Was sagt der Gelsenkirchener Leserbeirat zu Griechenland?

Ein Hoffnungsschimmer? Am Montag haben die Staats- und Regierungschef der EU sich auf ein Rettungspaket für Griechenland verständigt. Das Bild zeigt die antiken Statuen von Karyatis der Akropolis in Athen.
Ein Hoffnungsschimmer? Am Montag haben die Staats- und Regierungschef der EU sich auf ein Rettungspaket für Griechenland verständigt. Das Bild zeigt die antiken Statuen von Karyatis der Akropolis in Athen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich mit Griechenland auf ein Maßnahmenpaket geeinigt. Die Gelsenkirchener Leserbeiräte geben ihre Einschätzung zur Lage ab.

Gelsenkirchen.. Nach einem wahren Sitzungsmarathon über 17 Stunden in Brüssel haben sich die Staats- und Regierungschefs der Eurozone mit dem Groß-Schuldner Griechenland geeinigt. Der befürchtete „Grexit“ ist vom Tisch – zumindest vorerst. Verständigt haben sich die Verhandlungspartner unter anderem auf eine Reform der Mehrwertsteuer und des Justizsystems im krisengeschüttelten Griechenland, eine Rentenreform, die Stärkung der Unabhängigkeit der Statistikbehörde „Elstat“ und auf neue Regeln zur besseren Kontrolle des Finanzsystems umgesetzt werden – mehr dazu lesen Sie, liebe Leserinnen und Leser, im überregionalen Teil dieser Zeitung.

Die Gelsenkirchener Redaktion hat den WAZ-Leserbeirat nach seiner Meinung zu Griechenland gefragt und die Mitglieder darum gebeten, eine persönliche Einschätzung zum Umgang mit dem Krisenstaat abgegeben und wie es mit den Hellenen weitergehen soll.

Wie schätzen Sie die Lage ein?

„Die Sparauflagen, die mit der Gewährung neuer Kredite verbunden sind, sind notwendig, um für eine stabilere finanzielle Lage zu sorgen. Hätte die griechische Regierung die Auflagen nicht akzeptiert, so wäre es inkonsequent gewesen, weitere Gelder dorthin fließen zu lassen. Die EU hat in den Verhandlungen genug Engagement an den Tag gelegt. Es ist an der griechischen Regierung, ob sie erfolgreich sind oder nicht.“
Laura Rosen

„Griechenland will scheinbar unbegrenzt Geld, aber nicht sagen, wie das zurückkommen soll, Änderungen in Systemen (Steuerehrlichkeit, Renten usw.) nicht vornehmen. Niemand weiß, warum Griechenland so fürchterlich wichtig sein soll. Letztendlich wäre es spannend zu erleben, wie sich ein Austritt aus der EU auswirkt. Viel Bekannte sympathisieren damit, dass auch die gute alte DM nicht das schlechteste wäre.“
Heinz Schröder

„Griechenland soll in der Eurozone bleiben, aber nicht um jeden Preis. Scheinbar möchte die Mehrheit der Griechen den Euro behalten. Ich denke, sie sind gewillt, zu sparen, allerdings nützt es nichts, wenn man sich „kaputt spart“! Neue Vorschläge der griechischen Regierung liegen vor, ich hoffe, man setzt an den richtigen Stellen (Frührenten/Immobiliensteuer) an, trägt es nicht auf dem Rücken derer aus, die zu wenig haben!“
Regina Koch

„Vor allem den Bedürftigen in Griechenland sollte geholfen werden. Dies sollte mit zinsgünstigen Krediten und/oder Hilfsgeldern geschehen. Wenn ich als Unternehmer selbstständig tätig bin, trage ich auch das Risiko des Scheiterns. Das gilt besonders für den Geldhandel. Wichtig ist natürlich auch die staatlichen Strukturen so zu gestalten, dass benötigte Gelder aus dem Steueraufkommen des Landes erzielt werden.“
Wolfgang Kranefoed

„Die Lage ist recht unübersichtlich. Und zum Teil sehr ärgerlich, wenn man an die Berichte denkt, dass einige Griechen eine Rente als Blinde oder Schwerbehinderte kassieren und gleichzeitig als Gerüstbauer oder Taxifahrer arbeiten, oder dass gerade viele vermögende Griechen keine Steuern zahlen. Andererseits geht es vielen Normalbürgern schlecht. Vieles müsste sich ändern, wenn die Griechen ein Hilfsprogramm erwarten.“
Silke Bestek

„Warum soll Griechenland weitere Kredite bekommen, wo doch keinerlei Sicherheiten vorhanden sind? Ohne Veränderungen, wie z.B. die Beendigung der Frühverrentung, stärkere Besteuerung der Reichen und Änderungen im Umsatzsteuerbereich, um ein paar Dinge zu nennen, keine weitere Kreditlinie. Hierbei möchte ich nicht die Beleidigungen von Herrn Tsipras (Terrorristen) mit anführen. Kann man so einem Mann überhaupt trauen?“
Herbert Hütte

„Eine Neuausrichtung der Hilfen in Richtung einer Stärkung der griechischen Wirtschaft ist notwendig. Sparpolitik allein führt nicht zum Erfolg. Nur wenn die Menschen erkennen, dass vor ihnen zwar schwere, aber machbare Aufgaben stehen, werden den Weg in Angriff nehmen. Eine weitere Reduzierung z. B. der kleinen Einkommen/Renten ist zu vermeiden. Die griechische Regierung muss die versprochenen Reformen umsetzen.“
Werner Skiba

„Ich denke in erster Linie an die Bevölkerung Griechenlands. Das sind die, die am meisten darunter leiden müssen und ich hoffe, dass man zu einer vernünftigen Regelung kommt. Griechenland ist nun mal ein Mitglied der Europäischen Union und man muss eine Lösung finden. Es geht nicht ohne finanzielle Einbußen von den Geberstaaten. Eine eigene Währung in Griechenland wäre nicht der richtige Weg.“
Norbert Sehlke