Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 2°C
Gelsenkirchener Kliniken

Wenn die richtigen Worte fehlen

18.01.2013 | 06:00 Uhr
Wenn die richtigen Worte fehlen
Jens Borchwald (31, l.) aus Bochum ist Sprachlehrer und Projektkoordinator für Sprachkurse an Krankenhäusern für ausländische Ärzte.Foto: Thomas Nitsch

Gelsenkirchen.   In den Gelsenkirchener Krankenhäusern sind viele Ärzte ausländischer Herkunft vertreten. Sprachprobleme gäbe es bei ihnen aber kaum.

Wenn ein Patient im Krankenhaus behandelt wird, ist er auf die Diagnose des Arztes angewiesen. Doch wenn dieser kaum oder schwer verständlich Deutsch spricht, ist die richtige Behandlung keine einfache Sache mehr. Vor allem junge Ärzte kommen aus dem Ausland, um in Deutschland Karriere zu machen.

In den Gelsenkirchener Krankenhäusern des Marienhospitals und des St. Marien-Hospital Buer (gemeinsam in der St. Augustinus GmbH) arbeiten vor allem Rumänen. Um der Verständigung mit Patienten, Angehörigen und Kollegen gerecht zu werden, reichen die gesetzlichen Vorgaben nicht aus, wie Johannes Norpoth, Leiter der Personalentwicklung der St. Augustinus GmbH, meint: „Laut Gesetz muss vor Arbeitserlaubnis in Deutschland neben der fachlichen Qualifikation das Sprachniveau „B2“ vorhanden sein. Wir stellen einen höheren Qualitätsanspruch“. Die angeforderten Ärzte müssen dafür nach einem halben Jahr auf dem Niveau „C2“ liegen. „C2“ ist das zweithöchste Niveau das erreicht werden kann. Dafür bietet die St. Augustinus GmbH einen Deutschkurs an. „Um die Qualifizierung kann sich bei uns niemand drücken“, so Norpoth.

Regelmäßige Prüfung fachlicher und sprachlicher Kompetenz

In den Evangelischen Kliniken sieht es ein wenig anders aus. Hier haben 18 von 100 Ärzten keinen deutschen Pass. „Probleme könnte es geben, wenn ein Arzt die Diagnose nicht vermitteln könnte“, sagt Sprecherin Corinna Lee. Allerdings seien die Evangelischen Kliniken in der glücklichen Lage im Moment keinen Personalmangel zu haben. Somit seien sie nicht auf Ärzte aus dem Ausland angewiesen. „Sollte ein ausländischer Arzt mit seinen Qualifikationen bei uns arbeiten wollen, muss er eine längere Hospitation absolvieren“, so Lee. Das sei zum einen ein Vorteil für den Arzt, der dann merke, ob die Arbeit im Ausland wirklich etwas für ihn wäre. Zum anderen sei es auch ein Vorteil für den Patienten. Der ein oder andere von ihnen spreche schlecht oder gar nicht Deutsch und da sei es gut, ausländische Kräfte zu haben.

Im Bergmannsheil Buer sind die ausländischen Ärzte (zwölf Prozent) ohne deutschen Pass in der Regel lernfähig. „Bei zehn Prozent von ihnen sieht man schnell eine Verbesserung der Sprachkenntnis“, berichtet Geschäftsführer Werner Neugebauer. Die Klinik bietet verschiedene Sprachkurse, individuell abgestimmt, an und finanziert diese, genauso wie die St. Augustinus GmbH, aus eigener Tasche. Die Ärzte bleiben meist mittel- bis langfristig in den Betrieben. „In allen Bereichen, ob Operateur oder behandelnder Arzt: Wer sich weiterbilden möchte, ist auf die Sprache angewiesen“, so Neugebauer. Die Ärzte im Bergmannsheil werden regelmäßig über ihren Wissenstand, fachlich und sprachlich, überprüft. Bei befristeten Einstelllungen werden in Gesprächen diese Wissensstände angesprochen. Ist ein Arzt nicht in der Lage, die deutsche Sprache zu verbessern, kann es im schlimmsten Fall zur Nicht-Verlängerung des Arbeitsvertrages kommen.

Ärzte versprechen sich bessere Chancen in Deutschland

Alle Kliniken sind sich einig, dass das Niveau „B2“ nicht gänzlich ausreicht. In verschiedenen Ländern werde das Zertifikat unterschiedlich bewertet, so dass ein Inder nicht auf dem Stand eines Griechen sein muss. Dies muss sich, für ein optimales Behandlungsergebnis, in Zukunft ändern.

In den Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen haben 18 von 100 Ärzten keinen deutschen Pass., beim Bergmannsheil Buer sind es zwölf Prozent der behandelnden Ärzte. Lernfaulheit ist nirgends bekannt. „Ohne weiterführende Sprachkenntnis als dem Niveau „B2“ kann sich kein Arzt fortbilden. Dazu ist die Sprache viel zu wichtig“, sagt Bergmannsheil-Geschäftsführer Werner Neugebauer. Viele Ärzte blieben langfristig in Deutschland und haben das Ziel, hier Chancen zu ergreifen, die sie in ihrer Heimat nicht hätten.

„Bei uns ist die Nationalität völlig egal“

Im Gegensatz zu den anderen Gelsenkirchener Kliniken ist die St. Augustinus GmbH aktiv auf dem internationalen Arbeitsmarkt vertreten. Aktuell gäbe es genug Personal, doch für die Zukunft sei ein deutscher Fachkräftemangel zu befürchten. Konkrete Zahlen, wie viele Ärzte ohne deutschen Pass im Marienhospital und St. Marien-Hospital Buer arbeiten gibt es nicht. „Bei uns ist die Nationalität völlig egal. Die fachliche Kompetenz steht im Mittelpunkt“, sagt der Leiter der Personalentwicklung, Johannes Norpoth.

Was haben Sie mit ausländischen Ärzten erlebt? Konnte Ihnen die Diagnose nicht mitgeteilt werden oder wurden Sie falsch verstanden? Vielleicht haben Sie auch gute Erfahrungen gemacht. Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit. Schreiben Sie uns an: redaktion.gelsenkirchen@waz.de oder rufen Sie an Tel. 170 94 30.

Von Franziska Gerk

Kommentare
18.01.2013
08:48
Wenn die richtigen Worte fehlen
von roterosa | #1

Sprachprobleme bei Ärzten sind leider nicht vom Pass abhängig, denn auch die "deutschen" Ärzte versteht man als Patient meistens nicht. Die "Halbgötter in weiß" verstecken sich gerne hinter ihrer Fachsprache= lateinische Begriffe, anscheinend um professionelle Distanz zu wahren und -gerne auch bei Chefärzten - Kompetenz zu zeigen, gerne bei der Visite zu beobachten. Dass Sprache dem Beziehungsaufbau dient und somit auch zur Therapie und Gesundung stark beiträgt, insbesondere wenn sie den Patienten motiviert, ist wohl im Medizinstudium noch nicht angekommen. Als Patient hat man eh den Eindruck, dass die meisten Ärzte nur noch ihre "Apparate" interessieren und man nur noch als Objekt dient. In der chinesischen Heilkunde wird erst "nur" eine halbe Stunde gesprochen und der Puls "gefühlt" , also Kontaktaufbau auf mehreren Ebenen. Häufig geht es dem meistens Patienten danach schon viel besser, weil man sich angenommen und erst genommen "fühlt". Für europäische Ärzte unvorstellbar!

Funktionen
Aus dem Ressort
Tiemeyer schreibt auch in Gelsenkirchen gute Zahlen
Wirtschaft
Automobilhandelsgruppe verzeichnet eine Umsatzsteigerung von rund 18 Prozent. Unternehmen verkaufte mehr als 18 000 Fahrzeuge.
„Konfetti im Kopf“ wird in Gelsenkirchen sichtbar
Fotografie
Seit zehn Jahren begleitet der Hamburger Fotograf Michael Hagedorn Menschen mit Demenz. „Bildsprachen“ zeigt seine Porträts
Schulstandort Bochumer Straße wird ausgebaut
Schulpolitik
Weiterbildungskolleg und Abendrealschule sollen zum 1. August 2016 komplett an die Gesamtschule Ückendorf wechseln.
Ein Gelsenkirchener Berufskolleg macht dicht
Bildung
Immer weniger Schüler besuchen die Gelsenkirchener Berufsschulen. Jetzt wird zusammengelegt. Augusta- und Grimmstraße müssen dran glauben.
Stadt Gelsenkirchen schließt Problemhaus in Rotthausen
Schrottimmobilien
Die Stadt Gelsenkirchen bleibt ihrer Linie treu und schließt heruntergekommene Wohnhäuser kompromisslos. Am Mittwoch traf es das Gebäude Wembkenstraße...
Fotos und Videos
Circus-Ehe ist perfekt
Bildgalerie
Hochzeit
Schalke geht beim BVB unter
Bildgalerie
Revierderby
Schalke verspielt Führung
Bildgalerie
S04
Gelsenkirchen-Buer von oben
Bildgalerie
Aus der Luft
article
7492247
Wenn die richtigen Worte fehlen
Wenn die richtigen Worte fehlen
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/wenn-die-richtigen-worte-fehlen-id7492247.html
2013-01-18 06:00
Gelsenkirchen,Ärzte,Krankenhaus,Sprachkompetenz,Hospitation
Gelsenkirchen