Zukunft der Neuen Philharmonie Westfalen ist in Gefahr

Die Zukunft der Neuen Philharmonie Westfalen steht auf wackligen Füßen.
Die Zukunft der Neuen Philharmonie Westfalen steht auf wackligen Füßen.
Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Sinfonieorchester ist auf Zuschüsse der beteiligten Städte angewiesen. Doch durch gestiegene Gehälter der Musiker ist ein Defizit entstanden.

Gelsenkirchen.. Die Lage bleibt brisant: Wenn die Neue Philharmonie Westfalen in absehbarer Zukunft keine höheren Zuschüsse erhält, dann ist das Orchester pleite.

Durch die Tarifanpassungen im letzten Jahr ist allein für den Zeitraum 2013/14 ein Defizit von 670.000 Euro aufgelaufen, und die Finanzierungslücke wird weiterhin größer. Denn der Lohnerhöhung folgte bislang keine Zuschusserhöhung.

Hat das Orchester noch Perspektive?

Neuer Vorsitzender des Trägervereins aus den Städten Gelsenkirchen, Recklinghausen und dem Kreis Unna ist seit Mitte letzten Jahres der Recklinghäuser Bürgermeister und ehemalige Kämmerer Christoph Tesche (CDU). Er bestätigt im Gespräch mit der WAZ: „Der Bestand des Orchesters ist akut gefährdet.“ Der Bürgermeister nennt die Neue Philharmonie Westfalen einen wichtigen Kulturfaktor der Region, aber: „Die Politik muss jetzt entscheiden, was uns das Orchester wert ist.“ In Recklinghausen allerdings sehe er quer durch alle Fraktionen wenig Bereitschaft, den Zuschuss ans Orchester zu erhöhen. Bliebe das so, dann würde Recklinghausen am 31. August den Fusionsvertrag aufkündigen.

Nein, das hätte er sich zu Beginn seiner Amtszeit auch nicht träumen lassen! Dass er mal um die Existenz eines Sinfonieorchesters ringen müsste! „Den Vorsitz des Trägervereins der Neuen Philharmonie Westfalen sucht man sich ja nicht aus, der fällt einem zu.“ Und jetzt muss sich Christoph Tesche (CDU), Bürgermeister der Stadt Recklinghausen, eine der Trägerstädte der Philharmonie, mit der Frage auseinandersetzen: Geht das Orchester pleite oder hat es eine Zukunftsperspektive?

Keine Prognose gewagt

Tesche zuckt im Gespräch mit der WAZ mit den Schultern: „Ich sage es ehrlich, ich wage da keine Prognose.“ Beides sei möglich. Den guten Willen, das Orchester erhalten zu wollen, attestiere er allen Beteiligten. Entstanden ist die Finanzierungslücke durch die Tarifsteigerung bei den Gehältern der Musiker im letzten Jahr. Wie zumindest für die nächsten fünf Jahre der finanzielle Mehrbedarf gedeckt werden soll, darum wird zurzeit intensiv gerungen.

Die Stadt Recklinghausen finanziert die Neue Philharmonie bislang mit jährlich rund 1,1 Millionen, Gelsenkirchen zahlt 3,9 Millionen und der Kreis Unna 540.000 Euro. Zweitstärkster Finanzier nach Gelsenkirchen ist das Land NRW mit 2,57 Millionen.

114 von 123 Stellen sind besetzt

Ob Recklinghausens Politiker bereit sind, in Zukunft den Zuschuss fürs Orchester deutlich zu erhöhen, das wird zurzeit in der Kulturszene erheblich bezweifelt.

Eine Chance gäbe es allerdings, meint Recklinghausens Bürgermeister, dann nämlich, wenn die Last auf viele Schultern verteilt werden würde: „Wenn auch die Musiker ein Zeichen setzen, wird es sicherlich erheblich einfacher, die Politik von der Notwendigkeit einer Erhöhung zu überzeugen.“

Die Runde machen Spekulationen darüber, dass die Musiker auf das 13. Monatsgehalt verzichten könnten oder dass Stellen gestrichen werden. Ohnehin sind aktuell von den ursprünglich 123 Stellen nur noch 114 besetzt.

Politische Diskussion bleibt abzuwarten

Trägervereinsvorsitzender Tesche arbeitet fieberhaft an Lösungen: „Ein externer Wirtschaftsberater prüft gerade die Zahlen, seine bisherigen Erkenntnisse decken sich mit unseren eigenen, seine Lösungsvorschläge ebenfalls.“ In der nächsten Woche führt Tesche ein weiteres Gespräch im Düsseldorfer NRW-Kulturministerium. Denn auch darin sind sich alle einig: Auch das Land (das hat bislang 40.000 Euro draufgelegt) und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (die Rede ist von 100.000 Euro mehr) müssen sich bewegen und ihre Zuschüsse erhöhen. Zudem heißt es: Klinkenputzen bei potenziellen Sponsoren.

Eine Prognose wagt übrigens auch der Landrat des Kreis Unna, Michael Makiolla (SPD), derzeit nicht. Auch wenn er alle Beteiligten inklusive Musiker und Gewerkschaft derzeit auf „einem ordentlichen Weg“ sieht. Unna übrigens hat bereits im Dezember (gegen die Stimmen von CDU und Grünen) im Haushalt den erhöhten Philharmonie-Zuschuss bewilligt. Auch Gelsenkirchen, so Sprecher Martin Schulmann, hat längst die erhöhten Zuschüsse im Haushalt bereitgestellt.

Bleibt die politische Diskussion in Recklinghausen abzuwarten.