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Vom Rhein an die Emscher – täglich

19.01.2012 | 19:30 Uhr
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Vom Rhein an die Emscher – täglich
Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   Tanja Brockmann (23) studiert an der FH und pendelt an Vorlesungstagen 100 Kilometer von Köln nach Gelsenkirchen. Damit es nicht zu teuer wird und sie nicht zu viel Zeit verschwendet, hat sie sich dafür ein System überlegt.

Tanja Brockmann (23) wohnt in Köln. Nach wie vor. Seit September letzten Jahres studiert sie Journalismus und Public Relations (JPR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Umgezogen ist sie deshalb nicht. Montags bis donnerstags hat die Pendlerin Vorlesungen. Damit die Fahrten (100 Kilometer einfache Entfernung) nicht zu teuer werden und dabei nicht zu viel wertvolle Zeit verschwendet wird, hat Tanja Brockmann sich ein System überlegt, in dem Bahnfahrten, Übernachtungen in Gelsenkirchen und Nachrichten-Sendungen eine Rolle spielen.

Ein Umzug steht für die Studentin nicht zur Debatte: „Ich wohne in der Kölner Altstadt, schräg gegenüber dem Schokoladenmuseum. Das ist eine 1A-Lage direkt am Rhein.“ 400 Euro zahlt sie dort für ihre 35 Quadratmeter große Wohnung. Sie weiß zwar, dass sie in Gelsenkirchen wesentlich günstiger wohnen würde, aber: „Ich würde etwas vermissen.“ Anfangs habe sie schon darüber nachgedacht, den Wohnort zu wechseln. „Da bin ich aber auch noch nicht hier gewesen! Im Verlauf der Einführungswoche habe ich aber ganz schnell gewusst: Hier möchte ich nicht wohnen.“ In Gelsenkirchen sei einfach zu wenig los.

Das ausgeklügelte System

Das System Brockmann funktioniert so: Montags fährt die 23-Jährige zwei Stunden vor Vorlesungsbeginn (10 Uhr) mit ihrem Ford Ka von Köln über die A3 zur FH in Buer. Wenn sie in keinen Stau gerät, schafft sie die 100 Kilometer in einer Stunde. Nach ihren Vorlesungen fährt sie zum Hauptbahnhof in Oberhausen, stellt dort ihren Wagen ab und nimmt den Zug nach Köln. Umsteigen muss sie nicht. Nach 50 Minuten erreicht sie den Bahnhof Deutz, fährt noch zwei Stationen mit der Straßenbahn und ist zu Hause. „Ich lerne immer im Zug. Ich muss die Zeit doch sinnvoll nutzen“, verrät Tanja Brockmann über ihr ausgeklügeltes System. Und sogar die Zeit im Auto wird nicht verschwendet: Anfangs habe sie zwar immer 1Live gehört, sei dann aber auf WDR2 und WDR5 umgestiegen – der Nachrichten wegen: „Ich kann viel, viel mehr erfahren, wenn ich andere Sender höre.“ Schließlich studiert die Kölnerin ja auch Journalismus.

„Die Anbindung ist einfach zu schlecht“

Tanja Brockmann hält sich nicht immer stur an ihr Pendel-Procedere: „Es kommt auch mal vor, dass ich die ganze Woche über mit dem Auto fahre.“ Allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur FH zu gelangen, kommt für die 23-Jährige nicht in Frage. „Ich habe bei der Bahn angerufen und mit Leuten gesprochen, die das so machen. Es dauert bis zu drei Stunden von der FH bis nach Köln. Die Anbindung ist einfach zu schlecht. Und unter Umständen verpasst man dann noch Anschlusszüge. Das würde ich keine vier Tage aushalten.“ Obwohl sie zwei Stunden vor Vorlesungsbeginn vom Rhein aus startet, kann es sein, dass sie zu spät kommt. Ohne Stau benötigt die Studentin eine Stunde. „In der Regel bin ich pünktlicher als die Kommilitonen aus Gelsenkirchen“, lacht sie.

Dienstagmorgens fährt Tanja Brockmann dann mit dem Zug nach Oberhausen, von dort aus mit dem Auto zur FH. Einmal in der Woche schläft sie bei einer befreundeten Kommilitonin in Gelsenkirchen. Meistens von Dienstag auf Mittwoch, weil der FH-Mittwoch für die 23-Jährige nämlich ausnahmsweise schon um 8 Uhr beginnt. Als Gegenleistung nimmt sie die Freundin, die ebenfalls in Köln beheimatet ist, dafür am Donnerstag mit in die Rheinmetropole. Ansonsten sitzt die JPR-Frau alleine im Auto. Nur selten fahren andere Kommilitonen mit. Dafür ist das System Brockmann vermutlich auch zu individuell.

Reine ÖPNV-Lösung keine Frage

Das Pendel-Procedere am Mittwoch ist das gleich wie am Montag. Mit dem kleinen Unterschied, dass Tanja Brockmanns Tag bereits in Gelsenkirchen beginnt. Donnerstags fährt sie dann mit ihrem Ka von Buer aus durch nach Köln.

Wieviel Geld sie dadurch spart, hat sie noch nicht durchgerechnet. Einen Nebenjob hat sie nicht. Die Studentin lebt von BAföG und wird ansonsten finanziell von ihren Eltern unterstützt. Eine reine ÖPNV-Lösung kommt für Tanja Brockmann nicht in Frage: „Das geht gar nicht! Das dauert viel zu lange.“ Bis zu drei Stunden sei man von Buer bis nach Köln unterwegs.

Tobias Mühlenschulte

Kommentare
30.05.2013
07:12
Vom Rhein an die Emscher – täglich
von KalleKoOL | #2

Ich find daran nix Besonderes.
Ich bin auch jeden Tag gependelt, von GE nach Köln zur Uni und wieder zurück. Mir hätte in Köln auch was gefehlt. Allerdings macht über mich keiner nen Artikel....

22.07.2012
07:03
Vom Rhein an die Emscher – täglich
von silbrecht | #1

Ich frage mich, wie lange dieser zweifelsfrei unterhaltsame, aber unbedeutsame Artikel noch auf der Internet-Startseite der WAZ Gelsenkirchen stehen soll? Wahrscheinlich bis die Dame ihr Studium abgeschlossen hat. Für viele Gelsenkirchener wichtigere Artikel, die über große Baumaßnahmen in der Gelsenkirchener Altstadt, in Buer und auf großen Verkehrsstraßen berichten, sind schon längst in der Versenkung verschwunden und nur noch per Suchfunktion aufzurufen. Schade, dass der Internetpräsenz so wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird.

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2012-01-19 19:30
FH, Gelsenkirchen, ÖPNV, Verkehr, Pendeln, Pendler
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