Gemeinsam gegen Kinderarmut
29.06.2009 | 22:00 Uhr 2009-06-29T22:00:00+0200Kinderarmut hat viele Gesichter. Unter dieser Perspektive läuft am heutigen Dienstag die Fachtagung „KinderZukunft” in Netphen. Vertreter verschiedenster Einrichtungen und Bereiche aus dem Kreisgebiet wollen gemeinsam Lösungsansätze entwickeln.
Landrat Paul Breuer, der zusammen mit dem Vorsitzenden der Kreis-Bürgermeisterkonferenz, Christoph Ewers, zur Tagung einlädt, erläuterte Florian Adam das Konzept.
Die Tagung wurde mit nur einigen Wochen Vorlauf angesetzt. Das ist relativ kurzfristig, oder?
Breuer: Mag sein. Aber die allgemeine öffentliche Diskussion bekam in den letzten Wochen immer mehr Dynamik. Sie wurde allerdings zu einseitig und zu emotional geführt.
Inwiefern zu einseitig?
Es dreht sich meist nur um finanzielle Armut. Die trifft Kinder zwar besonders hart. Es geht aber um viel mehr als nur um die Frage „Geld: Ja/Nein”. Es gibt Beziehungsarmut, Erziehungsarmut, Wertearmut, Bildungsarmut – und oft sind diese Bereiche miteinander verflochten.
Und was finden Sie am öffentlichen Diskurs zu emotional?
Häufig richtet sich der Blick ausschließlich auf die Betroffenen. Das ist einerseits richtig. Ebenso ist Mitleid richtig. Man muss das Problem aber andererseits ganz nüchtern mit Blick auf die Region betrachten. Ich bin überzeugt, dass wir hier viele Kinder mit Potenzialen haben, die wir nutzen könnten. Es werden aber viele Talente nicht entwickelt, viele Rohdiamanten nicht geschliffen, weil Armut Barrieren schafft. Das können wir uns als Region nicht leisten: Denn wir werden immer weniger Menschen – und immer älter. Wir brauchen diese Kinder.
Wäre mehr Geld für die Betroffenen die Lösung?
Nicht allein. Wenn ein Kind ohne Schulbrot zum Unterricht geht, und Sie geben den Eltern mehr Geld, von dem manche dann aber die Handyrechnung bezahlen oder ein neues Elektrogerät kaufen – dann hilft das dem Kind nicht. Es braucht dafür mehr als Geld.
Bei der Tagung treffen sich Experten aus der Politik, aus dem Sozialbereich, von Verbänden, Schulen, Kirchen. Gibt es nicht bereits reichlich Angebote?
Es gibt einiges. Aber wir wollen die Initiativen miteinander vernetzen. Es gibt zum Beispiel Stiftungen, die wissen nicht genau, wie man in diesem Bereich arbeiten könnte – und auf der anderen Seite Projekte, die Finanzierung brauchen. Wer in einer so großen Region weit voneinander entfernt ist, weiß oft auch zu wenig voneinander. Ich verspreche mir von der Tagung den Auftakt zu einer Diskussion, aus der ein großes Netzwerk entsteht.
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