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Zu zweit im Zoo der Zukunft

10.05.2008 | 00:05 Uhr

Der eine ist Bauingenieur und mag die Nashörner, der andere ist Kaufmann und mag die Giraffen.Und zusammen wollen sie mit der Zoom-Erlebniswelt in der Champions League der zoologischen Gärten spielen

DIE ZOOM-CHEFS JÖRG PLISCHKA & ARNO BILEKDer eine kategorisiert Tiere nach lecker und nicht lecker, der andere unterteilt sie in nicht gefährlich, gefährlich und sehr gefährlich. Der Kochtopffreund heißt Jörg Plischka; der, der nach dem Gefahrengrad seine Nähe zu den Tieren bemisst, heißt Arno Bilek. Und beide zusammen bilden die Chef-Doppelspitze der Zoom-Erlebniswelt.

Die rund 600 Tiere in Alaska und Afrika sind die eigentlichen Stars des Zoos, zusammen mit den wegweisenden Erlebniswelten. Plischka und Bilek agieren da eher im Hintergrund. Sie sind auch keine Grzimeks oder Sielmanns - keine Zoologen oder Zoodirektoren, die im Amazonas Toninas fangen. Bauingenieur und Projektmanager der eine, promovierter Kaufmann der andere. Zusammen wollen sie den Gelsenkirchener Zoo in die "Champions League" der zoologischen Gärten führen (wenn er dort nicht schon angekommen ist) - in einem Atemzug genannt mit Zürich, Köln, Hannover, Leipzig.

"So etwas macht man nur einmal im Leben", sagt der 48-jährige Jörg Plischka mit einer Mischung aus Stolz und Ehrfurcht. Als externe Berater und Projektsteuerer kam der damals Selbstständige aus Essen 1999 nach Gelsenkirchen, als beschlossen war, den Ruhrzoo zur Erlebniswelt zu machen. 2001 berief man ihn zum Geschäftsführer. Plischka: "Ich kannte den Zoo nicht. Als ich ihn das erste Mal sah, wusste ich auch, warum." Seitdem blieb im alten Bismarcker Ruhrzoo auf dem Weg zur Erlebniswelt praktisch kein Stein auf dem anderen: "Nirgendwo wurde ein Zoo jemals im laufenden Betrieb so umgestaltet." So selbstbewusst der 48-Jährige das sagt, so handfest packte er selbst mit an: An der Rüttelmaschine sah man ihn, als letzte Arbeiten am Vortag der Eröffnung Afrikas von Nöten waren.

Ein Millionen-Unternehmen ist der Zoo mittlerweile. Satte 91 Millionen für den Umbau stehen auf dem Investitionsplan. Auf zehn Millionen summiert sich nun allein der Jahresumsatz, nachdem die Millionengrenze der Besucherzahl erreicht wurde. Wen wundert's dass die städtische Eigentümerin, die GEW, da die Chefetage um einen ausgewiesenen Kaufmann aufstockte und über den Energiepartner ELE 2006 rasch fündig wurde: Arno Bilek. Auch Essener und langjähriger RWE- bzw. ELE-Mann, der dadurch die "Zoogeschichte von der ersten Stunde an kennt".

Weniger hemdsärmeliger, robuster als sein Chef-Partner wirkt der Kaufmann. Dabei nicht weniger begeistert und begeisternd: "Wir schaffen den Zoo der Zukunft, eine grüne Oase mitten im Ruhrgebiet, eine Erlebniswelt fremder Welten." Fraglos, der Zoom steht nunmehr in Konkurrenz zu anderen Zoos, aber auch zu Freizeitparks à la Phantasialand oder Movieworld. "Wir sind aber nicht nur für Bespaßung da. Wir sind aber immer noch auch eine zoologische Einrichtung, eingebunden etwa in europäische Zuchtprogramme und mit dem Anspruch artgerechter Haltung", betont Bilek.

Beide Geschäftsführer haben beim Rundgang durch "ihren" Zoo den gleichen Lieblingsplatz: Der Blick von der Afrika-Lodge auf den See und die Savanne, auf der Nashörner neben Gnus und Zebras in der Sonne stehen. "Wenn zwischen den Felsen die Sonne untergeht. . .", schwärmt Bilek. Pressetermine sind für die beiden mittlerweile Alltagsgeschäft. Professionell lassen sie sich von den Roten Varis beklettern und füttern die kleinen Affen. Und locker lassen sie sich von Paris, dem mächtigen Seelöwen-Boss küssen, nachdem sie der schwarz glänzenden Bande frischen Fisch zugeworfen haben. Ohnehin, das Medieninteresse ist gewaltig: Fensehsender drehen Dokus und Reportagen, die Pressemappe der Veröffentlichungen, die früher nicht über einen Zentimeter herauskam, erreicht nun Buchstärke.

Da ist auch das Marketing professionell. Im neuen Verwaltungstrakt (Bilek: "nicht nur die Tiere haben neue Gehege") steht ein großes Modell der Asienhalle. "Nein, bitte noch nicht fotografieren", wehrt Pressechefin Sabine Haas ab. Neuigkeiten sollen dosiert werden. Asien ist erst nächstes Jahr. Jetzt sollen Afrika und Alaska für News sorgen: Mit Baby-Giraffen etwa oder mit dem Kodiakbären-Paar Brenda und Buffy, das für Nachwuchs sorgen soll. Knutisierung? "Der Hype kommt doch durch die Handaufzucht", gibt Bilek bei dem Rummel um Eisbär Knut zu bedenken. Die reine Artenlehre ist das nicht, aber wer wollte sich gegen das Spektakel wirklich wehren?

Als Marke ist Zoom nunmehr bekannt. Gelsenkirchen ist nicht mehr nur blau-weiß, sondern auch orange, "wobei wir die Besucherzahlen von Schalke noch nicht erreicht haben", lacht Dauerkartenbesitzer Plischka. Mit dem - wohl überlegten - dritten Erlebniskontinent Asien im nächsten Jahr (Bilek: "der ist gerade wegen der wetterunabhängigen Indoor-Angebote wichtig") ist die Endausbaustufe erst mal abgeschlossen. Ab dann sollen auch schwarze Zahlen geschrieben werden.

"Eine Weltreise an einem Tag mitten im Ruhrgebiet", dieses Zoo-Profil sollte attraktiv und nachhaltig genug sein, um die Millionen Besucher (immer mehr auch von außerhalb des Ruhrgebiets) nach Gelsenkirchen zu holen. Und für spätere Zeiten haben Plischka und Bilek vorgesorgt. Hinter der Asienhalle ist noch Platz . . . Vielleicht für Elefanten, vielleicht für Tiger? Pinguine, auch immer ein Publikumsrenner gehen nicht, will der Zoo seinen Ansprüchen gerecht bleiben: Die Frack-Vögel watscheln nicht in Alaska, sondern dummerweise nur auf der anderen Seite der Erdkugel.

Von Oliver Schmeer

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