Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 22°C
Gelsenkirchen

Zauberwelt ohne Jungs

31.03.2008 | 21:00 Uhr

Im Mädchengarten auf dem Gelände des ehemaligen Schalker Güterbahnhofs erfahren Mädchen Räume, um sich auszuprobieren. Um zu buddeln, zu sägen, Steine zu schleppen - trotz rosa Fingernägeln

Anna-Lena beklebt den Spiegel, Dorina schaut zu (oben). Am Feenbaum Georgia (l.) und Anne. Franziska (r.) mit Glitzerstein. Franziska (l.) und Johanna schaffen sich im Feengarten ein kleines Paradies. Dafür wird am Baum gemalt und gepinselt. Fotos: WAZ, Martin Möller

"Jeder Junge, der einen Schritt hier reinwagt, wird verzaubert." Mit ihrem glitzernden Feenstab in der Hand fühlt sich Franziska sicher, denn noch sind Jungs doof in ihrer Welt. Wie wunderschön ist es deshalb im Feenreich, dem 20 mal 30 Meter großen Mädchengarten auf dem Gelände des ehemaligen Schalker Güterbahnhofs an der Rheinischen Straße. Denn der ist fest in weiblicher Hand - nur hin und wieder mal verirrt sich ein neugieriger Schulkamerad an die Pforte.

"Den Mädchengarten gibt es hier seit Anfang letzten Jahres", denkt Renate Janßen von der Landesarbeitsgemeinschaft der Autonomen Mädchenhäuser zurück, "davon hatte ich schon lange geträumt". Als dann ein Garten in der 40 Jahre alten Anlage frei wurde, griff sie zu und baute mit Spenden, Fördermitteln und vielen ehrenamtlichen Händen ein kleines Paradies für Mädchen.

Ein Ort, an dem Glitzersteine das Ufer des Gartenteichs säumen, den die Mädels zuvor mit dem großen Spaten ausgebuddelt haben. Ein Ort, an dem Perlenketten und Schmetterlingsflügel um Baumkronen ranken und der Wind in den Klangspielen Melodien in den Himmel trägt. Aber auch ein Ort, um sich beweisen zu können. Zu buddeln, zu sägen, zu hämmern, Steine zu schleppen. "Die Mädchen sollen hier ganz ohne Scheu Fähigkeiten entwickeln, die sie sonst vielleicht nie entdeckt hätten."

"Das kann ich nicht" heiße es anfangs oft, doch dann gibt es einen Satz dicke Arbeitshandschuhe über die rosa Fingernägel - und los geht die wilde Graberei. Keine Angst sich zu blamieren, keine Angst vor doofen Sprüchen. Mädchen brauchen Räume, um sich ausprobieren zu können.

"Jungen haben die Angewohnheit, öffentliche Räume sehr für sich in Anspruch zu nehmen", weiß Janßen, "da stehen Mädchen oft am Rande." Hier jedoch, im internationalen Mädchengarten, stehen die kleinen Feen im Mittelpunkt. Jeden Montag, für ein paar Stunden. In den Ferien gibt es dazu gesonderte Programme, wie das Zauberreich für Feen in der letzten Woche. Zu anderen Zeiten verwandelte sich der Mädchengarten in eine historische Ausgrabungsstätte, einen Hexenwald oder eine Kosmetik- und Seifenfarbrik.

So lange mit der Nase an der frischen Luft, draußen in der Natur zu sein, das ist für viele der acht- bis 15-jährigen Mädchen eine ganz neue Erfahrung. "Hier gibt es kein fließend Wasser und keinen Strom", verrät Janßen, "wir benutzen Kerzen, wenn's dunkel wird und sammeln das Regenwasser." Da lernt man ganz automatisch sorgsam mit dem, was man hat, umzugehen. Und auch "Iiiihs" und "Bääähs" gibt's durch das Plumpsklo und die Regenwurmfarm im Mädchengarten schon lange nicht mehr.

Von Kathrin Hugenschütt



Kommentare
Aus dem Ressort
Betreuungsquote in Gelsenkirchen besser als im NRW-Schnitt
Kita
Beim Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder ist Gelsenkirchen trotz extrem knapper Kassen weiterhin vorbildlich. Bei 36,2 Prozent liegt die Quote von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren. Die Nachbarn stehen deutlich schlechter da.
Drogerie-Kette dm eröffnet siebte Filiale in Gelsenkirchen
Wirtschaft
Die Drogerie-Kette dm eröffnet ihre siebte Filiale in Gelsenkirchen - in Bulmke-Hüllen an der Wanner Straße. Eröffnung ist am Donnerstag, 7. August. 15 Stellen sind im neuen dm-Markt entstanden. Zum Team gehört auch ein Lehrling, der seine Ausbildung zum Drogisten absolviert.
Neugeborenes getötet - Bewährungsstrafe für 17-Jährige
Prozess
Vor dem Landgericht Essen endete der Prozess um eine 17-Jährige, die ihr Kind kurz nach der Geburt getötet hat. Die Gelsenkirchenerin muss nicht ins Gefängnis. Sie wurde von der III. Jugendstrafkammer wegen Totschlags zu einer Strafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.
Gelsenkirchener Testfamilie ist vier Wochen ohne Auto mobil
Bogestra
Einstimmig fiel das Votum einer Gelsenkirchener Familie, bei der Aktion der Bogestra „Family to go“ mitzumachen aus. Ab Freitag verzichten alle vier Wochen lang auf das Auto und werden sich mit den Nahverkehrsangeboten der Bogestra in Gelsenkirchen auf den Weg machen.
Kita-Kinder tanzen in Gelsenkirchen mit erkrankten Senioren
Demenz
Zehn Jungen und Mädchen aus der Einrichtung an der Niefeldstraße in Buer besuchten monatlich das Nachbarschaftszentrum Löchterheide. Jedes Kind hat bei dem Projekt einen Senioren-Partner und kann hin und wieder in die Rolle des Erwachsenen schlüpfen. Aber auch die Demenzkranken profitieren.
Umfrage

"1000 Freunde, unzählige Kumpel" - Schalke 04 startet eine neue Kommunikationskampagne für die Saison 2014/2015. Dafür sind die Knappen mit einigen Profis in Bottrop eingefahren, um sie unter Tage zu fotografieren. Ist das noch zeitgemäß?

 
Fotos und Videos
Leser füttern Seelöwen
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Military Tattoo 2014
Bildgalerie
Militärmusik
Holi-Farbrausch am Kanal
Bildgalerie
Amphitheater
Wakeboard-Spaß
Bildgalerie
Ferienprogramm