Zwei Schüsse aus Polizeiwaffe trafen Gelsenkirchener in die Brust

Die Polizei fuhr Dienstagabend einen Großeinsatz in Rotthausen.
Die Polizei fuhr Dienstagabend einen Großeinsatz in Rotthausen.
Foto: dpa
Die Leiche des 45-jährigen Gelsenkircheners, der von einem Polizisten erschossen wurde, ist obduziert worden. Demnach trafen ihn zwei Kugeln in die Brust.

Gelsenkirchen.. Tödlich endete am Dienstagabend ein Polizeieinsatz in Rotthausen. Nachmittags hatte es kurz nach 15 Uhr den Hinweis auf einen Mann gegeben, der sich in seiner Wohnung mit einer Schusswaffe das Leben nehmen wollte. Um 20 Uhr war der Mann tatsächlich tot – erschossen von einem Beamten, den er mit einer Waffe bedroht hatte.

Die Mechtenbergstraße in Rotthausen: Geschlossene Häuserfront, Miethäuser aus den 1960er Jahren, im Erdgeschoss ein Pflegedienstbüro, im Haus Nummer 80 eine Schnellpizzeria, etwas weiter ein Kiosk mit Paketshop.

Es war das Lebensumfeld des 45-Jährigen, von dem Dienstag in den sozialen Netzwerken Bilder die Runde machen: auf einem Motorrad, an einer Kiosk-Theke, in der Kluft eines Motorradclubs. Gerüchte machen die Runde, von Nähe zum Rockermilieu ist die Rede.

Doch dafür gibt es keine Bestätigung seitens der Polizei. Der 45-Jährige, heißt es im Polizeipräsidium Gelsenkirchen, sein nach bisherigen Erkenntnissen nicht auffällig gewesen. „Das war kein Gewalttäter oder Krimineller.“

Spezialkräfte drangen in die Wohnung ein

Der Hinweis auf die Waffe hatte die Gelsenkirchener Polizei früh alarmiert. Sie forderte Spezialeinsatzkräfte an. Erste Ermittlungen ergaben, dass sich der der 45-Jährige mehrfach im Hausflur mit einer Schusswaffe bewegte. „Von einer Bedrohungslage nach angekündigtem Suizid“ ging Polizeisprecher Guido Hesse am frühen Abend aus.

Die Polizei ließ daher die Mechtenbergstraße und die Umgebung weiträumig sperren und Anwohner evakuieren. Spezialkräfte bereiteten sich derweil auf den Zugriff vor. Mit einem Polizeihund drangen sie schließlich in die Wohnung des Mannes ein.

Dieser, heißt es im Polizeibericht, richtete „sofort seine Schusswaffe in Richtung des Kopfes eines Polizeibeamten. Der Beamte setzte daraufhin seine Schusswaffe ein. Dabei erlitt der 45-Jährige eine tödliche Verletzung.“

Zu den genaueren Umständen machte die Polizei Mittwoch noch keine Angaben. Nach der angeordneten Obduktion des Mannes stand für die Staatsanwaltschaft Essen nachmittags zumindest fest: Den Mann trafen zwei Schüsse in die Brust. Eine Mordkommission wurde für die weiteren Ermittlungen eingesetzt.

Keine scharfe Schusswaffe

Klar ist: Die Waffe, die der 45-Jährige hatte, war eine sogenannte PTB-Waffe, mit der Gas-, aber auch Schreckschusspatronen und Signalmunition abgefeuert werden können und ab 18 Jahren erworben werden darf. „Das ist keine scharfe Schusswaffe, sieht aber täuschend echt aus“, so Hesse. Für die – in diesem Fall folgenschwere – Bewertung bleibt Polizeibeamten im Einsatzfall vielleicht der Bruchteil einer Sekunde.

Angesichts der Ausgangslage, von der die Polizei Montag vor dem Zugriff ausging, ist Hesse „froh, dass der Einsatz nicht noch dramatischer geendet ist“. Zwischenzeitlich hatte es Befürchtungen gegeben, dass eine konkrete Bedrohung für mehrere Hausbewohner durch den 45-Jährigen bestanden habe.

Die Wohnungstür des Getöteten wurde von der Polizei versiegelt. Ein Aufkleber am Türblatt zeigt, wofür der Mann schwärmte: den MC Outlaws, einen Motorradclub.

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