Vom Gelsenkirchener MiR ins bundesdeutsche Wohnzimmer
09.01.2010 | 13:16 Uhr 2010-01-09T13:16:00+0100
Aus dem Musiktheater strahlte das ZDF Freitagabend seine Auftaktshow zur Kulturhauptstadt aus. Das war teils vergnüglich, aber spielte allzu selten mit Klischees, sondern bestätigte sie nur
Markus Lanz, der gebürtige Südtiroler, er mag „die Originale und die originellen Menschen" im Revier: Davon hatte der 40-jährige Moderator und Entertainer Freitagabend bei der großen „Glückauf Ruhr 2010"- Show des ZDF wahrlich zur Genüge. Von Helge Schneider (stark, schräg) über Rauhbein Claude Rudolph (war mal Ersatzstatist am MiR) bis Rudi Assauer (die Schlote rauchen nicht mehr, er schon).
Nicht aus Studios vom Mainzer Lerchenberg strahlte das Zweite seine Auftaktshow zum Kulturhauptstadtjahr aus, sondern aus dem Musiktheater im Revier. Vor Publikum – geladene prominente Gäste, viele 2010-Helfer und Macher aus den 53 Kulturhauptstädten und ein paar Glückliche, die kurzfristig Restkarten erstanden hatten – wurde die 90-minütige Gala ab 19.30 Uhr aufgezeichnet und um 22.35 Uhr zeitversetzt ausgestrahlt. Direkt im Anschluss an Harry Potters „Gefangene aus Askaban"; ein guter Sendeplatz, wie 2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen meinte, der mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Oberbürgermeister Frank Baranowski in der ersten Reihe Platz nahm. „Mir war wichtig, das wir die Show hier in Gelsenkirchen machen", erklärte Pleitgen – wohl auch ein Trostpflaster für die Absage der großen 2010-Auftaktparty in der Arena.
Und so saßen die Gelsenkirchener sozusagen in der ersten Reihe vor den Bildschirmen und teilten sich den unterhaltsamen Showgenuss mit der freitäglichen, bundesdeutschen Wohnzimmer TV-Gemeinde. „Das ist eine tolle Werbung für Gelsenkirchen und das Musiktheater", freute sich MiR-Intendant Michael Schulz, der dafür in Kauf nahm, dass TV-Firma und ZDF eine Woche lang sein Haus in Beschlag nahmen. Lohn dafür auch: Eine dreiminütige musikalische Visitenkarte des MiR vor einem Millionenpublikum: Aus „MiR goes Rock" brachten die Neue Philharmonie Westfalen mit Rasmus Baumann am Pult und Rüdiger Frank „In the Ghetto" auf die Bühne – wann hat man schon so eine Gelegenheit. Gleiches galt für den Kinderchor der städtischen Musikschule, der „Bochum" einstudiert hatte.
Und die TV-Gala mit einem munter parlierenden Markus Lanz auf dem weißen Plaudersofa, bunter Bilderlandschaft und eingespielten vergnüglichen Filmreisen von Promis durch ihr Revier (besser als manch Talkrunde): Sie skizzierte ein starkes Stück Ruhr- und Kulturgebiet, das von Flensburg bis Passau auf den Bildschirmen die Metropole Ruhr zum Kulturjahr 2010 präsentierte wie sie ist: kernig, kantig und kraftvoll. Und da kann man auch gerne mit Klischees spielen: Atze Schröder in der Folkwang-Kunsthochschule - klasse! Allerdings: ein bisschen weniger Ruhr-Idiome (hömma etc.) und Kumpel-Klischees (wessen Vater war kein Bergmann?) und dafür ein Stück mehr Zukunft hätte nicht geschadet.
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