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Selbsthilfe

„Wir wollen die Menschen stärken“

20.01.2015 | 17:23 Uhr
„Wir wollen die Menschen stärken“
Serpil-Sehray Kilic arbeitet im Demenz-Servicezentrum NRW des Awo Unterbezirks Gelsenkirchen/Bottrop.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  Erste NRW-weite Selbsthilfegruppe für Angehörige von demenziell erkrankten Menschen mit türkischem Migrationshintergrund startet in Gelsenkirchen.

Demenz wird in vielen türkischen Familien noch nicht als Krankheit anerkannt. Da gibt es noch viel Aufklärungsarbeit“, weiß Serpil-Sehray Kilic, Mitarbeiterin des Demenz-Servicezentrums für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. „Die Betreuung von Demenzkranken ist keine leichte Aufgabe und ohne professionelle Hilfestellung nur schwer zu erfüllen. Doch in türkischen Kreisen kümmern sich die Jüngeren traditionell um die älteren Generationen“, erklärt Kilic.

Doch auch, wenn sich ein langsamer Kulturwandel in den Migrantenkreisen durchsetze, gibt es ein weiteres Problem: Den Mangel an interkulturellen Pflegeangeboten. „Einige mobile Pflegedienste haben ihre Mitarbeiter geschult, das Tagespflege-Angebot ist noch rar, aber vorhanden; in den Heimen sind interkulturelle Dienstleistungen noch eine Seltenheit“, berichtet die Mitarbeiterin des Demenz-Servicezentrums.

Interkulturelle Pflege

Die interkulturelle Pflege ist in der Demenz ein sehr wichtiger Baustein, denn die Erkrankten vergessen nach und nach alles Erlernte. „Am Ende bleibt nur die Muttersprache. Deshalb ist die Diagnose von Menschen mit Migrationshintergrund auch schwer, oft wird Demenz erst erkannt, wenn sie bereits auf Stufe drei fortgeschritten ist“, betont Kilic.

Umso wichtiger sei es, ein unterstützendes Angebot für die Angehörigen zu schaffen. Dies soll eine Selbsthilfegruppe leisten. „Jeder glaubt, er sei alleine mit seinen Sorgen. Besonders auf das Schamgefühl bei der Frage nach professioneller Hilfe muss kulturell sensibel eingegangen werden“, ist sie überzeugt.

Gruppenleiter mit eigener Pflegegeschichte

Geleitet wird die Selbsthilfegruppe von Arzum Kaan und Alev Ögreten. Beide haben persönliche Erfahrungen mit dem Pflegen von dementiell erkrankten Angehörigen. Es ist geplant, bei jedem Treffen auch einen informativen Teil zu gestalten, in dem das Krankheitsbild erklärt wird, die möglichen Hilfen im deutschen Gesundheitssystem erörtert werden und Pflegetipps gegeben werden. Abschließend betont Kilic: „Wir wollen die Menschen stärken und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind.“

Das erste Treffen findet am Donnerstag, 22. Januar, 19 bis 22 Uhr, in der Tagesstätte Nienhof, Wilhelminenstraße 77, statt. Weitere Infos und Anmeldungen bei Serpil-Sehray Kilic unter 0209 6048329 oder direkt in der Selbsthilfe-Kontaktstelle unter 0209 9132810.

Deborrah Triantafyllidis

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2015-01-20 17:23
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