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Wie „Darmlifting“ das Leben erleichtert

23.01.2014 | 18:17 Uhr
Wie „Darmlifting“ das Leben erleichtert
Dr. Ulf Laufer, Chefarzt der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie informierte über die verschiedenen Möglichkeiten der Diagnostik bei Darmerkrankungen mit bildgebenden Verfahren.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   Eigentlich spricht „man“ ungern über Darmerkrankungen. Das WAZ-Medizinforum zum Thema „Signale des Darms“ in den Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen zog jedoch soviele Interessierte an, dass der Seminarraum zum Bersten gefüllt war. Sie erfuhren unter anderem, was mit Darmlifting gemeint ist.

Über Darmprobleme wird in der Gesellschaft wenig gesprochen. Gelitten wird im Stillen. Dass dennoch ein großer Informationsbedarf besteht, zeigte sich beim WAZ-Medizinforum „Signale des Darms“ am Mittwochabend. Der Seminarraum der Evangelischen Kliniken (EVK) stieß an seine Kapazitätsgrenze, weil so Viele sich von Experten des Hauses über Ursachen, Diagnostik und Therapien aufklären lassen wollten.

Den Anfang machte Prof. Dr. Claus Doberauer. Der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin berichtete über die vier häufigsten Symptome Verstopfungen, Blähungen, Durchfall und Blutungen, deren Varianten und vor allem Ursachen. Die wichtigste Frage vor einer Behandlung sei stets die nach dem „Warum?“. Infrage kämen hormonelle oder neurologische Störungen, ebenso könnten strukturelle Veränderungen im Darm oder der Einfluss von Medikamenten eine Ursache sein. So könnten Blähungen ein Zeichen für „bakterielle Fehlbesiedlung im Dünndarm“ oder für einen auffälligen Gasgehalt im Magen-Darm-Trakt sein.

„Dynamische Defäkografie“ ist eine aussagekräftige Untersuchung

Als „absolutes Warnsignal“ bezeichnete der Chefarzt Blut im Stuhl. „Blutungen sind nicht normal und alarmierend“, sagte er. Die Ursachen wie Polypen, Tumore, Divertikel, Entzündungen oder Gefäßmissbildungen hierfür lägen zu 80 Prozent im Magen-Darm-Trakt, zu fünf Prozent im Bereich des Dünn- und zu 15 Prozent im Bereich des Dickdarms. Häufig sei ein operativer Eingriff notwendig.

Dr. Ulf Laufer, Chefarzt der diagnostischen und interventionellen Radiologie, informierte über bildgebende Diagnoseverfahren. Vom klassischen Röntgen mit Kontrastmitteln, die Verengungen, Perforationen (Durchlöcherungen) und Entzündungen zeigen können, bis hin zu Computertomografie und Kernspintomografie. Eine „nicht so angenehme, aber äußerst aussagekräftige“ Untersuchung sei die „Dynamische Defäkografie“. Dabei werde während der Darmentleerung geröntgt, um etwa die Bewegung des Beckenbodens oder die Achsendrehung der Organe zu beobachten. Dank vielen Bildern wurde dies sehr anschaulich.

Teilnehmer fragen nach vorbeugendem Beckenbodentraining

Über Operationsmethoden informierte anschließend Dr. Hubertus Nottberg, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Er hob noch einmal die Komplexität des Darms, speziell des Mastdarms als „kleines Organ mit großer Auswirkung auf die Lebensqualität“ hervor. „Stuhlinkontinenz tötet nicht, aber sie nimmt den Menschen das Leben“. Ältere Menschen seien besonders oft betroffen, da Muskeln und Darmwände mit den Jahren ähnlich erschlaffen wie die Haut. Er stellte OP-Methoden vor wie „Darmlifting“ (eine Straffung, damit Verdauung wieder funktionieren kann), Darmverkürzungen und den künstlichen Darmausgang. Operationen, die auch betagte Menschen gut vertragen, versicherte der Chirurg. Und die nicht Leben, aber Lebensqualität retten.

Dr. Hubertus Stephanus Nottberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, informierte über verschiedene Operationsmethoden: Unter anderem das „Darmlifting“.

Bei der Diskussionsrunde ging es um verschiedene Themen. So fragte ein Teilnehmer nach der richtigen Behandlung von Darmlähmung nach einem Schlaganfall. Prof. Claus Doberauer riet zu einem gut verträglichen Kunstzucker, der durch das Auslösen von lokalen Reflexen die Darmtätigkeit steigere.

Richtige Ernährung äußerst wichtig

Andere Teilnehmer diskutierten mit den Experten die Vorteile eines vorbeugenden Beckenbodentrainings. „Es ist der richtige Weg, allerdings wird es als Präventionsmaßnahme nicht von den Krankenkassen gefördert“, sagte Dr. Hubertus Nottberg. Man müsse daher privat in eine Behandlung durch einen Physiotherapeuten investieren.

Zur Sprache kam auch die richtige Ernährung, vor allem bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Eine Besucherin litt gar unter Laktose-, Fructose- und Weizen-Eiweiß-Unverträglichkeit. Doberauer: „Generell ist hier eine Diät wichtig, da sonst ein erhöhtes Risiko für Dünndarm-Tumore entsteht.“ Auf die Nachfrage eines weiteren Teilnehmers riet Prof. Doberauer zum Wiederaufbau der Darmflora nach der Einnahme von Antibiotika zu probiotischen Mitteln wie „Mutaflor“, die tatsächlich wirksam seien.

Melanie Meyer

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2014-01-23 18:17
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