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Rockerbande

„Ziemlich böse Freunde“ – was die Bandidos-Bosse über den Rockerkrieg schreiben

10.05.2013 | 10:33 Uhr
Gucken nicht nur böse: Peter Maczollek (links) und Leslav Hause. Die Rocker aus Gelsenkirchener gründeten als Ghostrider 1999 den deutschen Ableger des Motorradclubs Bandidos.

Gelsenkirchen/Bochum.  Die Rocker Peter Maczollek und Leslav Hause sind für den Motorradclub Bandidos so wichtig wie Uli Hoeneß für den FC Bayern, hat der Spiegel mal geschrieben. Nun schreiben die Chefrocker in „Ziemlich böse Freunde“ zurück: zum Beispiel über ihre Jugend in Gelsenkirchen und Schalke, den ermordeten „Eschli“ und abtrünnige Bandidos aus Oberhausen. Und über verdammt viele Schlägereien.

Mit regelmäßigen Arbeitszeiten können viele Rocker der Hells Angels und Bandidos so viel anfangen wie mit Krawatten. Diese Abneigung schließt Geschäftssinn aber nicht aus. Als besonders tüchtig gilt das Gelsenkirchener Führungsduo der deutschen Bandidos: Peter Maczollek ist stellvertretender Europachef der Gang, der die Polizei immer wieder organisierte Kriminalität vorwirft. Sein Kumpel Leslav Hause gilt als zweitwichtigster deutscher Bandit. Als die Kripo 2008 ihr Bandidos-Heim abhörte, erfuhr sie laut Spiegel zum Beispiel, dass die beiden Kredite vergeben und Arbeiterkolonnen in Schlachthöfe kutschieren.

Seit dieser Woche sind die Geschäftsleute in Lederkutten auch als Geschichtenhändler aktiv: „Ziemlich böse Freunde“ heißt das Buch der Hobbyschriftsteller vom Bochumer Bandidos-Chapter. Darin geht’s über weite Strecken zu wie in einem Bud-Spencer-Film – nur weniger witzig und zuweilen tödlich. Zwischen Vorhersehbarem über Rockehre und Respekt können auch Schalke-Fans, Gelsenkirchener und Milieuforscher Interessantes erfahren. Einen Erklärungsversuch der Rockergewalt zum Beispiel. Eine Hauptrolle spielt der 2009 in Duisburg erschossene Bandido „Eschli“.

Sicher: Die Tantiemen mögen ein Anreiz für die autobiografische Trivialliteratur mit dem Untertitel „Wie wir die Bandidos in Deutschland gründeten“ gewesen sein. Mit ihrer akribisch in Straßensprache verfassten Anekdotensammlung verfolgen Maczollek und Hause aber, das wird schnell klar, so viele Ziele wie sie Aufnäher auf ihren Kutten tragen: Es ist eine verharmlosende Werbeschrift für das alte „Rockertum“, die Bandidos und für die beiden Berühmtberüchtigten selbst. Ihre Sicht ihrer Dinge eben.

Das veröffentlichte Selbstbild: Wir sind hart, aber ehrlich – und längst nicht so gefährlich, wie es euch „Bullen“ und Medien vorgaukeln. Toto & Harry für Rebellen quasi. So schreiben die beiden Männerfreunde zu ihrer Verteidigung und um abzurechnen: mit übertreibenden und pauschalisierenden Journalisten, arroganten „Anglern“ (Hells Angels, d. Red.), Intriganten und Verrätern aus den eigenen Reihen und – viel Feind, viel Ehr – mit Politikern und Führungskräften der Exekutive.

Razzien, Polizeispott und der Rockerfrieden von Hannover

Schließlich wollte etwa die Ermittlungskommission „Hombre“ Maczollek den Auftrag zur Ermordung des Hells Angels Robert K. in Ibbenbüren 2007 und Drogenhandel nachweisen. Und nach der Massenschlägerei zwischen Bandidos und Höllengeln in Mönchengladbach Anfang 2012 erhielten der Bandidos-Boss und seine rechte Hand Hause einen Strafbefehl wegen Anstiftung zur versuchten Tötung. Dass die Beamten das Clubheim in Bochum 2007/08 ein Jahr lang ohne Erfolg abhörten und dort bei der Razzia im April 2012 nur geringe Mengen Kokain fanden, ist für die Autoren freilich ein Elfmeter. Sie verhöhnen die Polizeichefs und deren amerikanisches Einsatzfahrzeug zum Sturm von Gebäuden: „Wenn – wie in deutschen Städten nun einmal üblich – Autos vor den Häusern stehen, kommt dieses Spezialfahrzeug nicht nah genug an die Fassade ran. Ein kleiner Schönheitsfehler, der den Behördenleitern bitter aufgestoßen sein muss, als man bei unserem Clubheim, wie in den Jahren zuvor auch, wieder die bewährte Baumarktleiter anstellen musste.“

Biografien
Wendler, „Miami Gianni“ und „Hüpper“ Wagner
Wendler, „Miami Gianni“ und „Hüpper“ Wagner

„Ziemlich böse Freunde“ (300 Seiten, 19,95 Euro) ist im Riva-Verlag erschienen. Dort veröffentlichten schon Bushido, Michael Wendler und Bettina Wulff ihre Sicht ihrer Dinge. Das Bandidos-Buch ist das zweite aus dem Rockermilieu binnen kurzer Zeit: Im März veröffentlichte der im Duisburger Satudarah-Chapter aktive Jan „Miami Gianni “ Sander bei Riva sein mit einem Bild-Reporter geschriebenes Buch „Rotlichtkrieg : Auf Leben und Tod gegen die Hells Angels“. Im Rowohlt-Verlag hatte vor zwei Jahren ein anderer Motorradveteran aus Gelsenkirchen seine Autobiografie geschrieben: Klaus „Hüpper“ Wagner (im Bild). Der gehörte Mitte der 70er zu den ersten Freeway Riders , Maczollek und Hause schlossen sich in der Stadt dem Ghostrider’s MC an. Wie sie mit diesem 1999 zum „Weltclub“ Bandidos wechselten, ist in „Ziemlich böse Freunde“ in vier Kapiteln beschrieben.

Im Mai 2010 hatte Peter Maczollek beim Handschlag mit Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth seinen wohl größten öffentlichen Auftritt. Im Buch liefert Les Hause seine Version zum „Friedengipfel von Hannover “. Nichts zu erfahren ist im Buch dagegen über die jüngsten Scharmützel gewaltbereiter Rocker an Rhein und Ruhr, die im Februar in 13 Schüssen auf einen Duisburger „81er“ gipfelten . Ein Mann aus dem Führungskreis des Kölner Chapters sitzt seither in Untersuchungshaft . Sicherheitshalber erklärt „Vice-Presidente Europe“ Maczollek, dass er bei 70 Chaptern mit 700 Mitgliedern nicht ständig über alles informiert sein könne. Da gehe es ihm angeblich trotz all der Hierarchien im Club wie jedem Firmenchef: „Auch der weiß nicht, wer gerade bei der Steuer trickst, wer gerade seine Spesenabrechnung frisiert oder welcher Außendienstler gerade auf einer Autobahn rechts überholt hat. Und weder Polizist noch Richter würden jemals auf die Idee kommen, für solche Vergehen den Firmenboss verantwortlich zu machen.“

Wie dem auch sei. Den Generationenkonflikt zwischen Altrockern und Migranten ohne Bikertradition , der auch viele Bandidos-Chapter beschäftigt, deuten deren Führungskräfte höchstens in ihren Früher-war-alles-besser-Abschnitten an. Ihr Lobgesang auf die gute alte Zeit hat viele Strophen und die Sprache einer älteren Generation. „Wenn einer was aufs Maul bekommen hat, blieb die Sache im Kreise der Vertrauten. Da ist keiner zur Polizei gerannt und hat Anzeige erstattet. Da gab es keine Handys und demzufolge auch keine Handyfotos. Links, rechts, bis einer lag; und wenn demjenigen diese Liegeposition nicht passte, kam er später eben mit ein paar Kumpels zurück und hat die Sache geradegerückt.“

Rockerkrieg in NRW – Chronik der Gewalt

Lustig war das Rockerleben. Über die Gewalttaten der „Brüder“ erfährt der Leser so ungleich mehr als über das Motorradfahren und das Vereinsleben eines Motorcycle Clubs. „Keilereien“, Messerstechereien, Kneipen-, Disco- und Massenschlägereien sind stilbildend; blutroter Farbtupfer der Gewaltverherrlichung sind die Prügel auf einem SPD-Fest Ende der 80er. Es „knallt“, „scheppert“ und „klingelt“ gewaltig. „Clowns“, Neonazis, Schutzgeldeintreiber und Gelsenkirchener Straßengrößen werden „weggepölt“, „umgeschwartet“, „geklatscht“, die Gegner bekommen altbacken „Maulschellen“, „die Fresse poliert“, die „Birnen eingeschlagen“ oder einen „Barhocker über die Fontanelle“ gezogen. „Hey, was glotzt du so blöde? Was? Klatsch!“ Fast vergisst man als Leser, dass diese prahlerisch vorgetragenen Exzesse nicht Komik sein sollen, sondern Erlebnisberichte.

Diese Brutalität erklärt Maczollek mit seiner Herkunft:

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Kommentare
13.05.2013
14:52
„Ziemlich böse Freunde“ – was die Bandidos-Bosse über den Rockerkrieg schreiben
von Kommentator101 | #26

Kronenschmeckt ist offenbar auch einer der zahlreichen Blinden, die in einer Scheinwelt leben. Diese Art von Menschen sind gefährlich, agressiv und...
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