Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 11°C
So wohnen Studenten

Wodanien - Studentenwohnheim abseits der FH Gelsenkirchen

03.01.2012 | 18:28 Uhr
Wodanien - Studentenwohnheim abseits der FH Gelsenkirchen
Blick ins Barockzimmer von Wodanien. Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen.  Meist befinden sich Studentenwohnheime in der unmittelbaren Nähe zu einer Universität oder Fachhochschule. "Wodanien" ist anders, fünf Kilometer sind es bis zur FH Gelsenkirchen . Trotzdem ist die Wohngemeinschaft komplett belegt.

Studentenwohnheime liegen meistens in unmittelbarer Nähe zu einer Universität oder Fachhochschule . Nicht so „Wodanien“. Vom Wohnheim an der Wodanstraße in Erle sind es immerhin etwa fünf Kilometer bis zur FH an der Neidenburger Straße in Buer.

Dennoch: Die 154 Wohnplätze in den drei Häusern sind komplett belegt. Die Studierenden leben zumeist zu drei Personen in Wohngemeinschaften. Es gibt auch WG-Varianten mit zwei und vier Personen und Einzelappartements.

Wirklich schmuck ist Wodanien rein äußerlich nicht. Die Schallschutzwand auf der gegenüberliegenden Straßenseite verströmt Tristesse. Und das Rauschen von der nur wenige Meter entfernten A2 ist allgegenwärtig. Für angenehme Linderung sorgen allerdings Fenster der höchsten Schallschutzstufe, die in Wodanien verbaut worden sind.

Der Betreuer für die Neuen

Die Studenten Tim Liese (29) und Sebastian Gasor (32) gehören an der Wodanstraße nicht nur zu den „alten Hasen“, sie bilden auch den Vorsitz des Wohnheimrats. Tim Liese wohnt in einer Dreier-WG, kommt aus Rotthausen und studiert Medizintechnik im 12. Semester: „Die Regelstudienzeit beträgt nur sechs Semester. Aber wenn man nebenher arbeitet, bleibt so eine ,Überziehung’ nicht aus.“ Seit fünfeinhalb Jahren ist er Tutor in Wodanien, kümmert sich um Leute, die dort neu einziehen.

Info
Erstbezug und Ausstattung

Die Wohnungen haben als Grundausstattung Vorhänge, Fußboden, Lampe und Küche. Wohnt ein Student länger als vier Jahre in Wodanien, entfällt die Pflicht, frisch zu streichen. Das Wohnheim in Erle wurde zum Herbst 1995 bezogen. In jedem Wintersemester ziehen mindestens 30 neue Bewohner ein (im Sommer 10 bis 12), 2011 waren es sogar 50.

Ähnliches gilt für Sebastian Gasor, der 2006 aus Essen nach Erle zog. Er studiert Informatik – „in einem fortgeschrittenen Semester“. Die maximale Wohnzeit in Wodanien beträgt fünf Jahre, kann in Ausnahmefällen aber um ein oder zwei Jahre verlängert werden. Auch Sebastian Gasor ist Ansprechpartner für die Wodanier: „Wenn zum Beispiel die Waschmaschine nicht funktioniert, kommen die Leute zu uns. Außerdem stehen wir mit dem Akafö in regelmäßigem Kontakt.“ Das Akademische Förderungswerk in Bochum ist Wohnheim-Träger.

Mehr als 100 Gesellschaftsspiele

Jedes der Häuser hat zwei Eingänge. Zusätzlich wurden in einem ehemaligen Pfarrhaus an der Düppelstraße – die nur wenige hundert Meter von der FH entfernt ist - acht Wohnungen für Erasmus-Studierende eingerichtet. In der Wodanstraße gibt drei Einzel-Appartements, elf Zweier- und neun Vierer-WG.

Die restlichen knapp 100 Wohnplätze befinden sich in Dreier-WG. Auch Tim Liese teilt sich seine Wohnung mit zwei Studenten. In seinem Zimmer stapeln sich mehr als 100 Gesellschaftsspiele – zumeist mit Fantasy-Charakter – und entsprechende Literatur.

Warum er sich für das Wohnen zu dritt entschieden hat? „Ich koche gerne und hier gibt es eine große Küche. Da kann man sich austoben“, sagt der 29-Jährige. Die Einzelappartements verfügen lediglich über eine kleine Pantry-Küche.

Party einmal pro Monat

Partys werden in Wodanien natürlich auch gefeiert. Im spartanisch eingerichteten Haus Priebe befinden sich neben einem Barbereich auch einige Sitzgelegenheiten. Etwa ein Mal pro Monat wird das Party-Haus in Anspruch genommen. Auswärtige Übernachtungsgäste können für 10 Euro im Barockzimmer im Schlaf das fürs Ruhrgebiet typische Wohnflair der 50er-Jahre inhalieren. Es diente einst als Film-Kulisse für „Der Prinz aus Wanne-Eickel“.

Die Preise für ein WG-Zimmer sind abhängig von der Quadratmeterzahl. Sie liegen zwischen 180 und 238 Euro. Gasior: „Ein Vorteil ist, dass man keinen Nachmieter suchen muss, wenn man auszieht.“ Dagegen können Wodanier nicht mitbestimmen, wer einzieht: „Aber wir haben sehr angenehme Leute hier. Es gab maximal drei ernsthafte Streitigkeiten in fünf Jahren.“

Tobias Mühlenschulte



Kommentare
Aus dem Ressort
Aktuelle Krisenherde bestimmen die Kundgebung in Gelsenkirchen
Antikriegstag
Der DGB hatte am Montagabend zur Kundgebung auf den Platz an der Alten Synagoge eingeladen. Der Ort war bewusst gewählt. Nach antisemitischen Parolen bei einer Demo gegen den Krieg im Gaza-Streifen und nach einer Attacke gegen die Synagoge dokumentierten die Teilnahmer ihre Solidarität mit der...
Rosing übernahm direkt von der jüdischen Familie Block
Vortrag
Bis zur Mitte der 1930er Jahre gab es in Gelsenkirchen wie überall im Land zahlreiche erfolgreiche Unternehmen, die von jüdischen Familien geführt wurden. So auch das Möbelhaus Siegfried Block. Ein Vortrag und eine Abhandlung des „Gelsenzentrum“ befassen sich mit dem Schicksal jüdischer...
Entgleiste Straßenbahn in Gelsenkirchen wirft Fragen auf
Unfall
Ein gebrochenes Einzelradfahrwerk brachte die Straßenbahn 302 am Freitag zum entgleisen. Warum dies passierte, ob durch einen Gegenstand auf dem Gleis oder wegen Materialversagens, ist unklar. Eine Unfallbeteiligte widerspricht dem Verkehrsunternehmen hinsichtlich Passagierzahl und zum Ausmaß.
Das Augustinusfest litt unter dem wechselhaften Wetter
Gemeinde
Das Wetter an diesem Sonntag macht es den Organisatoren des Augustinusfestes an der Ahstraße nicht leicht. Während einige Helfer zu Beginn bei bewölktem, aber trockenem Wetter versuchen, die Hüpfburg aufzustellen, belehrt sie nur wenig später ein prasselnder Regenschauer eines besseren.
Grüne in Gelsenkirchen stellen Fragen zum Orchester-Betrieb
Politik
Zur Sitzung des Gelsenkirchener Hauptausschusses gibt es einen Bericht zum Haushalt zum Stichtag 30. Juni vor, in dem 500 000 Euro Mehrausgaben im Zusammenhang mit den Tarifverhandlungen mit der Neuen Philharmonie Westfalen dargestellt werden. Das wirft bei den Grünen im Rat der Stadt Fragen auf.
Umfrage

Im Essener Folkwang-Museum denkt man derzeit über freien Eintritt für die Besucher nach - zumindest samstags. Im Gelsenkirchener Kunstmuseum gilt schon längst an allen Tagen: Eintritt frei. Auch ins Horster Schloss kommt man für wenige Euro in die sehenswerte historische Schau. Was meinen Sie, sollte der Eintritt zu Museen generell frei sein?

 
Fotos und Videos
Startschuss auf Consol
Bildgalerie
Stadtradeln
Volles Haus beim Fest
Bildgalerie
Musiktheater im Revier
Tag der offenen Tür
Bildgalerie
Schleuse