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Eon Kraftwerk Scholven

Zwei Riesen fallen

28.07.2008 | 16:36 Uhr
Zwei Riesen fallen

Mit einem lauten Knall in sonntäglicher Stille wird sich am 10. August die Silhouette im nördlichen Ruhrgebiet schlagartig verändern: Das Eon-Kraftwerk in Scholven, größtes Steinkohlekraftwerk in Europa, legt zwei Riesen aus ihrer mächtigen Kühlturm-Phalanx in Schutt und Asche.

 Nur noch fünf Dampfhauben lassen dann weiter weiße Wolken in den Himmel aufsteigen. Die beauftragte Sprenggesellschaft aus Thüringen hat bereits die 1100 Bohrlöcher an den Stützen und Schalen der Türme gesetzt. Mit 120 Kilogramm Sprengstoff werden sie gefüllt und dann gibt es an dem Sonntag gegen 12 Uhr kein Zurück mehr: Nach lauten Signaltönen erfolgt die Sprengung. 22 000 Tonnen Beton, die bis dahin 115 Meter hochragen. sollen in sich zusammenfallen. Exakt berechnet ist, dass die beiden nördlichen Kühltürme gegeneinanderkippen und sich praktisch gegenseitig einreißen. In der Pressemitteilung von Eon liest sich das so:  „Nach dem Ankippen kommt es zu einem Vertikalkollaps. Die Selbstzerstörung der Kühlturmschalen beim Bodenaufprall wird durch Vertikalschlitze unterstützt.” Im Abstand von zweieinhalb Sekunden erfolgt die Sprengung, um die Erde nicht allzu sehr beben zu lassen, wenn die 22 000 Tonnen in sich zusammenfallen. In den im Durchmesser 96 Meter großen Kühlturmtassen soll sich tunlichst der Schutt sammeln. Ein Vorhang aus 3000 qm Vliesstoff dient dabei als großflächiger Staubschutz. Gleichwohl wird an dem Sonntag weiträumig evakuiert. Ein Radius von 300 m gilt als Sicherheitszone. Anwohner an der Buerelterstraße und der Kirchhellenstraße müssen am 10. August ihre Wohnungen räumen, Straßen rund ums Kraftwerk werden schon ab 9 Uhr abgesperrt. Dafür erhalten die Anwohner „beste Plätze”, um das spektakuläre Schauspiel zu verfolgen. Sie dürfen  auf die Scholvener Halde gegenüber den Kühltürmen. „Das haben die Anwohner auch verdient, wenn wir sie schon am Sonntag aus ihren Wohnungen holen”, meint Kraftwerksmitarbeiter Elmar Müller. Andere Schaulustige werden sich ihre Plätze suchen müssen, um den „Turmfall zu Scholven” zu verfolgen. Von Westen, von Gladbecker Seite, müsste die Sicht gut sein, glaubt Müller. Eon sprengt die beiden Türmen, weil die dazu gehörenden Kraftwerksblöcke G und H unwirtschaftlich sind und nicht mehr benötigt werden. Die mit Heizöl befeuerten Anlagen wurden schon 1999 „dauerkonserviert” und bis 2003 endgültig stillgelegt. Stück für Stück und Material für Material werden die Blöcke „selektiv” abgerissen. Derzeit werden die großen Tanks auseinandergeschweißt und verwertet. Ab September beginnt der Abriss der Gebäudefassaden. Für die Sattelzüge wurde eigens eine Zufahrtsstraße errichtet.

Von Oliver Schmeer

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Kommentare
28.07.2008
20:39
Zwei Riesen fallen
von strohmeier | #1

mal sehen wie das mit dem Feinstaub und der EU Regelung bei EON und BP ist. Vieleicht wird ganz Gelsenkirchen anschließen zur Umweltzone.

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