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Verwirrung programmiert

12.10.2012 | 17:07 Uhr
Verwirrung programmiert
Christian Puzicha, Vulkaniseur und Fahrwerkstechniker bei Reifen Stiebling zeigt das neue EU-Reifenlabel.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   Es soll eigentlich alles einfacher machen, Reifenfachhändler aber sind nicht glücklich mit dem neuen EU-Label für Winterreifen, das alle seit Mitte des jahres produzierten Reifen tragen müssen. Es prüfe zu wenige Kriterien und berücksichtige nicht die besonderen Anforderungen an Winterreifen, klagt der Gelsenkirchener Filialleiter Christian Vethacke.

„O bis O“ – eine Weisheit, nach der sich tausende Autofahrer richten. Oktober bis Ostern bedeutet das und meint die Bereifung des fahrbaren Untersatzes. Von jetzt an bis Ostern, so die Faustregel, soll man auf Winterreifen unterwegs sein, um allen Widrigkeiten des Wetters trotzen zu können. Das ist gilt auch in diesem Jahr, auf alle Autofahrer wartet aber ein neuer Fallstrick: das EU-Reifenlabel .

Ein großer weißer Aufkleber muss seit dem Produktionsdatum 30. Juni 2012 auf allen in der EU vertriebenen Autoreifen kleben. Zwei Skalen und ein Lautsprecher sind darauf zu sehen und sollen dem Kunden eine Orientierungshilfe sein. Von „A“ bis „G“ werden Rollwiderstand und die Nasshaftung bewertet, dazu wird die Lärmentwicklung des Reifens in Dezibel angegeben. Richtig glücklich ist mit dem Label aber niemand. „Drei Kriterien reichen aus meiner Sicht lange nicht aus. Heute gibt es circa 40 Kriterien, um einen Reifen zu bewerten. In seinen Tests setzt der ADAC noch immer 20 Kriterien an einen Reifen an“, erklärt Hubertus Mönkemöller, Prokurist bei Reifen Stiebling.

Billigproduktionen sind eine Gefahr

Christian Vethacke leitet die Filiale des Reifenspezialisten aus Herne an der Dieselstraße in Erle. Er und seine Kollegen rechnen mit weitaus längeren Verkaufsgesprächen in den nächsten Wochen. „Ein Label ist zunächst eine gute Idee. An der Umsetzung hapert es aber noch. Da werden Nachbesserungen folgen“, ist er sich sicher. Denn Winterreifen werden unter den gleichen Gesichtspunkten getestet, wie die Sommerreifen. Ein fataler Fehler. Denn so kann ein guter Winterreifen niemals gut „gelabelt“ werden. Verwirrungen beim Autofahrer sind programmiert.

„Die Anforderungen an einen Winterreifen sind ganz andere als an den Sommerreifen. Er kann kein ‘A’ beim Rollwiderstand erreichen, denn dann würden sie bei der ersten Schneeflocke auf dem Asphalt keinen Halt mehr haben. Die Traktion ist im Winter ein sehr viel wichtigeres Kriterium“, erklärt Mönkemöller. Besonders schlimm für all diejenigen, die sich im Internet nach neuen Reifen umsehen und gutgläubig auf das neue EU-Label vertrauen und ohne Expertenrat einkaufen.

Knackpunkt Rollwiderstand

„Es gibt Hersteller, vor allem aus dem asiatischen Raum, die haben Reifen als Winterreifen benannt und eine Gummimischung gewählt, die ihnen ‘A’ und ‘B’-Labels bringt. Wenn es aber schneit, geraten sie schon bei geringer Geschwindigkeit in große Gefahr, weil das Auto mit diesen Reifen dann komplett unbeherrschbar wird“, so Mönkemöller.

Ein ordentlicher Winterreifen könne nach dem neuen EU-Label beim für den Spritverbrauch wichtigen Rollwiderstand nur ein „E“ oder „F“ erreichen. „Aus meiner Sicht sollte es für Winter- und Sommerreifen unterschiedliche Labels und Testkriterien geben“, sagt Verkaufsberater Carsten Eilmes. Wer sich nicht sicher ist, welchen Winterreifen sein Auto braucht, sollte unbedingt den Rat vom Reifenhändler seines Vertrauens einholen. „Bei Bremsen und Reifen darf man beim Auto nicht sparen, sonst kann es sehr gefährlich werden“, warnt Christian Vethacke.

Felix zur Nieden

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Verwirrung programmiert
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2012-10-12 17:07
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