Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 18°C
Neujahrsempfang der SPD

Viele Lasten, wenig Entlastung

15.01.2012 | 16:48 Uhr
Viele Lasten, wenig Entlastung
Guntram Schneider, NRW-Arbeitsminister, war der Festredner beim Neujahrsempfang des SPD im Saal der Werkstätten des Sozialwerks St. Georg.Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Gelsenkirchen.In einer Werkstatt die Aufgaben einer Arbeiterpartei zu formulieren, kommt als Idee so schlecht nicht rüber. Die SPD Gelsenkirchen hatte am Samstag die Emscher-Werkstatt des Sozialwerks St. Georg für ihren Neujahrsempfang gebucht und mit Guntram Schneider , NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales, einen Genossen als Hauptredner eingeladen, der (rein verbal) schon mal die Ärmel hochkrempelte.

Doch ehe Schneider ans Mikro trat, war es die Aufgabe der Parteivorsitzenden Heike Gebhard, die Gäste an der Emscherstraße zu begrüßen. Die Landtagsabgeordnete schlug angesichts des Ortes auch den Bogen zu den großen Aufgaben, die die Inklusion stellen wird und nannte beispielhaft das Projekt „Eine Gesellschaft für alle – NRW inklusiv“.

Dass der SPD und der rot-grünen Landesregierung die Bundesregierung in Berlin nicht lieb, aber teuer sei, betonte Gebhard unter großem Applaus. „Berlin hat zwar eine stabile Mehrheit, aber die Regierung ist in ihrer Arbeit nicht stabil. Sie beschert uns viele Lasten, aber nur wenig Entlastung.“ Das liege auch daran, „dass der CDU-Partner mittlerweile noch der Zweitgrößte unter den Sonstigen“ sei. Der Kanzlerin attestierte Gebhard, nicht zu einigen, sondern zu spalten. „Da lobe ich mir eine Minderheitsregierung, die planvoll agiert“, sagte die Genossin mit Blickrichtung Düsseldorf.

Verlust von Vertrauen

Was Gebhard, was der SPD Sorgen bereitet, ist der letzte Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Dass die Quote im Osten der Republik gesunken sei, sei gut, „in NRW aber liegt kein Kreis unter dem Bundesdurchschnitt von 9,8 Prozent“.

Die Vorlage nahm Guntram Schneider auf und betonte altbekannte Forderungen wie entsprechende Maßnahmen der SPD. Etwa das Landespersonalvertretungsgesetz, durch dessen Umsetzung NRW in Deutschland zum Mitbestimmungsland Nummer eins geworden sei. Oder das „sehr moderne Vergabegesetz“, das kommen werde. Schneider: „Wir wollen nicht, dass Unternehmen, die Lohndrückerei betreiben, massiv an öffentlichen Aufträgen partizipieren.“ Um dann festzustellen: „Nichts ist schlimmer in der Politik, als der Verlust von Vertrauen“ – verbunden mit einem schönen Gruß an Berlin und an Bundespräsident Christian Wulff (CDU).

Politische Konsequenzen

Die ordentliche Aufstellung der Leiharbeit als Instrument (gleicher Lohn für gleiche Arbeit an gleicher Stelle) thematisierte Schneider ebenso wie die klassischen Felder der SPD und des DGB: Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns ; den Abbau der Lohndiskriminierung der Frauen; Abbau der Befristung von Arbeitsverhältnissen; Finanzierung von Arbeit statt von Arbeitslosigkeit; die Arbeitsbedingungen der Rente mit 67 anpassen; die Vollbeschäftigung erreichen. Und: die Einführung der Vermögens- und Erbschaftssteuer sowie die Anhebung des Spitzensteuersatzes voranzutreiben. „Und da muss bei 49 Prozent nicht Schluss sein. Denn nur Reiche können sich einen armen Staat leisten. Das muss politische Konsequenzen haben“, so Guntram Schneider.

Etwa die, so der NRW-Minister, die Bundestagswahlen an einem Sonntag im September 2013 zu gewinnen.

Friedhelm Pothoff

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
16.01.2012
14:39
Viele Lasten, wenig Entlastung
von tagesschau | #1

Leider ist die SPD,
längst keine Arbeiterpartei mehr.

Ansonsten ist diese übliche Sozialrhetorik
mittlerweile Realsatire.
...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6247803/create

Aktuelle Fotos und Videos
40 Jahre Maritim
Bildgalerie
Hotel
Eine echte Gaudi
Bildgalerie
Schützenfest
Drachenwetter auf Consol
Bildgalerie
Himmelsstürmer
Rock Hard in Gelsenkirchen
Bildgalerie
Festival
Aus dem Ressort
Vor 2021 wird Gelsenkirchen den Haushalt nicht ausgleichen
Stärkungspakt
Von 2014 bis 2018 wird die Stadt Gelsenkirchen jährlich gut 25 Millionen Euro zusätzlich aus Düsseldorf erhalten, dem Stärkungspakt Stadtfinanzen sein Dank. Aber die Summe der Kassenkredite wird steigen, bis die Stadt es schafft, den Haushalt aus eigener Kraft auszugleichen – also nicht vor 2021.
Farfan im Visier - Einbrecherbande muss lange ins Gefängnis
Prozesse
Fleischgroßhändler und Weinlager hatten sie jahrelang leer geräumt, nun müssen sie mit karger Gefängniskost vorlieb nehmen. Das Landgericht Essen verurteilte vier Angeklagte aus Bottrop und Gelsenkirchen wegen schweren Bandendiebstahls in mehreren Fällen zu bis zu fünf Jahren und drei Monaten Haft.