Unterwegs mit dem Team von "Arzt Mobil Gelsenkirchen"

Die Streetworkerinnen Cornelia Müller (gelbe Mütze) und Patrizia Vacca (dunkle Mütze) im Gespräch mit zwei ihrer Klientinnen in einem Gelsenkirchener Park.
Die Streetworkerinnen Cornelia Müller (gelbe Mütze) und Patrizia Vacca (dunkle Mütze) im Gespräch mit zwei ihrer Klientinnen in einem Gelsenkirchener Park.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Team von „Arzt Mobil Gelsenkirchen“ bietet medizinische, psychologische und soziale Unterstützung für Suchtkranke und Wohnungslose.

Gelsenkirchen.. Suchtkranke und Obdachlose – für viele gelten sie als Schandflecke in den Straßen, oft werden sie ignoriert oder skeptisch von der Seite beäugt. Die Frauen von „Arzt Mobil Gelsenkirchen“ schauen nicht weg. Das Team, bestehend aus einer Ärztin, zwei Psychosozialen Beraterinnen (PSB) und drei Streetworkerinnen, arbeitet Hand in Hand für die „Ausgeschlossenen“. „Wir unterstützen uns gegenseitig“, sagt PSB Karin Schneider (38). Ihre Beratung ist für die Suchtkranken, die sich in der Substitution befinden, obligatorisch. Es bringe nichts, einfach nur „“Stoff auszutauschen“. „Die meisten unserer Klienten haben keine sozialen Kontakte mehr, keinen Job, haben verlernt was Normen und Werte sind“, sagt die PSB.

Klienten schwer traumatisiert

Ihre Klienten seien meist schwerst traumatisiert. „Viele nehmen Drogen, weil sie ohne gar nicht leben könnten, ihr Dasein nüchtern nicht ertragen. Es ist wichtig, die eigenen Ansprüche niemals dem Gegenüber überzustülpen. Unser Ziel ist es zunächst, Kontakt herzustellen, die Menschen in die Gesellschaft zurückzuholen.“ Und hier fungieren die Streetworkerinnen an vorderster Front. Gewappnet mit frischen Spritzen, Kondomen, Tabak und Tierfutter, geht es morgens für Cornelia (Conny) Müller (36) und Patrizia Vacca (29) auf die Straße. „Nach Tabak und Futter wird eigentlich immer gefragt“, sagt die zierliche Streetworkerin Conny Müller und lächelt.

Um die 80 Prozent männliches Klientel

Ihre Klientel bestehe zu gut 80 Prozent aus Männern. Warum das so ist? „Männer haben oft andere Bewältigungsstrategien. Oder gar keine.“ Dann geht es auf zu den „Treffpunkten“. Im Park begegnen die Sozialarbeiterinnen, wie vermutet, zwei Frauen. Beide haben Kinder, beide sind nicht wohnungslos und trotzdem sind beide suchtkrank. Jeden Morgen gehen sie zur Substituierung zum Arzt und treffen sich danach auf ein paar Bier. „Wir sind froh, dass die Streetworkerinnen regelmäßig kommen. Sie helfen uns bei allen Fragen und unterhaltens ich mit uns. Von ihnen fühlen wir uns nicht abgestempelt“, erklärt eine der Frauen. Wie selbstverständlich trinken die Klientinnen um 11.30 Uhr ihr Bier.

Vorwürfe führen nicht weit

„Das ist ganz normal. Wir machen niemanden Vorwürfe, sondern versuchen, Betroffenen wieder ein Gefühl der Wertschätzung zu vermitteln und, wenn möglich, sie an unsere Kolleginnen zu verweisen. Mit Schuldzuweisungen würden sie nur das Vertrauen zu uns verlieren“, erläutert Cornelia Müller.

[kein Linktext vorhanden] Am nächsten Treff stehen um die 15 Frauen und Männer, unterhalten sich und trinken ihr Bier. Was sie sich wünschen? „Einen Platz, an dem wir uns treffen können, ohne uns beobachtet zu fühlen. Für die meisten sind wir eh abgeschrieben, aber wir sind nicht alle dumm und aggressiv. Jeder von uns empfindet Scham“, sagt ein Mann aus der Runde. Die Streetworkerinnen verteilen was sie haben, vor allem Tierfutter ist gefragt. Sie unterhalten sich mit den Leuten, lachen zusammen. Dann geht es wieder ins Hauptquartier in die Caubstraße.

Das gelbe Arztmobil ist noch unterwegs zu den Anlaufstellen für Obdachlose. „Viele trauen sich nicht zum Arzt. Jeder kann sich vorstellen, wie ein Obdachloser im Wartezimmer angestarrt wird“, erzählt Karin Schneider. Darum fährt Ärztin Maria Behling für die Erstversorgung zu ihnen. Im Büro-Container, direkt neben dem Männerwohnheim, machen sich die Streetworkerinnen währenddessen an den Schriftkram. Statistiken aufstellen, telefonieren, damit es bald wieder auf die Straße zu den Menschen gehen kann.