sobald die Eltern die Zusage für einen KiTa-Platz haben, machen die Erzieherinnen einen Hausbesuch. Dabei werden die Erwartungen der Eltern erfragt und die Arbeit in der KiTa vorgestellt. "Gut daran ist auch, dass das Kind die Erzieherin schon einmal sieht", so Sigrid Schulte. So sehe es beim ersten Besuch in der KiTa bereits ein bekanntes Gesicht. Die Erzieherinen wiederum erhalten einen Eindruck, in welchem Umfeld die Kinder leben. Auch für Eltern, deren Kind noch keinen Platz bekommen hat, ist das Familienzentrum im Einsatz. "Wir versuchen dann, eine andere Lösung zu suchen", so Sigrid Schulte.
Für die Eltern von Kindern, die die KiTa besuchen, finden regelmäßig Sprechtage statt. Darin wird die Entwicklung des Kindes beschrieben und mit den Eltern darüber geredet, wie es zu Hause läuft. Eventueller Förderbedarf bei möglichen Defiziten, aber auch bei hochintelligenten Kindern wird besprochen. Darüber hinaus versucht das Familienzentrum Schultenstraße Informationen zu sammeln, welche Institutionen in und Gevelsberg herum für Eltern und Kinder nützlich sein können.
Sigrid Schulte zieht insgesamt ein positives Fazit der Pilotphase, in der die Mitarbeiterinnen kostenlos fortgebildet wurden, zudem ein Coach für einige Stunden zur Verfügung stand. "Ich hätte mir nur mehr Zeit gewünscht. Ein Jahr ist ziemlich knapp", meint sie, "ein Familienzentrum sollte wachsen."
Gütesiegel nach Pilotphase
Dazu hat die AW-KiTa Schultenstraße jetzt noch mindestens vier weitere Jahre Gelegenheit. Denn Anfang Juni erhielt die Einrichtung zum Abschluss der Pilotphase das Gütesiegel des Landes. Bis 2011 darf sich die KiTa somit Familienzentrum nennen. Um das Siegel zu erhalten, mussten die an der Pilotphase teilnehmenden Einrichtungen zahlreiche Fragen beantworten und die Antworten belegen. Aus den Ergebnissen wurde ein Qualitätsprofil erstellt, dass unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ausgewertet wird und Lücken im Konzept aufzeigt.
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