Von Muse in der Arena geküsst? Nein, gerockt!

Vor den Bühnen waren die Fans bester Stimmung, im weiten Arenarund sah es allerdings oft wesentlich  verhaltener aus.
Vor den Bühnen waren die Fans bester Stimmung, im weiten Arenarund sah es allerdings oft wesentlich verhaltener aus.
Foto: Funke Foto Services
Das britische Trio Muse liefert Samstag einen gigantischen Auftritt vor 10 .000 Fans bei Rock im Revier in der Veltins-Arena ab.

Gelsenkirchen.. Understatement ist nicht ihr Ding. Haben Muse aber auch nicht nötig. Wer das Grammy-gekrönte Trio aus Großbritannien live auf der Bühne bei Rock im Revier sieht, der bemüht höchstens noch Superlative: gigantisch, phänomenal.

Spektakuläre Songs und Bilder verbinden sich bei Dominic Howard (Drums), Chris Wolstenholme (Bass) und Mastermind Matthew Bellamy (Guitar, Vocals) zu einer opulenten Orgie aus Klang und Licht und Spaß. Und die überaus textsicheren Fans gehen ab wie Schmidts Katze – nicht von der Muse geküsst, nein, gerockt!
Spätestens seit dem Album „The Resistance“ und dem Hit „Uprising“ von 2009 dürfte klar sein, dass die New Prog-Rocker auch eine politische Band sind – Indoktrination, Überwachung und Korruption etwa sind ihnen zuwider. Zum Ausdruck kommt das in komplexen Kompositionen mit hypnotischer Härte und feinen Melodien. Und wenn der schmächtige Multiinstrumentalist Matthew Bellamy seine glasklare Falsett-Stimme (und E-Gitarre) wie ein gequälter Engel in die Höhe schraubt, so ist das eine mitreißende Mischung, deren Faszination sich kaum jemand entziehen kann.

Ins Visier genommen

Gekonnt kombinieren die Briten bei ihrem begeisternden Auftritt vielversprechende neue Songs wie „Dead Inside“, „Psycho“ oder „Mercy“ mit älteren Krachern wie „Hysteria“, „Starlight“ oder „Supermassive Black Hole“. Radar und Visier nehmen dabei auf den LED-Schirmen potenzielle Ziele aufs Korn, dazu böllern Kanonen lauthals los, allerdings schießen die nur Konfetti und Luftschlagen in den Nachthimmel. Schwarze Kugeln verströmen ebenso wenig Angstpotenzial, vielmehr machen sich gut 10000 Fans in der Arena einen Ping-Pong-Spaß daraus. Wenig Publikum für solch’ Schwergewichte des Rock. König Fußball und die Eil-Verlegung des Festivals nach Gelsenkirchen dürften da eine Rolle gespielt haben.

Nichtsdestotrotz. Es gibt Bands, die live gut sind. Und es gibt jene, die phänomenal sind. Muse gehören zur zweiten Gruppe. Eindeutig.