Wegweiser und andere Idealisten

Seit 2008 wirkt der Halterner Feuerwehrmann Georg Bäther (50, re.) als Volunteer bei Veranstaltungen in der Veltins Arena Gelsenkirchen.
Seit 2008 wirkt der Halterner Feuerwehrmann Georg Bäther (50, re.) als Volunteer bei Veranstaltungen in der Veltins Arena Gelsenkirchen.
Foto: WAZ
Am frühen Samstagmorgen, als die Arena noch menschenleer ist und die Parkplätze noch autofrei sind, haben sie bereits ihre Einsatzorte und -zeiten bekommen: die 54 Volunteers (der Mann am Info-Point nennt sie „Volontöre“).

Gelsenkirchen.. Am frühen Samstagmorgen, als die Arena noch menschenleer ist und die Parkplätze noch autofrei sind, haben sie bereits ihre Einsatzorte und -zeiten bekommen: die 54 Volunteers (der Mann am Info-Point nennt sie „Volontöre“).

So nennen sich die Freiwilligen, die während der Biathlon-Veranstaltung im Einsatz sind. Im Stan Libuda-Salon gab es Frühstück und das erste Briefing.

„Der Info-Stand ist wenigstens überdacht“, freut sich Georg Bäther (50) bei dem plötzlich einsetzenden Winterwetter über seinen Einsatzort. Der Familienvater („ich bin glücklich verheiratet“) aus Haltern ist seit 2008 Volunteer auf Schalke. Bis 17.30 Uhr wird er heute am Eingang des Winterdorfs für Auskünfte bereit stehen. Wo sind die Toiletten? Kann ich mit Knappenkarte bezahlen? Wer sind die beiden Sportler auf dem offiziellen Veranstaltungsplakat? Die am häufigst gestellte Frage des Tages wird sein: Wo findet der Schneeball-Wettbewerb statt?

„Selfie“ nur am Spielfeldrand erlaubt

Die Volunteers sind Lehrer, Rentner, Student, Schüler, Rechtsanwalt oder, wie Georg Bäther, Feuerwehrmann, die auf Großveranstaltungen die Sportler betreuen, dafür sorgen, dass niemand verloren geht, Info-Material verteilen, herumirrenden Gästen helfen – und immer freundlich sind. Selbst bei plötzlich einbrechendem Winterwetter. „Sieben Schichten übereinander sind Voraussetzung, um das heute auszuhalten“, verrät eine gut gelaunte Volunteer-Kollegin aus Duisburg.

Warum man das macht? „Es ist die Liebe zum Verein (S 04), aber auch die Begegnung mit anderen Volunteers“, sagt Bäther. Daraus entstanden private Kontakte. „Es ist ein richtiges Netzwerk, man kennt sich in der Szene.“ Das sei bei Einsätzen anderswo sehr hilfreich bei der Suche nach einer Unterkunft. Denn Anreise, Unterkunft und Verpflegung zahlen die Volunteers selbst. Was sie gestellt bekommen (und später behalten dürfen) ist die Ausrüstung, Jacken und Kappen der Volunteers machen sie als Ansprechpartner erkennbar.

Bei seinem Einsatz bekommt Bäther am Rande nicht nur Sportveranstaltungen mit, sondern auch Momente von Glamour: Bei der Leichtathletik-WM in Berlin 2009 begleitete er Sprinter-Weltmeister Usain Bolt. „Der war super entspannt und freundlich.“ In seinem persönlichen Who is Who der Sportgrößen stehen Hammerwerferin Betty Heidler, die Diskuswerfer Robert Harting und Piotr Malachowski, die Weltmeisterin im Speerwerfen Steffi Nerius. Autogrammwünsche an die Stars sind tabu, „vielleicht mal ein Selfie, aber auch das ist nur am Spielfeldrand erlaubt“.

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