Bestes Werkzeug sind die Hände
10.02.2012 | 19:06 Uhr 2012-02-10T19:06:00+0100
Gevelsberg.Mit einem flexiblen und hochfesten Kettenhandschuh aus rostfreiem Stahl schützt Ann-Christin Oesterling ihre Hand vor Verletzungen. Das ist sehr wichtig, führt sie doch in der anderen Hand ein Rasierklingenscharfes Messer. Dabei geht es hier nicht um historische Ritterspiele als Freizeitgestaltung. Auch wenn sie ihre Tätigkeit gleichzeitig ebenfalls als ihr Hobby bezeichnet, handelt es sich dabei um eine handwerklich anspruchsvolle Arbeit in einer Fleischerei.
Berufswahl schon injungen Jahren getroffen
Ann-Christin Oesterling ist gelernte Fleischfachverkäuferin und absolviert jetzt auch noch im Fleischerei-Betrieb ihres Vaters Marcus Oesterling in der Mittelstraße 100 eine Ausbildung zur Fleischerin. Mit wenigen gekonnten Schnitten zerlegt sie dabei auch immer wieder einmal ein ganzes Schwein.
Mit dem Handwerk in einer Fleischerei kam die heute 22-jährige Gevelsbergerin schon früh in Berührung, denn ihr Vater übernahm schon 2000 die frühere Pferdemetzgerei Kramer.
Als eine der wenigen Metzgereien in der Region, die auch heute noch selbst schlachtet und dabei nur Tiere von anerkannten Züchtern aus der Umgebung verwendet, wuchs Ann-Christin sozusagen mitten im Geschehen auf. Ihre Berufswahl war schon früh klar und für sich sah sie auch nie eine Alternative, als nach der Schule eine Ausbildung zur Fleischfachverkäuferin zu machen. Nach dem Schulabschluss an der Gesamtschule in Wetter und zwei Jahren am Herdecker Gymnasium mit Fachabitur absolvierte sie bei ihrem Vater die dreijährige Ausbildung.
Als eine der besten Absolventen ihres Ausbildungsjahrganges lud sie die Handwerkskammer mit zehn weiteren Teilnehmern zu einem Innungswettbewerb ein. „Auf der Prüfung mussten wir einen Präsentkorb gestalten und eine Aufschnittplatte fachgerecht belegen“, erzählt die 22-Jährige. Es galt auch, ein fachgerechtes Thekengespräch und eine Büfettbesprechung zu führen – unter den wachsamen Augen der drei Prüfer, die den Absolventen permanent über die Schulter schauten.
Am Ende waren sich alle Prüfer einig: Ann-Christin hatte alle Teilnehmer hinter sich gelassen und den ersten Platz belegt. Neben der Urkunde erhielt sie auch gleichzeitig eine Einladung zum Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks auf Landesebene. Nur vier Wochen später standen bei diesem Wettbewerb in der Stadt Essen wieder drei Prüfer vor ihr, um unter noch strengeren Kriterien ihre Arbeit zu bewerten. Zurecht stolz konnte sie zum Abschluss des Wettbewerbs die Urkunde für einen 2. Platz entgegen nehmen.
Dass sie bei keinem der beiden Wettbewerbe auch nur ansatzweise nervös war, liegt wohl auch daran, dass sie für den Partyservice im väterlichen Betrieb schon viele Veranstaltungen eigenverantwortlich umgesetzt hat. Darunter auch Feierlichkeiten mit bis zu 600 Gästen. Angefangen von der Tischdeko bis hin zum eigentlichen Büfett trug und trägt sie dabei immer wieder die Verantwortung.
Bei soviel Ehrgeiz ist es nur logisch, das sie bereits plant, nach der Fleischerausbildung gleich die Meisterprüfung in Angriff zu nehmen. Bis dahin bedient sie mit ihrem freundlichen Wesen die Stammkundschaft oder produziert in der Wurstküche so manche Leckerei. Ohne es zu wissen, werden schon viele Gevelsberger die von ihr hergestellten Rostbratwürste genossen haben, denn diese landen jedes Jahr auf vielen Grills diverser Feste in der Stadt.
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