Das Gruselkabinett des Bernd Alexius
31.01.2010 | 17:00 Uhr 2010-01-31T17:00:00+0100
Gevelsberg. Die Gevelsberger Kirmes wird in diesem Jahr um eine furchterregende Attraktion reicher: Schausteller Bernd Alexius, schon seit Jahrzehnten mit Autoscooter, Kinderkarussell und Musikexpress auf dem Volksfest vertreten, hat sich eine Geisterbahn gekauft. Für die Auswahl des gruseligen Personals suchte er sich ausgerechnet die Feier zur Verleihung des Ordens für Freude und Frohsinn am Samstagabend im Zentrum für Kirche und Kultur aus.
Es war wirklich erschreckend, was den Zuschauern bei der von der KG Hippendorf veranstalteten Feier geboten wurde. Der ehemalige Westfalenpost-Redakteur Werner Bloemer, letztjähriger Ordensträger und mittlerweile passiver Altersteilzeitler, hatte bei Bernd Alexius als Hilfskraft angeheuert. Der erfahrene Schausteller trug Bloemer auf, die Bahn geistvoll auszustatten. Auf eine Zeitungsanzeige meldeten sich daraufhin etliche Bewerber, von denen Bloemer ein halbes Dutzend aussuchte und seinem Chef vorstellte.
Angstvolles Lachen im Saal, als sich die erste Bewerberin zeigte: „Kini”. Als Mischung aus Grillhähnchen und „Grisu, der Drache” trat die ehemalige Lokalchefin der WP in Gevelsberg, Kirsten Niesler, auf. Als Drache „Grillfix” wolle sie in der Geisterbahn mitarbeiten. Ihre Qualifikation? „Ich mag Männer – besonders frisch vom Grill...”. Ihr einnehmendes Wesen überzeugte Bernd Alexius, „Kini” wurde engagiert.
»Ich will jetzt mal einen vernünftigen Beruf ausüben«
Auch der nächste Kandidat hielt den harten Anforderungen des Geisterbahnbetreibers stand. „Ich war fast mein ganzes Leben lang Beamter, zwölf Jahre Bürgemeister, ich will jetzt mal einen vernünftigen Beruf ausüben”, sagte ein weiß gelockter Michael Eckhardt. Er arbeite schon ehrenamtlich als Geist in der Kluterthöhle, erklärte das ehemalige Ennepetaler Stadtoberhaupt, Ordensträger 2008.
In edles Schwarz-Rot gekleidet, mit passendem Hut und modischem Dreizack als Accessoire erschien Werner Tasbier zum Vorstellungsgespräch. „Ich bin seit 20 Jahr' in Gevelsberg der Modezar”, sagte er. „Sei bitte nett und stell' mich ein, ich möchte gerne Teufel sein!” Angesichts solch erschreckender Verse, blieb Bernd Alexius keine Wahl, er nahm Tasbier in sein Gruselkabinett auf.
Die „Hexe vom Heimatverein” fand ebenfalls Gnade vor den kritischen Augen des Geisterbahnchefs. „Ich kann mir dich gut als alte Hexe vorstellen”, sagte Bernd Alexius zur Heimatvereinschefin Marlis Schäfer. „Die Geisterbahn habe ich ja gebraucht gekauft. Die ist auch nicht mehr die Jüngste, da würdest du gut in das Konzept passen.”
Auf zwei Politiker verzichtete der Chef
Auch wenn es zunächst so schien, der Dieter Bohlen der Geisterbahn nahm nicht jeden. So scheiterte SPD-Landtagsabgeordneter Hubertus Kramer (Ordensträger 2006), obwohl er sich nicht einmal verkleiden musste: „Politiker sind auch so erschreckend genug.” Und sein „Huuuuh” ging den Gästen wahrlich durch Mark und Bein. Doch er solle lieber seinen Wählern in der Heimtstadt und in Düsseldorf erhalten bleiben, entschied Bernd Alexius.
Bürgermeister Claus Jacobi (Ordensträger 2005), der irgendwie an „Bob, den Baumeister” erinnerte, hatte auch keinen Erfolg. Er habe nichts zu tun, klagte Jacobi. „Ja, im Rathaus haben sie neulich Bewegungsmelder eingebaut, die haben sich bis heute nicht gerührt”, wusste Bernd Alexius. „Politiker haben ja alle Nebenämter”, sagte Jacobi. „Ich bin Tunnelwart.” Aber auch dass der Engelberttunnel die längste Geisterbahn der Welt sei, konnte den Schausteller nicht überzeugen. „Sorg' du lieber dafür, dass der Tunnel einmal im Jahr gesperrt wird, das ist für uns Schausteller wichtig.”
Und so endete das „Kassting”, wie es KG-Hippendorf-Vorsitzender Paul-Werner Herguth so treffend bezeichnete, mit der Einstellung eines Schreckensquartetts.
Zum Schluss wurde es dann noch einmal besonders gruselig: Alle Beteiligten sangen gemeinsam „Auf der Geisterbahn nachts um halb eins”...
Buntes selbstgemachtes Rahmenprogramm
Bevor Hippendorf-Vorsitzender Paul-Werner Herguth Schausteller Bernd Alexius als 34. Prsönlichkeit, die sich um den Erhalt von „Freude und Frohsinn” verdient gemacht hat, den Orden verlieh, sorgten die Hippendörfer mit einem bunten, selbstgemachten Programm für beste Unterhaltung.
Dass aufgrund des Wetters kurzfristig mehrere Dutzend Gäste kurzfristig abgesagt hatten, tat der Stimmung keinen Abbruch. Rund 120 Besucher, darunter neben früheren Ordensträgern auch zahlreiche Vertreter aus der Politik, hatten sich im Saal des Zentrums für Kirche und Kultur eingefunden.
Das Karnevalsprinzenpaar Bernd II. und Cornelia II. stattete gemeinsam mit der Die KaGe Grün-Weiß den Hippendörfern einen Besuch ab. Nachdem reichlich Sessionsorden verteilt worden waren, brachte Prinz Bernd II auch noch Streusalz in homöopatischen Dosen, besser gesagt: Tüten, für einen guten Zweck unters Narrenvolk.
Hustende Regenwürmer brachte die Frauengruppe aus dem Hippendorf auf die Bühne. In ihren selbstgemachten Kostümen tanzten sie zum Partysong „Hörst Du die Regenwürmer husten?”. Auch die Funkenmariechen Jennifer Wenzel und Eva Reinicke beeindruckten mit ihrer Darbietung.
Einen optischen Leckerbissen bot wieder das Hippendörfer Herrenballett. Seit genau 40 Jahren besteht die Gruppe nun. Am Samstag führten die unglaublich austrainierten und beweglichen Ballettänzer elfengleich ein „Best-Of” ihrer beispiellosen Tanzkunst vor.
„Der Junge von der Ennepe” durfte natürlich auch nicht fehlen. Volker Rittmann berichtete aus seinem heiteren Familienleben und ließ auch die Nachbarstädte nicht aus.
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