Wilde Sechziger heizen ihren reifen Fans ordentlich ein

Die reifen Rocker von „The Divers“ heizten dem Publikum im Hans-Sachs-Haus beim Beatrevival „Die Wilden Sechziger“ ordentlich ein.
Die reifen Rocker von „The Divers“ heizten dem Publikum im Hans-Sachs-Haus beim Beatrevival „Die Wilden Sechziger“ ordentlich ein.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Die Rocker im Silberhaar wissen, wie man feiert. Das war bei der „Wilde Sechziger“-Party im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus am Samstag unübersehbar.

Gelsenkirchen.. Der Begriff „Kult“ ist viel strapaziert. Bei der zweiten Auflage des Festivals „Die Wilden Sechziger“ am Samstag im Hans-Sachs-Haus zeigte sich, dass er hier durchaus seine Berechtigung hat. Nur wenige Restkarten blieben übrig, der Saal brummte. „Rund 1000 Leute sind hier“, schätzte der Mann an der Kasse. Also proppenvoll ohne zu nerven, könnte man sagen. Den Anfang machten The Servants, und sie machten ihre Sache gut: Mit „I’m A Believer“ von den Monkees brachte die Band das Publikum von Null auf 100 zum Mitklatschen.

Überhaupt, die unsterblichen Songs von Creedence Clearwater Revial, The Who, Beatles und anderen Rock-Heroen wussten auch die nachfolgenden fünf Bands so souverän zu interpretieren, dass keine den Vergleich mit berühmten Profis zu scheuen brauchte.

So gingen nicht nur die gleichaltrigen Zuschauer im Publikum – darunter Damen mit Glitzerpullis neben Recken im Rentenalter mit Lederfransen-Jacken, attraktive Minirock-Trägerinnen mit grauer Mähne und Herren in Jeans und mit Pullunder über dem Hemd – ab wie Schmitz Katze. Alexa (25) aus Bochum und Carla mit ihren 26 Lenzen senkten den Altersdurchschnitt brutal. Alexa: „Wir sind praktisch zufällig hier reingeraten, wegen meiner Mutter. Ist aber richtig nett.“ Carla freute sich: „Wir können sogar viele Lieder mitsingen, wie gerade ,Pretty Woman’.“

Fans wünschen sich die Fortsetzung der Kult-Veranstaltung

Für die Gäste war bis zum Schluss ein spannendes Geheimnis, wer alles auftreten würde. Doch Facebook ist fest in Hand der Ü40 und älteren Generation, die sich immer besser vernetzt. Bestes Beispiel: Manuela Toth aus Menden. „Ich habe über Facebook erfahren, dass heute The Divers hier auftreten, also bin ich mit meinem Mann nach Gelsenkirchen gefahren. Edgar, der Schlagzeuger von The Divers, war meine Jugendliebe.“ Die 64-Jährige lacht. Trotz widrigen, stürmischen Wetters machte sie sich mit ihrem Mann („Wer eifersüchtig ist, hat kein Vertrauen“) aus dem Sauerland auf, die alte Heimat zu besuchen.

Perfekte Atmosphäre zum Feiern, Schwofen und Plaudern

„Ich höre die alten Songs und bin mit einem Schlag wieder 18, jedenfalls fühle ich mich so.“ Beim Rauchstopp draußen wurden erst recht die alten Erinnerungen wach.

Geburtsstunde einer neuen Musikära Manuela Toth: „Da hinten war der ,Tiergarten’ an der Von-Oven-Straße. Wir standen vorher Schlange, nur um sofort um 17 Uhr eingelassen zu werden. Dabei machte der Tiergarten schon um 22 Uhr wieder zu. Wir gingen dann ganz brav nach Hause.“

Perfekter Sound mit leichtem Hall, der an „früher“ erinnerte, die angenehme Lichtshow ohne Firlefanz, dazu eingeblendete Bilder der Bands, genug Platz zum Tanzen und gleichzeitig gemütliche Nähe, um sich zu unterhalten: Das HSH bot den Rock-Fans ein gutes Forum. Und den Bands eine Auftrittsmöglichkeit, die wohl keine Wünsche offen ließ. Mit „Heinz“, „The Revels“, „The Servants“, „Take Off“, „The Divers“ und „Lucky and The Giants“ waren die Wilden Sechziger bestens vertreten. Fortsetzung, bitte! Das „Ruhrgebeat“ hat’s verdient.